Sieben Bücher, die an Weihnachten für schönes Vergnügen sorgen

 «Cum/Ex, Milliarden und Moral» 

von Anne Brorhilker

Nachdem Anne Brorhilker vor rund eineinhalb Jahren als Kölner Staatsanwältin und Chefermittlerin im Cum/Ex-Steuerbetrugsskandal zurücktrat, erklärte sie, dass sie an anderer Stelle gegen Finanzkriminalität kämpfen wolle. Seit 2012 hat sie im Umfeld der Cum-Ex-Fälle ermittelt, die dem deutschen Staat einen zweistelligen Milliardenschaden verursacht haben sollen. Jetzt hat sie darüber ein Buch veröffentlicht.
Dabei schildert sie ihre Erfahrungen mit der Finanzelite und blickt hinter die Kulissen der Grossbanken. Doch es geht auch um die Frage, warum es dem Staat so schwerfällt, gegen Wirtschaftskriminalität und Steuerhinterziehung vorzugehen. 

    


«Spillover»

von Peter Püntener

Wer den Schweizer Finanzplatz verstehen möchte, kommt an den vergangenen 20 Jahren nicht vorbei. Der Bildband «Spillover» des Fotografen und ehemaligen Nationalbankmitarbeiters Peter Püntener bietet dafür einen ungewöhnlich direkten Zugang. Er erzählt die jüngsten Erschütterungen der Finanzwelt über eindrückliche Bilder.

Im Zentrum des Werkes stehen Porträts von rund 90 Entscheidungsträgerinnen und -trägern, welche die Finanzkrisen seit 2007 aus nächster Nähe mitprägten. Ein begleitender Essay des Wirtschaftshistorikers Tobias Straumann liefert zusätzliche Einordnung, die Dynamik der Ereignisse spiegelt sich in den Zitaten aus Interviews mit den porträtierten Akteuren, wer tiefer schürfen will, konsultiere die umfassende Chronologie. Ein empfehlenswertes Werk für alle, die Finanzgeschichte nicht nur lesen, sondern auch sehen möchten.

 


«Für Polina»

von Takis Würger

Takis Würger erzählt in «Für Polina» ein modernes Märchen über Liebe, Freundschaft und den langen Weg zu sich selbst. Im Mittelpunkt stehen Polina und Hannes, die sich seit ihrer Kindheit kennen und kaum unterschiedlicher sein könnten: Hannes ist still, sensibel und verträumt. Er nimmt die Welt in Melodien wahr. Polina dagegen ist voller Energie, direkt und leidenschaftlich.

Als Hannes zum Klavier-Wunderkind heranwächst und seine Gefühle für Polina entdeckt, trennt ein Schicksalsschlag ihre Wege. Doch Hannes kann Polina nicht vergessen. Er sucht sie über das, was ihn ausmacht: seine Musik, die vielleicht bis nach Istanbul reicht, wo sie heute leben könnte.

Der Roman greift Trauer, Verlust und das Gefühl, sich selbst zu verlieren, auf. Zugleich durchzieht ihn eine zarte Romantik, und die klassische Musik verleiht der Geschichte eine Magie, die sie zu einer besonders wundervollen, feinfühligen Lektüre für die Weihnachtszeit macht.


«In Zeiten des abnehmenden Lichts»

von Eugen Ruge

Auf gelassen ruhige Weise erzählt Eugen Ruge die Geschichte einer Familie, die ein halbes Jahrhundert deutsche Brüche und Hoffnungen durchlebt. Die Grosseltern, noch überzeugte Kommunisten, kehren aus dem mexikanischen Exil in die junge DDR heim, um dort ihren Anteil am Aufbau der neuen Republik zu leisten. Ihr Sohn, als junger Mann nach Moskau emigriert und später in ein sibirisches Lager verschleppt, tritt die Reise vom anderen Ende der Welt, dem Ural an. Er kehrt mit seiner russischen Frau zurück in eine Kleinbürgerrepublik, an deren Veränderbarkeit er weiterhin glauben will. Dem Enkel wird die Wahlheimat von Eltern und Grosseltern zusehends zu eng – bis er, ausgerechnet am neunzigsten Geburtstag des Patriarchen, in den Westen geht.

Die Stahlkraft der politischen Utopie scheint sich von Generation zu Generation zu verdunkeln: Es ist die Zeit des abnehmenden Lichts.
Ruges Roman ist ein halbes Jahrhundert gelebter Geschichte, ein Deutschlandroman voll überraschender Wendungen und Details. Ein Buch für alle, die sich in der Weihnachtszeit der deutschen Vergangenheit auf eine zugängliche Weise nähern möchten.


«Das Geld»

von Emile Zola

Paris, das pulsierende Herz der Belle Époque. Eine Zeit des unbändigen Aufstiegs und des skrupellosen Falls. Im Zentrum steht Aristide Saccard, ein Mann, der entschlossen ist, sich in der Welt der Finanzen einen Namen zu machen. Er gründet die Union Générale, eine Bank, deren Aktienkurse in schwindelerregende Höhen schiessen. Emile Zolas Roman beschreibt den Rausch der Spekulation, die Gier der Investoren und das luxuriöse Leben der Neureichen – eine schonungslose Gesellschaftsanalyse. 


«Eva schläft»

von Francesca Melandri

«Eva schläft» von Francesca Melandri ist eine einfühlsame Geschichte von Mutter und Tochter und bietet zudem einen Blick in das Innere der Südtiroler Kulturgeschichte der 1960er-Jahre. Eva, geboren zu der Zeit, erhält eines Morgens den Anruf, dass ihre Vaterfigur Vito im Sterben liegt. Um ihn noch einmal zu sehen, nimmt sie eine Tagesreise von Südtirol nach Sizilien in Kauf. Während der langen Zugfahrt findet Eva Gelegenheit, über ihr Leben mit ihrer Mutter Gerda nachzudenken und die Gründe, weshalb diese ihr den Kontakt zu Vito verboten hat.

Der Roman der römischen Schriftstellerin erzählt zwei Geschichten in einer – eigentlich sogar drei. Neben der Geschichte von Mutter und Tochter schimmern immer wieder Ereignisse durch, die Südtirol betreffen.                                                                                                                                                                                                                                                                         


«Der gefrorene Fluss»

von Ariel Lawhon

Im Eis des zugefrorenen Kennebec River in Maine taucht die Leiche eines Mannes auf. Martha Ballard, Heilerin und Hebamme in Hallowell, erkennt sofort, dass hier kein Unfall vorliegt. Der Tote war in eine Vergewaltigung verwickelt, doch der neu eingesetzte Arzt versucht, den Vorfall herunterzuspielen. Martha lässt sich nicht beirren. Mit der Beharrlichkeit einer Frau, die täglich Leben und Tod begegnet, beginnt sie zu ermitteln, gestützt auf ihre akribisch geführten Tagebücher.


Ariel Lawhon gewährt uns mit ihrem Roman einen detaillierten Blick auf die gesellschaftlichen und religiösen Zustände in den USA im 18. Jahrhundert. Und auf ein Rechtssystem, in dem Frauen rein gar nichts zählten.

Die Autorin führt eindrucksvoll vor Augen, wie weit Mut, Entschlossenheit und innere Stärke tragen können. Ein Roman, der besonders all jene begeistern dürfte, die historische Stoffe mit dichter Atmosphäre schätzen.