Die neue Verantwortung der Schweizer Banken

Der Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran erschüttert die Märkte und könnte gleichzeitig den Schweizer Finanzplatz stärken. Doch wie weit darf die Schweiz von geopolitischen Krisen profitieren? Und sind die Banken überhaupt bereit, für den möglichen Zustrom an Vermögen aus dem Nahen Osten?

Im aktuellen «BoardTalk», dem Podcast von finews, spricht Headhunter und Verwaltungsratsexperte Reto Jauch über die heikle Gratwanderung zwischen Wachstum, Reputation und Risikokontrolle. Seine Einschätzung: Die Schweiz profitiert kurzfristig vom Status als sicherer Hafen – langfristig aber nur dann, wenn Banken und Verwaltungsräte die richtigen Lehren aus früheren Krisen gezogen haben.

«Geld ist wie ein scheues Reh», sagt Jauch im Podcast. In unsicheren Zeiten suche Kapital Sicherheit – und lande traditionell in der Schweiz. Besonders im aktuellen Umfeld sieht er einen Vorteil gegenüber Konkurrenzplätzen wie Singapur. Gleichzeitig warnt er jedoch vor Euphorie: Je länger der Konflikt andauere, desto grösser würden auch die geopolitischen und wirtschaftlichen Risiken werden. Dazu gehört auch ein nochmals stärkerer Franken, der für die Exportindustrie «Gift» sei.  

 

Besonders spannend wird das Gespräch dort, wo es um die Verantwortung der Banken geht. Jauch spricht offen über die Gefahr, dass Institute in der Jagd nach neuen Assets under Management (AuM) die Balance verlieren könnten. Gerade Gelder aus dem Nahen Osten verlangten höchste Sorgfalt bei KYC, Due Diligence und Geldwäscheprävention. Viele Strukturen seien komplex, teils undurchsichtig und damit hochsensibel.

Dabei sieht Jauch vor allem die Verwaltungsräte gefordert. Sie müssten den Risikoappetit aktiv definieren, klare rote Linien ziehen und verhindern, dass Wachstumsziele die Kontrollmechanismen überlagern. Seine Warnung ist deutlich: Wer heute falsche Anreize setzt, könnte morgen ein massives Reputationsproblem haben.

Der Podcast liefert damit nicht nur eine geopolitische Einordnung, sondern auch einen selten direkten Blick darauf, wie Schweizer Banken intern über Chancen, Risiken und Grenzen im Umgang mit Nahost-Geldern diskutieren dürften.

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