Asset Management in der Schweiz: Reich an Vermögen, arm an Talenten?

Mit verwalteten Vermögen von 3,45 Billionen Franken im Jahr 2024 ist die Schweiz der drittgrösste Asset-Management-Markt Europas. Die aktuelle Swiss Asset Management Study zeigt, dass sowohl institutionelle Anleger als auch Private-Wealth-Kunden substanzielle Kapitalvolumen im Land bündeln. Für internationale Asset Manager bleibt die Schweiz damit ein hochattraktiver Vertriebs- und Asset-Pooling-Markt.

Laut Christian Haas, Mitgründer von Eleway, einer auf Asset Management spezialisierten Beratungsfirma für Board & Executive Search sowie Organizational Development, ist dies jedoch die eine Sicht auf die Dinge. «Die Frage lautet nicht, ob die Schweiz relevant ist, sondern wo entlang der Wertschöpfungskette diese Relevanz tatsächlich entsteht», sagt er.  

Christian Haas

Christian Haas. (Bild: zVg)

London läuft Schweiz Rang ab 

Und dort fällt das Fazit von Haas nicht gut aus: «Besonders in anspruchsvollen und skalierungsintensiven Anlageklassen wie Private Markets oder alternativen Anlagen ist die Präsenz von Investment-Talenten begrenzt», sagt er. 

London bleibe Europas wichtigster Talentmarkt. Dafür würden der breite Talentpool in spezialisierten Strategien, die hohe Mobilität von Investment-Professionals sowie die Nähe zu globalen Kapitalmärkten, Datenanbietern und institutionellen Kapitalflüssen sprechen. «Hinzu kommt eine historisch gewachsene Leistungskultur mit ausgeprägter KPI- und Ergebnisorientierung», sagt er. Demgegenüber mangelt es laut dem Experten der Schweiz an Skalierung, Internationalisierung und Dichte, gerade dort, wo Spezialisierung und Plattformeffekte entscheidend sind.

Private Markets: Investment-Teams kaum präsent

Laut Haas ist Private Markets ein gutes Beispiel dafür. Häufig wird Private Markets als Segment genannt, in dem die Schweiz eine Rolle als Produktionsstandort spielen könnte. Origination, Deal-Sourcing und Plattformaufbau werden aber weiterhin primär in London oder New York gesteuert. Für Anlageklassen wie Real Estate, Infrastructure oder Direct Lending zählt physischen Marktzugang – und dieser liegt nur selten in Zürich, Genf oder Zug», sagt Haas.  

Die Zurückhaltung der Schweiz könnte sich negativ auswirken. Andere Jurisdiktionen agieren deutlich offensiver. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien ziehen derzeit in rasantem Tempo internationale Portfoliomanager und Investment-Teams an. «Dort ist Asset Management Teil einer industriepolitischen Agenda, die wirtschaftliche Diversifizierung, staatlich unterstützte Kapitalprogramme, Plattformaufbau und Talentakquise miteinander verknüpft», sagt Haas. 

Eine vergleichbare Vision sei in der Schweiz bislang kaum erkennbar. Haas: «Ob der Finanzplatz künftig auch für Investment-Talente und Investment-Produktion an Bedeutung gewinnt, ist keine Frage der Ausgangslage, sondern des Gestaltungswillens. Die Voraussetzungen wären gegeben. Entscheidend ist, ob sich die Schweiz klar positioniert – oder ob sie diese Rolle weiterhin anderen überlässt.»