Zürcher Private Equity-Spezialist: «Die Indien-Story beginnt gerade erst»
Vor zwei oder drei Jahren galt Indien unter Investoren als Pflichtdestination. Diversifikation, geopolitische Absicherung und hohes Wachstum machten das Land zum Liebling vieler Anleger. Inzwischen ist es deutlich ruhiger geworden rund um die indische Investmentstory. Für Ajay Singh, Managing Partner des Zürcher Private Equity-Spezialisten Rootbridge, ist das jedoch lediglich eine Momentaufnahme.
«Die Party ist nicht vorbei. Sie beginnt gerade erst – und sie wird die nächsten 30 bis 40 Jahre weitergehen», sagt der im Podcast von finews.
Dabei ordnet Singh die Entwicklung historisch ein. Indien sei während Jahrhunderten die grösste Wirtschaftsregion der Welt gewesen, habe jedoch Industrialisierung und Globalisierung teilweise verschlafen. Erst mit der Digitalisierung sei die grosse Wende gekommen.
«Heute ist Indien die viertgrösste Volkswirtschaft der Welt. Und das ist kein kurzfristiger Boom, sondern ein struktureller Rebound-Effekt», sagt Singh.
«Indien profitiert geopolitisch»
Besonders spannend sind seine Einschätzungen zur geopolitischen Lage. Während viele Märkte unter Unsicherheit leiden, sieht Singh Indien in einer vergleichsweise starken Position. «Indien hat immer auf Multilateralismus gesetzt», sagt er. Das Land unterhalte gute Beziehungen zu unterschiedlichsten Machtblöcken und verfüge inzwischen über zahlreiche Freihandelsabkommen.
Auch beim Thema Energieversorgung sieht Singh Indien robust aufgestellt. «Der Energiemix ist geopolitisch momentan sehr stark», erklärt er. Indien sei deutlich weniger abhängig von kritischen Importen als viele westliche Volkswirtschaften. Entsprechend stabil bleibe auch das Wachstum. Der Internationale Währungsfonds (IMF) habe Indien zuletzt sogar höher eingestuft.
Digitalisierung als gigantisches Spielfeld
Besonders eindrücklich beschreibt Singh die Dynamik der Digitalisierung im Land. Die Dimensionen seien aus europäischer Sicht kaum vorstellbar. «Die grösste Bank in Indien hat 500 Millionen Kunden», sagt er. Indien verfüge inzwischen über die weltweit höchsten digitalen Zahlungsvolumen. Selbst Strassenverkäufer oder kleine Händler würden digitale Zahlungsmethoden akzeptieren.
«Mit über einer Milliarde Smartphones entsteht dort ein Spielfeld für Geschäftsmodelle, die in Europa teilweise noch gar nicht denkbar sind.» Für Investoren sei dies eine enorme Chance – allerdings nur mit dem richtigen Zugang.
«Investieren in Indien braucht Handwerk»
Gerade westliche Anleger hätten sich in der Vergangenheit in Indien teilweise «die Finger verbrannt», räumt Singh ein. Entscheidend seien Erfahrung, lokale Verankerung und kulturelles Verständnis. «Man braucht westliches Investment-Handwerk, Schweizer Gründlichkeit – aber auch den indischen Drive», sagt er.
Rootbridge analysiere jährlich hunderte Investments und führe Due-Diligence-Prozesse teilweise über Monate hinweg. Besonders wichtig sei dabei nicht nur das Geschäftsmodell, sondern der Mensch hinter dem Unternehmen.
Schweiz als idealer Brückenkopf
Die Schweiz sieht Singh dabei in einer Schlüsselrolle. Der Schweizer Finanzplatz verfüge international weiterhin über enormes Vertrauen. «Die Schweiz ist der Ort, wo man mit Geld am besten umgehen kann», sagt er im Podcast. Indien werde für Schweizer Investoren in den kommenden Jahren zwangsläufig an Bedeutung gewinnen. «Man kann die viertgrösste Volkswirtschaft der Welt nicht ignorieren. Bald wird Indien die drittgrösste sein.»
Gleichzeitig erwartet Singh, dass künftig auch deutlich mehr indisches Kapital Richtung Europa und Schweiz fliessen wird. Die wirtschaftlichen Beziehungen stünden erst am Anfang.
«Die Investments werden sich in den nächsten Jahren verdreifachen», prognostiziert er.
Im Podcast spricht Singh zudem über:
- die Fehler westlicher Investoren in Indien
- die Bedeutung des informellen Sektors für das Wachstum
- neue Chancen in Konsum, Digitalisierung und Dienstleistungen
- die Rolle der Schweiz als Brücke zwischen Europa und Indien
- mögliche indische Banken-Offensiven in Europa
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