Yannick Orto: «Das Thema ‹Next Generation› liegt mir am Herzen»
In der Rubrik Backstage geben interessante Persönlichkeiten aus der Finanzwirtschaft und darüber hinaus jeden Mittwoch Einblicke in ihre ganz persönlichen Vorlieben.
Was tun Sie morgens als Erstes?
Kurz nachdem der Wecker klingelt ein Blick aufs Handy, um die wichtigsten (Wirtschafts)nachrichten und Emails zu lesen, diese mit meiner eigentlichen Grobplanung abgleichen, und entsprechend (re)priorisieren. Zur Morgenroutine gehört für mich neben persönlichen Messages und einem starken «Moka»-Kaffee (so wie ich es von meiner italienischen Nonna gelernt habe) der tägliche Podcast eines Deutschschweizer Mediums. Auf dem Weg ins Büro freue ich mich auf den Check-in mit meinem Team, um strukturiert in den Tag zu starten.
Was ist das Beste an Ihrem Beruf?
Generell als Kommunikator sicherlich der zwischenmenschliche Austausch: sowohl im Dialog zwischen der Firma und externen Anspruchsgruppen, als auch intern die Zusammenarbeit mit inhaltlich versierten und beeindruckenden Persönlichkeiten. Bei McKinsey finde ich es faszinierend, bei welchen komplexen Fragestellungen Branchenexperten Unternehmen dabei helfen, wettbewerbs- und somit zukunftsfähig zu bleiben. Gleichzeitig lerne ich von ihnen jeden Tag dazu: Mit «Financial Services» kannte ich mich bereits durch meine vorherigen Rollen bei einer Grossbank gut aus, bekomme aber hier Einblick in die unterschiedlichsten Industrien, wobei mich das Querschnittsthema «Künstliche Intelligenz» besonders fasziniert.
Ein Moment, der Ihr Leben veränderte?
Als ich das Angebot bekam, für die ARD im TV-Auslandsstudio bei den Vereinten Nationen in Genf als News-Producer tätig zu werden. Das war eine grosse Karriere-Chance, weshalb ich keine Sekunde zögerte zuzusagen, Berlin hinter mir zu lassen und in die Schweiz zu ziehen. Dass ich in der Schweiz meine neue Heimat finden durfte, macht mich unglaublich dankbar. Ich habe schnell das Land, die Menschen und die Kultur kennen und lieben gelernt. Etwas philosophischer: die Lektüre von Christa Wolfs «Kassandra». Die darin enthaltenen Lebensweisheiten begleiten mich seit der Schulzeit.
Welche Autos besitzen Sie? Welches ist Ihr Liebstes?
Ich bin überzeugter Velofahrer – bei schlechtem Wetter nutze ich das Tram.
Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-jährigen Selbst geben?
Trotz Lehramtsstudium (Französisch und evangelische Theologie) Praktika in der freien Wirtschaft zu absolvieren.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf mein Team – das Thema «Next Generation» liegt mir am Herzen. Es ist toll, mit vier ganz unterschiedlichen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten zu können und auch darüber hinaus Talente zu mentoren und zu sponsoren. Sie auf ihrem beruflichen Weg zu begleiten, und zu sehen, wie sie sich weiterentwickeln, motiviert mich sehr. Gerade hat ein Team-Mitglied sein einjähriges HMS-Praktikum bei uns abgeschlossen. Ich denke, er kann mit einem guten Rucksack an Erfahrungen seinen weiteren Weg bestreiten.
Was tun Sie, wenn Sie Zweifel haben?
Ich strukturiere das Problem oder die Situation und skizziere unterschiedliche Lösungsansätze beziehungsweise Szenarien. Mit dieser Technik finde ich in den allermeisten Fällen eine fundierte Entscheidungsgrundlage für mein weiteres Vorgehen.
Was ist Ihr Lieblingswein?
Ich trinke schon seit vielen Jahren keinen Alkohol mehr.
