Commerzbank: KI soll Treiber des Stellenabbaus werden
Die Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Bettina Orlopp, hat im Ringen um die mögliche Übernahme durch die italienische UniCredit konkretisiert, wie der geplante Stellenabbau aussehen soll. Ein sehr grosser Teil der Einsparungen bei der Organisation soll dabei über Künstliche Intelligenz (KI) erzielt werden, sagte sie gegenüber der Deutschen Presseagentur (DPA).
Auf Künstliche Intelligenz (KI) entfalle dabei ein «sehr grosser Teil», sagte die Bank-Chefin. «KI ist sehr kraftvoll in verschiedenen Bereichen.» Die Auswirkungen seien grösser als man vor gut einem Jahr angenommen habe.
Die Bank will dabei nach eigenen Angaben ihre Belegschaft so weit wie möglich schützen. Stattdessen sollen vor allem Kapazitäten bei externen Call-Centern abgebaut und auch im IT-Umfeld stärker auf eigene Prozesse statt auf externe Zuarbeit gesetzt werden.
Betriebsbedingte Kündigungen will die Commerzbank vermeiden. «So, wie unsere Demografie in der Bank ist, werden wir diesen Prozess maximal sozialverträglich gestalten», bekräftigte Orlopp.
Eigenständigkeit verteidigen
Im laufenden Übernahmepoker will die Commerzbank ihre Eigenständigkeit verteidigen und verfolgt gleichzeitig ambitionierte Gewinn- und Renditeziele bis 2030.
Unicredit kontrolliert bereits knapp 30 Prozent der Commerzbank-Aktien. Anfang Mai wurde ein Angebot für sämtliche Commerzbank-Anteile vorgelegt. Das Mailänder Institut bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. So sollen bis zum 16. Juni weitere Aktien eingesammelt werden, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Die Offerte kann bis zum 3. Juli verlängert werden.
Die Unicredit ist in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank (HVB) aktiv. Die Commerzbank bewertet das Vorgehen der Unicredit als feindlich. Der deutsche Staat hält gut zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile.
Die Unicredit wurde wegen einer Social-Media-Kampagne von der Finanzaufsicht Bafin gerügt. «Was wir nicht gebrauchen können, ist eine Destabilisierung unserer Organisation», betonte Orlopp. «Wir achten darauf, dass wir die Organisation stabil halten, trotz dieser unangemessenen Angriffe.»
Destabilisierung zum Ziel
Auch zu den Kommentaren von EZB-Vizepräsident Luis de Guindos bezog Orlopp Stellung. Er hatte kürzlich die deutsche Bundesregierung für ihren Widerstand gegen eine Commerzbank-Übernahme kritisiert. Die Äusserungen hätten die Commerzbank «schon überrascht», sagte Orlopp. Es mute «seltsam an, dass es von einzelnen Vertretern eine anscheinend offene Unterstützung für einen Angang gibt, der eine Destabilisierung zum Ziel hat». Die Bundesregierung habe die Punkte klargemacht, die am Vorgehen der Unicredit schwierig seien. «Und als Aktionär hat sie dazu auch jedes Recht», betonte die Commerzbank-Chefin.
Orlopp sagte, dass man in Kürze eine begründete Stellungnahme zum Angebot der Unicredit vorlegen werde. «Das Übernahmeangebot der Unicredit ist de facto eine Schrumpfungs-Strategie für unser Geschäftsmodell», kritisierte Orlopp.
Die Commerzbank habe sich nie Gesprächen verweigert. Es müsse jedoch von der Unicredit ein «Zeichen geben, dass sie bereit sind, über die Höhe des Angebots an unsere Aktionäre nachzudenken und über das Geschäftsmodell», sagte Orlopp.













