Warum der Mensch ein Cabrio braucht

Der Morgen am Ofenpass beginnt mit dem Geruch von nassem Frühling und Schneefeldern. Es sind vier Grad. Das Softtop des Maserati GranCabrio ist offen.

Das ist die Antwort auf jene Frage, die sich finews auf einer ausgedehnten Tour über Flüela- und Ofenpass, durch das Vinschgau und hinunter nach Modena gestellt hat: Warum braucht der Mensch eigentlich ein Cabrio?

Schönheit als Argument

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Das GranCabrio ist von einer Schönheit, die man nur selten antrifft. Die langen Flanken, die tief gezogene Gürtellinie, die muskulösen Schultern über den Hinterrädern und das fliessend nach hinten abfallende Dach ergeben eine Silhouette, die in jeder Verkehrslage Blicke auf sich zieht.

Der Dreizack an der Nase, der in diesem Jahr als Emblem sein Hundertjähriges feiert (finews berichtete), unterstreicht diesen Anspruch mit der gebotenen Dezenz.

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Eleganter Auftritt, hier in der Farbvariante «Oro Lirico». (Bild: zVg)

Bruder des GranTurismo

Das Auto basiert auf dem GranTurismo und trägt dessen Gene mit sichtlichem Stolz: als hätte man einen ohnehin eleganten Bruder noch frisch zum Coiffeur geschickt.

Die Karosserie misst 4,96 Meter in der Länge und knapp zwei Meter in der Breite: Dimensionen, die auf der Strasse Präsenz markieren, ohne die Manövrierbarkeit zu opfern.

In ihm schlägt ein Herz aus Modena

Das Ziel unserer Reise ist das Maserati-Werk an der Viale Ciro Menotti in Modena, und es lohnt sich, bei diesem Ort einen Moment zu verweilen. Denn hier, im hauseigenen «Engine Lab», wird der Nettuno von Hand montiert: die hauseigene Flaggschiff-Motorreihe, die auch im Supersportwagen MC20 zur Anwendung kommt und in ihrer Konstruktion pre-chamber Verbrennungstechnologie verwendet, die zuvor der Formel 1 vorbehalten war.

Mehr als hundert Ingenieure und Techniker arbeiten in diesem Werk an den Motoren, und jeder einzelne Nettuno durchläuft dabei eine Prozedur, die fast ein wenig an Uhrmacherkunst erinnert, inklusive mehrerer Stunden auf dem Prüfstand, bevor er eingebaut wird.

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Interior Design aus Modena. (Bild: zVg) 

490 PS, in 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h

In der GranCabrio-Ausführung leistet der Nettuno 490 PS und 600 Nm Drehmoment, was eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h und eine Beschleunigung von 0 auf 100 in 4,0 Sekunden ermöglicht: eine Zahl, die in den Kurven des Ofenpasses eine euphorisierende Bedeutung annimmt.

Der Motor antwortet spontan, präzise und tönt in seinem Bass-Crescendo ebenso schön wie das Auto von aussen aussieht. Die Lenkung kommuniziert mit einer Direktheit, die Vertrauen schafft, und das Fahrwerk findet zwischen Sportlichkeit und Komfort eine Balance, die auf alpinen Strassen zur echten Stärke wird. Dass das Cabrio bei alledem homologiert nur 1'895 Kilogramm auf die Waage bringt, ist für diese Fahrzeugklasse bemerkenswert wenig — und man spürt es.

Stabil in allen Strassenlagen

Die breiten Reifen kleben das Auto mit grosser Selbstverständlichkeit auf den Asphalt. Auch auf der Autobahn erweist sich das GranCabrio als tadelloser Reisekamerad.

Selbst bei hohem Tempo bleibt das Auto ruhig; die Windgeräusche halten sich in Grenzen für ein Fahrzeug, dessen Dach sich mechanisch öffnen lässt.

Das Dach als sinnstiftendes Element

Bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h lässt sich das Softtop in einem eleganten, choreographierten Prozess öffnen, und genau in diesem Moment beantwortet das Auto die eingangs gestellte Frage nach dem Warum des Cabrios.

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Seit 100 Jahren prägt das Tridente-Emblem die Maserati-Automobile. (Bild: zVg)

Auf den Passstrassen des Vinschgaus im Frühling, wenn die Luft noch nach Winter riecht, aber die Sonne schon mit echter Wärme auf die Haut trifft, entsteht ein Fahrerlebnis eigener Qualität: Die Frühlingsluft, die Fahrer und Beifahrer umweht, erzeugt eine Unmittelbarkeit gegenüber der Landschaft, wie sie ein geschlossenes Auto schlicht nicht herzustellen vermag.

Auch bei tieferen Temperaturen

Die serienmässige Nackenheizung funktioniert wie eine elektrische Halskrause, die den Kopf in eine Kapsel aus warmer Luft hüllt, und macht das Obenohne-Fahren auch bei tiefen Morgentemperaturen zu einem Hochgenuss. In Kombination mit der straff abgestimmten Sitzheizung lässt sich das offene Verdeck bedenkenlos auch dann geniessen, wenn der Thermometer noch zögert.

Im reich gesegneten Norditalien gibt es im Frühling eigentlich nur eines: ein Cabrio aus Modena.

Spezifisches Flair im Cockpit

Im Cockpit dominiert jenes spezifische Flair, das Maserati von seinen Mitbewerbern unterscheidet: warme Materialien, eine gewisse Opulenz, aber ohne das Schwere, das manchen Luxusautos anhaftet. Das Infotainment-System ist modern und intuitiv, die Konnektivität reibungslos.

Wer vier Personen transportieren möchte, dem sei gesagt: Die Rückbank bietet Platz für zwei, aber dieser Platz ist, wie in den meisten Gran-Turismo-Derivaten, als Bonusoption für alle Fälle zu verstehen.


Unter dem Strich findet finews: Der Maserati GranCabrio beantwortet die Frage nach dem Warum des Cabrios mit überzeugender Eleganz: weil Schönheit ein Argument ist, weil ein von Hand montierter V6 aus Modena eine Seele hat und weil das Gefühl der Frühlingsluft bei offenem Verdeck über den Pässen der Alpen zu jenen Erfahrungen gehört, die man nicht delegieren sollte. Erhältlich ab 201'500 Franken. Und wer noch etwas mehr Temperament sucht, findet es in der Trofeo-Ausführung mit 550 PS.