Comeback der Blackberry-Idee

Die Unwiderstehlichkeit des Blackberry in den frühen 2000er-Jahren hing massgeblich mit der Tastatur zusammen. Mit etwas Übung und  präziser Daumenarbeit konnte man Emails und Nachrichten fast so schnell schreiben wie auf einem grossen Gerät.

Entscheidend war zudem das Gefühl von Exklusivität, welches das Gerät umwehte. Der Blackberry Messenger bot, lange bevor moderne Messenger den Alltag eroberten, einen geschlossener Kommunikationsraum für die Community. Schnell, verlässlich, mit ikonischen Zustell- und Lesebestätigungen.

Vom Marktführer zum Absturz

Zu den Innovationen des Herstellers gehörte auch das Umschalten zwischen Berufs- und Privatumgebung mit einer einfachen Bewegung: auf der einen Seite ein geschütztes, professionelles Arbeitsumfeld, auf der anderen das persönliche Leben.

Allerdings überlebte ausgerechnet jenes Unternehmen, das einst die mobile Produktivität definierte, die Smartphone-Revolution nicht. Obwohl es sie selbst mit angestossen hatte. Mit dem Siegeszug von Touchscreens, App Stores und Software-Ökosystemen verlor Blackberrys eigenständiger Ansatz zunehmend an Boden. Der einst dominante Marktanteil in der Business-Welt begann zu schrumpfen, lange bevor sich das Unternehmen endgültig aus dem Hardware-Geschäft verabschiedete.

2016 zog sich der kanadische Konzern aus der eigenen Smartphone-Produktion zurück und verlagerte den Fokus auf Software und Sicherheitsanwendungen. Am 4. Januar 2022 endete schliesslich der Support für die klassische Blackberry-Infrastruktur. Es war der formale Schlusspunkt unter eine Ära, die den mobilen Arbeitsalltag einst nachhaltig geprägt hatte.

Rückkehr der Tastatur

Anfang 2026 bringen nun zwei Anbieter neue Geräte auf den Markt, die bewusst an die Tradition der physischen BlackBerry-QWERTY-Tastatur anknüpfen.

Der neue Clicks Communicator greift das kulturelle Erbe mit bemerkenswerter Konsequenz auf. Für das Design verpflichtete das Unternehmen in Gestalt von Joseph Hofer einen früheren Blackberry-Chefdesigner, der massgeblich an den ikonischen Tastaturen der Vergangenheit beteiligt war.

ClicksCommunicator
Produktneuheit von Clicks: der Communicator. (Bild: zVg)

Clicks versteht sein Gerät als Gegenentwurf zur Dauerablenkung: gedacht für kurze, zielgerichtete Interaktionen statt für endlose Feeds. Bis zum offiziellen Verkaufsstart nimmt der Hersteller Vorbestellungen entgegen. Wer sich bis zum 27. Februar 2026 anmeldet, sichert sich Vorzugskonditionen.

In der Android-Welt verankert

Ebenfalls ein neues Modell in der Pipeline hat Unihertz. Der chinesische Smartphone-Hersteller sucht die Nischen, welche die grosse Marken aufgegeben haben. Sein neuestes Aushängeschild ist das Unihertz Titan 2 Elite: ein auf seine QWERTY-Tastatur zentriertes Smartphone mit eher quadratischem Display. Es ist deutlich als Produktivitätswerkzeug positioniert und als moderne Neuinterpretation des Communicator-Gedankens.

Die ästhetische Evolution, ausgehend vom eher klobigen Basismodell, wurde über Crowdfunding finanziert. Ein Datum für den Verkaufsstart ist noch nicht bekannt.

unihertz titan2
Mit Crowdfunding entwickelt: Unihertz Titan 2 Elite. (Bild: zVg)

Anders als die historischen Blackberry-Geräte sind beide Produktneuheiten in zeitgemässer Smartphone-Software verankert, nämlich auf Android. Das ist eine natürliche Voraussetzung für jede Tastatur-Renaissance. Denn nach mehr als einem Jahrzehnt rasanter Software-Entwicklung kann kein Nischen-Smartphone ausserhalb eines etablierten Ökosystems mit Banking-Apps, Navigation, Messengers, Authentifizierungs- oder Enterprise-Tools bestehen. 

Gegen den Bildschirm-Überdruss

Umso mehr wird damit die Tastatur zum zentralen Unterscheidungsmerkmal. Das Betriebssystem ist zur Commodity geworden, die Identität liegt damit in der Hardware. Die neuen Geräte sind eine bewusste Alternative zur Gleichförmigkeit vollflächiger Touchscreens, des Tippens auf Glas, fehlerhafter Swipes und visueller Dauerreize.

Einen Massenmarkt dürften Clicks und Unihertz damit zwar nicht erobern. Immerhin setzen sie aber auf eine wachsende Minderheit, die in der haptischen Tastatur wieder ein Statement der Produktivität erkennt.