Goldküste: Von Globus Delicatessa zur Gourmet-Boutique

Das Moreira Gourmet House, seit zwei Jahrzehnten eine erste Adresse für Feinkost an der Zürcher Goldküste, erfährt einen behutsamen Generationenwechsel.

Im Jahr 2024 haben der Küsnachter Unternehmer Cyril Göldi sowie das Ehepaar Patricia und Michael Hirt-Bunzl das Traditionshaus übernommen.

Im Sinne des Gründers

Und seit Oktober 2025 hat das Moreira Gourmet House in Küsnacht einen neuen Geschäftsführer: Stefano Pepe, der zuvor die Delikatessen-Abteilung des Globus an der Zürcher Bahnhofstrasse leitete.

Gemeinsam führen sie das Feinkostgeschäft im Sinne des Gründers Antonio Moreira weiter. Mehr denn je stehen Leidenschaft, Qualität und gelebte Tradition im Zentrum, während behutsame Modernisierungen das Haus für die Zukunft rüsten.

Behutsame Evolution

Pepe macht gleich zu Beginn des Gespräches klar, dass er keinen Schnellschuss will: «Viele neue Geschäftsführer ändern sofort alles – ich mache das bewusst nicht. Zuerst will ich die Kunden kennenlernen und Vertrauen aufbauen.»

Statt radikaler Umbauten setzt er auf Kontinuität und persönliches Kennenlernen der Kundschaft. Veränderungen sollen, wenn überhaupt, in wohlüberlegten kleinen Schritten erfolgen.

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Küsnachter Institution: Feinkost-Boutique Moreira. (Bild: zVg)

Neue Akzente

Die Devise des neuen Chefs lautet: erst verstehen, dann behutsam verbessern. «Mit Veränderungen können viele Menschen nicht gut umgehen. Deshalb lasse ich vieles, wie es ist, und setze nur behutsam neue Akzente – etwa mit regionalen Produzenten für hochwertige Eigenmarken», erklärt Pepe. Konkret heisst das, dass Bewährtes erhalten bleibt, während Neuerungen gezielt und dosiert eingeführt werden.

Er will die langjährigen Stammkunden nicht verschrecken, sondern ihnen zunächst Beständigkeit vermitteln.

Zeitgenössische Food-Trends

Gleichzeitig schöpft Pepe frische Impulse aus aktuellen Entwicklungen in der Food-Branche. «Der schönste Food-Trend ist für mich ‹Back to the roots› – sprich, Produkte in ihrer ursprünglichen Qualität geniessen und einfach gut einkaufen», sagt er.

Anstatt jedem Hype nachzujagen, setzt er auf authentische Genüsse und die Rückbesinnung auf Qualität. So soll die Tradition des Hauses bewahrt und dennoch zukunftsfähig weiterentwickelt werden.

Innovation bei Champagner und Käse 

Bereits im Sortiment hat Pepe erste Akzente gesetzt. Besonders bei Champagner und Käse wurde das Angebot erweitert: Statt nur der üblichen Prestige-Marken finden sich nun auch Produkte kleinerer Manufakturen.

«Bei uns findet man nicht nur die 08/15-Marken. Wir führen auch Champagner kleiner Häuser und eine riesige Käseauswahl – Produkte, die man nicht überall findet», betont der Geschäftsführer. Zudem ist eine neue Gewürz- und Snackwand in Planung, um das Feinkost-Sortiment weiter abzurunden.

Regionalität bei den Lieferanten

Einen wichtigen Schwerpunkt legt Pepe auf regionale Lieferanten. «Für uns ist die Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten unglaublich wichtig. Man sieht bei uns Milch und Eier aus der Region – wir sind eng mit unseren Lieferanten verbunden», sagt er.

Viele der neuen Eigenmarken des Hauses entstehen in Kooperation mit kleinen Manufakturen aus der Umgebung. Frische und Nachhaltigkeit stehen dabei im Vordergrund: Fleisch und Gemüse werden jeden Morgen frisch von regionalen Märkten bezogen, anstatt auf lange Lagerhaltung zu setzen. Diese Verbundenheit mit der Region gehört zum Markenkern von Moreira Gourmet House und unterstreicht den hohen Qualitätsanspruch.

Kunden von jung bis alt

Das Feinkosthaus in Küsnacht ist seit Jahrzehnten ein Treffpunkt für Gourmets – und zwar aller Generationen.

Die Herausforderung für Stefano Pepe besteht darin, neue jüngere Kundschaft anzusprechen, ohne die treuen Stammkunden zu verlieren. Doch hier kann der neue Geschäftsführer beruhigen: «Dank günstiger Mittagsmenüs kommen täglich Schüler – wir haben schon seit 20 Jahren Jugendliche im Laden. Es findet also keine Verdrängung der Stammkundschaft statt.»

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Ein Herz für Kochmuffel. (Bild: zVg)

Mittagstisch für Schüler

Tatsächlich lockt Moreira Gourmet House seit jeher auch die junge Generation an, etwa mit preiswerten Mittagsangeboten für Oberstufenschüler aus der Umgebung. So geben sich mittags Teenager und langjährige Feinschmecker die Klinke in die Hand.

