Warum Schweizer Pensionskassen umdenken müssen

Das wirtschaftliche Umfeld für Schweizer Pensionskassen ist anspruchsvoller denn je: hohe Volatilität, geopolitische Unsicherheiten, ein wiederkehrendes Tiefzinsumfeld, ein starker Franken und zunehmende Konzentrationsrisiken an den Aktienmärkten. Im Podcast von finews erläutert Alexandra Tischendorf, Head of Investment Switzerland beim internationalen Beratungsunternehmen WTW, weshalb der sogenannte Total Portfolio Ansatz (TPA) in diesem Umfeld stark an Bedeutung gewinnt. «Wir benötigen mehr denn je ein Portfolio-Konzept, welches in der Lage ist, viel flexibler auf veränderte Marktsituationen reagieren zu können», sagt sie. 

Weg von starren Allokationen, hin zum Gesamtziel

Im Zentrum der Diskussion steht die Kritik an der klassischen strategischen Asset Allocation. Diese basiert auf fixen Quoten für einzelne Anlageklassen, die jeweils an Benchmarks gemessen werden. Dieses Vorgehen sei über Jahrzehnte sinnvoll gewesen, erklärt Tischendorf, greife heute jedoch zu kurz. Insbesondere in einer Welt mit komplexen Anlageformen, illiquiden Private-Markets-Investments und multiplen Zielsetzungen verliere die Benchmark-Logik zunehmend an Aussagekraft.

Der Total Portfolio Ansatz setzt genau hier an: Statt einzelne Anlageklassen isoliert zu betrachten, rückt das Gesamtportfolio und dessen Zielerreichung in den Fokus. 

Mehrrendite möglich, aber nicht garantiert

Ob Pensionskassen mit dem bisherigen Ansatz «Geld liegen lassen», beantwortet Tischendorf differenziert. Klar sei jedoch: In der Praxis zeige sich bei Investoren, die den Total Portfolio Ansatz konsequent umsetzen, über die Zeit häufig eine Mehrrendite.  

Wandel in kleinen Schritten

Es gibt gute Gründe, für einen neuen Ansatz. Doch der Total Portfolio Ansatz stösst nicht überall auf sofortige Zustimmung. Vorbehalte betreffen vor allem den vermeintlichen Verlust an Kontrolle und die Frage der Erfolgsmessung ohne klassische Indizes. Diese Hürden seien überwindbar, sagt die Expertin.

Für die kommenden fünf Jahre erwartet Tischendorf eine schrittweise Weiterentwicklung: «Der Trend geht klar dahin, Silos aufzubrechen, Portfolios robuster aufzustellen und stärker vom Ziel her zu denken.» 

Mehr dazu im Podcast von finews. 

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