An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?
McKinsey wird in diesem Jahr 100 Jahre alt, was mit dem 65. Jubiläum des Schweizer Büros zusammenfällt – also doppelter Grund zu feiern. Für die interne Kommunikation bedeutet das auf «Spurensuche» gehen: Wir möchten für unsere Mitarbeitenden die Firmengeschichte greifbar machen. So wurde 1961 in Genf das erste Büro in Kontinentaleuropa eröffnet: wir sprechen darum mit Ehemaligen, die durch ihre Beratungstätigkeit in gewisser Weise dazu beitrugen, dass sich die Schweizer Wirtschaft als eine der wettbewerbsfähigsten der Welt etablieren konnte. Unsere Archivrecherchen zeigen, dass unsere Historie zwar geprägt von Wandel, Innovation und Anpassung ist, doch ist zugleich über all die Jahre unser Kern – der doppelte Fokus auf Klienten und Mitarbeitende – immer gleichgeblieben. Heute versteht sich McKinsey nicht «nur» als Beratungsfirma, sondern als Partner von der Idee bis zur Umsetzung.
Was bewundern Sie an anderen Menschen?
Lang-Strecken-Reiselust. Ich freue mich zwar über meine regelmässigen Business-Trips nach London, ansonsten bin ich aber «häuslich» und geniesse Zürich respektive die Schweiz, oder suche mir Ferienziele in Italien oder Deutschland.
Was wäre die grösste Überraschung für jemanden, der Ihren Job einen Tag lang übernehmen müsste?
Statt «US-Beratern» treffen Sie an unseren Standorten in Genf und Zürich viele Schweizerinnen und Schweizer auf fast allen Kantonen. Zwar wurde McKinsey in Chicago gegründet und ist heute eine globale Firma - ist aber tief in der Schweiz verwurzelt. Übrigens haben sich die Profile über die Jahre hinweg verändert: Zusätzlich zu Wirtschafts- respektive MBA-Student/innen finden viele MINT-Absolvent/innen, Ärzt/innen oder Jurist/innen zu uns.
Welches ist Ihr persönlicher Antrieb?
Ich möchte im Berufsleben durch meine Arbeit und im Privatleben durch mein Handeln «einen Unterschied» machen.
Wovor fürchten Sie sich?
Furcht ist keine gute Beraterin, sie benebelt den Verstand. Aber: Vor lebensgefährlichen Hobbys und Freizeitaktivitäten halte ich mich wirklich lieber fern.
Ihre Lieblingsuhrenmarke?
Da wir Klienten aus dem Bereich Consumer – von Retail bis hin zu Luxury – beraten und auch die Uhrenindustrie abdecken, bleibe ich neutral und halte ich mich bei der Nennung einer persönlichen Lieblingsmarke diplomatisch zurück. Ich besitze zwei Armbanduhren, wobei die eine sportlich und die andere elegant ist.
Gibt es einen unerfüllten Traum, den Sie noch verwirklichen möchten?
Ich werde dieses Jahr mein Einbürgerungsgesuch stellen. Ich identifiziere mich stark mit der Schweiz, bringe mich auf unterschiedliche Art ein und freue mich darauf, hoffentlich bald auch formal Schweizer Bürger sein zu dürfen.
Ihr bestes Investment?
Zeit für Familie, Freunde, Lernen und Gesundheit.
Yannick Orto ist seit 2023 Head Reach & Engagement Switzerland bei McKinsey. Er arbeitet eng mit der Schweizer Führung sowie Einheiten wie QuantumBlack und dem McKinsey Global Institute zusammen und ist Stiftungsrat der McKinsey Kinderhilfe Schweiz. Zuvor war er bei Credit Suisse in Communications und im Chairman’s Office tätig. Frühere Stationen umfassen ARD Genf als TV-Produzent sowie journalistische und PR-Erfahrungen in Deutschland.