Viele Kunden kennen den Laden noch aus ihrer eigenen Kindheit – sie kamen einst mit ihren Eltern und bleiben ihm bis heute treu. Diese generationenübergreifende Kundschaft sieht Pepe als grosse Stärke: Alt und Jung fühlen sich gleichermassen wohl und finden zusammen, vereint durch die Liebe zu gutem Essen.

Erlebnis statt Online-Handel

In Zeiten des boomenden Online-Handels setzt Moreira Gourmet House bewusst einen Gegenakzent: das Einkaufserlebnis vor Ort. Stefano Pepe ist überzeugt, dass persönliche Nähe im Delikatessen-Geschäft zentral bleibt. «Die Nähe zum Kunden ist extrem wichtig. Wir sind ein Treffpunkt – deshalb glaube ich, dass Onlinehandel in unserem Bereich gar nicht so erwünscht ist», stellt er klar.

Anstatt auf einen anonymen Webshop zu setzen, bietet das Unternehmen einen unkomplizierten Bestellservice auf persönlichem Weg: Wer nicht selbst ins Geschäft kommen kann, schickt eine E-Mail oder ruft an – das Team liefert die Bestellung direkt ins Dorf.

Genussreisen durch den Laden

Den Kern der Strategie bildet jedoch das Erlebnis im Laden selbst. Veranstaltungen wie Champagner- und Käse-Degustationen oder sogenannte «Genussreisen» durch den Laden sollen die Kunden stärker binden. Bei diesen Events können Gruppen an verschiedenen Stationen Delikatessen probieren und dabei die Geschichten hinter den Produkten erfahren.

Das komme hervorragend an und soll künftig noch weiter ausgebaut werden, so Pepe. Schliesslich ist die Kundschaft heute bereit, für besondere Erlebnisse auch mehr auszugeben. Der Geschäftsführer möchte den Einkauf im Moreira Gourmet House zu einem Genuss-Erlebnis machen, das ein Online-Shop niemals bieten kann.

Truthahn und Filet Wellington

In der Feinkost-Welt zeichnet sich ein Wandel ab: Viele Kunden besinnen sich wieder auf klassische Gerichte und authentische Zutaten – vom traditionellen Truthahn zu Thanksgiving bis zum Filet Wellington an Weihnachten.

Die Qualität der Grundprodukte rückt dabei noch stärker in den Mittelpunkt, und das Moreira Gourmet House punktet hier mit seinem erlesenen Angebot an frischen, saisonalen und internationalen Spezialitäten.

Küchenfertig aus Küsnacht

Gleichzeitig ändert sich das Kochverhalten vieler Menschen. Nicht alle haben Zeit oder Musse, stundenlang zu kochen – auf kulinarischen Hochgenuss möchten sie aber nicht verzichten. Moreira reagiert auf diesen Trend mit Convenience auf Gourmet-Niveau: Neben erstklassigen Rohwaren bietet das Haus auch hochwertige, hausgemachte Delikatessen als Fertig- und Halbfertig-Gerichte aus eigener Küche.

Ob feine Suppe, Eintopf oder mariniertes Hauptgericht – vieles wird in Küsnacht küchenfertig zubereitet, so dass die Kundschaft es zu Hause nur noch kurz erwärmen oder anrichten muss. Dieser Service kommt all jenen entgegen, die zwar weniger selbst kochen, jedoch nicht auf erstklassige Mahlzeiten verzichten wollen.

Expansion und Vision

Neben dem Tagesgeschäft hat Stefano Pepe auch die Zukunft fest im Blick. Expansionspläne stehen bereits in den Startlöchern: «Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir expandieren wollen. Am liebsten würde ich auf der anderen Seeseite einen zweiten Laden eröffnen», gibt er Einblick.

Küsnacht liegt am Zürichsee – auf der gegenüberliegenden Uferseite sieht Pepe also Potenzial für eine neue Filiale von Moreira Gourmet House.

Bald auch an der Pfnüselküste?

Doch bei aller Wachstumsfreude verliert er die Basis nicht aus den Augen: «Mir ist wichtig, dass der Standard hier genauso bleibt, wie er ist – ich möchte in die grossen Fussstapfen von Antonio Moreira treten.» Bevor Neues entsteht, soll das Stammhaus in Küsnacht weiterhin auf höchstem Niveau geführt werden, genau so, wie es der Gründer über zwei Jahrzehnte lang getan hat.

Diese Haltung prägt auch Pepes persönliche Ziele. Er sprüht vor Leidenschaft für Lebensmittel und möchte diese Begeisterung weitergeben. «Mein grösstes Ziel ist, dass die Leute wieder Freude am Kochen haben. Ich möchte noch viel mehr Genuss-Events machen – es gibt doch nichts Schöneres, als über Lebensmittel zu reden und Neues auszuprobieren», sagt er strahlend.

Tradition mit frischem Elan

Am Ende, so Pepe, solle vor allem eines stehen: glückliche Kunden und ein ebenso glückliches Team.

Das Moreira Gourmet House der Zukunft soll ein Ort bleiben, an dem Leidenschaft, Qualität und Spass am Genuss Hand in Hand gehen – ganz im Sinne der Tradition, aber mit frischem Elan.