Weshalb die Grande Dame der Sacher Hotels nicht gerne von Longevity spricht
Dass Genuss und Gesundheit kein Widerspruch sind, versucht Elisabeth Gürtler seit gut zehn Jahren in Seefeld im Tirol unter Beweis zu stellen. Die Unternehmerin aus der berühmten österreichischen Sacher-Dynastie hat nach der Übergabe der Wiener und Salzburger Sacher-Häuser an ihre Kinder mit 65 Jahren noch einmal neu begonnen – und das Alpin Resort in Seefeld zu einem Ort für «besseres Altern» transformiert. Nur eines vermeidet sie dabei bewusst: den Begriff Longevity, wie sie Podcast von finews sagt.
Gesundheitsprogramme müssen in Alltag passen
Während klassische Gesundheitskliniken oft auf Purismus, Entgiftungskuren und strikte Programme setzen, kombiniert Gürtler medizinische Diagnostik, präventive Ansätze und sportliche Aktivität mit einem Fünf-Sterne-Resort-Umfeld. «Für mich war klar: Ich will nicht eine Woche lang alleine in einer Klinik sitzen», sagt sie. Gesundheitsprogramme müssten in einen Alltag passen, in dem Tennis, Wandern oder Skifahren ebenso Platz haben wie eine ärztliche Konsultation oder ein Blutbild.
Am Anfang steht stets eine Bestandsaufnahme: medizinische Checks, DNA-Analysen, epigenetische Marker oder Stoffwechselprofile – begleitet von einer Ärztin und einem Netzwerk an Spezialisten, darunter Endokrinologen und Stammzellenforscher. Auf Basis der Daten erfolgt eine personalisierte Empfehlung: Was ist genetisch vorgegeben, was epigenetisch beeinflussbar und wie lässt sich die eigene Lebensführung anpassen?
Entscheidend sei letztlich jedoch, was man mit seinem Leben mache – von Schlaf über Ernährung bis zu mentaler Aktivität. Das Ziel: nicht nur länger leben, sondern länger gesund bleiben.
Dass der Trend mittlerweile global geworden ist, steht für Gürtler ausser Frage. Investoren wie Sam Altman treiben milliardenschwere Forschungsprogramme, neue Klinikkonzepte entstehen weltweit und der Lifestyle-Markt hat den Begriff längst besetzt. Genau darin sieht sie die Gefahr: «Natürlich wird jeder Trend auch missbraucht. Vieles, was heute unter Longevity läuft, ist nicht wissenschaftlich fundiert.» Sie spricht deshalb lieber von Better Aging.
Longevity für den Vierbeiner: mehr als ein Gag
Dass Gürtler nicht nur an Menschen denkt, zeigt die jüngste Erweiterung: Longevity for Pets. Wochenprogramme für Hunde, begleitet von Tierärzten, Trainern, Dental-Checks und sogar Tierporträts. Für manche ein Marketing-Gag – für Gürdler schlicht logische Konsequenz: «Tiere sind meine Lebensbegleiter. Und ältere Hunde haben dieselben Themen wie wir.»
Neben ihrer Tätigkeit in Tirol sitzt die Unternehmerin seit mehr als einem Jahrzehnt im Verwaltungsrat von Lindt & Sprüngli. Dort lernt sie eine andere Dimension von Genuss kennen: Schokolade als krisenresistentes Gut. «Menschen verzichten in harten Zeiten eher auf vieles, aber nicht auf Urlaub und nicht auf Schokolade», sagt sie.
Mehr dazu im Podcast von finews.
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