«Der Name Yuh funktioniert auch im Ausland»

Vor fünf Jahren startete Yuh als gemeinsames Projekt von Swissquote und Postfinance. Heute zählt Yuh zu jenen Digitalbanken in der Schweiz, die am schnellsten wachsen: Ende 2024 zählte man rund 286’000 Kunden, Ende vergangenen Jahres waren es bereits rund 400’000. Und die Profitabilität erreichte man bereits nach vier und nicht wie geplant fünf Jahren.

Im Interview spricht CEO Jan De Schepper über den Erfolgsfaktor «Schweiz», die Bedeutung von KI im Kundendienst, die Zukunft von Chatbots – und weshalb Yuh künftig als Innovationslabor für Swissquote dienen soll.


Herr De Schepper, Yuh feiert das fünfjährige Bestehen. Hätten Sie beim Start gedacht, dass sich die Plattform so schnell etablieren würde?

Yuh war zuerst einmal eine Idee. Aber wir waren immer überzeugt, dass wir uns gegenüber anderen Anbietern – teilweise mit deutlich grösseren Budgets – durchsetzen können. Heute sind wir die Nummer 1 in der Schweiz im Bereich Neobanking. Das macht uns stolz.

Was war aus Ihrer Sicht der entscheidende Erfolgsfaktor?

Wir haben uns konsequent an den Marktbedürfnissen orientiert. Gleichzeitig wollten wir Banking möglichst einfach gestalten und den Spassfaktor nicht vernachlässigen. Wir zeigen: Banking muss nicht langweilig sein. Ein weiterer wichtiger Punkt war unser Anspruch, junge Menschen frühzeitig für das Thema Anlegen zu sensibilisieren.

«Wir prüfen verschiedene zusätzliche Services, die künftig kostenpflichtig sein könnten – etwa im Versicherungsbereich.»

Yuh wurde von Swissquote und Postfinance gegründet. Welche Rolle spielte diese Konstellation?

Gerade Swissquote war für uns ein grosser Vorteil, weil dort eine enorme Kunden- und Investmentkompetenz vorhanden ist. Das hat uns geholfen, sehr früh Produkte zu entwickeln, die wirklich relevant für unsere  Yuhser sind.

Welche Bedeutung hatte die Schweizer Herkunft im Wettbewerb mit internationalen Neobanken?

Eine sehr grosse. Wir arbeiten unter einer Schweizer Banklizenz, bieten seit Beginn Funktionen wie E-Bill, Twint und Säule 3a an und unser Kundendienst sitzt in der Schweiz. Bei uns wird noch Schweizerdeutsch gesprochen. Das schafft Vertrauen. Viele internationale Anbieter haben gemerkt, dass die Schweiz kein einfacher Markt ist.

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Seit Beginn mit von der Partie: Yuh-Chef Jan De Schepper. (Bild: zVg)

Mehrere ausländische Digitalbanken haben zuletzt ihre Preise erhöht. Muss beziehungsweise wird Yuh nachziehen?

Wir wollen weiterhin am Gratiskonto und auch am kostenlosen Custody festhalten. Gleichzeitig prüfen wir verschiedene zusätzliche Services, die künftig kostenpflichtig sein könnten – etwa im Versicherungsbereich. Wir schauen uns derzeit viele Möglichkeiten an.

Ein wichtiges Thema war zuletzt der Verkauf der Postfinance-Beteiligung an Swissquote. Was verändert sich dadurch?

Die Entscheidungsfindung wird einfacher. Gleichzeitig sehen wir grosses Potenzial in der Zusammenarbeit mit Swissquote. Beide Marken sind komplementär. Yuh ist ein ideales Produkt für jemanden, der ins Anlegeuniversum einsteigen möchte.und eignet sich hervorragend für die Alltagsfinanzen. Wenn Kunden später weitergehen möchten, sind sie bei Swissquote in den besten Händen. Diese Durchlässigkeit wollen wir künftig stärker fördern.

Sie sprechen oft davon, dass Yuh zum «Schnellboot» werden soll. Was meinen Sie damit konkret?

Bei Yuh sollen neue Ideen und Produkte möglichst schnell getestet werden. Wenn sie sich bewähren, können sie später auch bei Swissquote eingesetzt werden. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Chatbot Yuhlia.

Inwiefern?

Der Chatbot hat Zugriff auf die Kontoinformationen der Yuhser – selbstverständlich innerhalb klar definierter Sicherheitsstandards – und kann dadurch viel präzisere Antworten liefern. Er kann beispielsweise sagen, wie viel Dividende jemand erwarten kann oder wie viel Geld in den vergangenen 60 Tagen für Restaurantbesuche ausgegeben wurde. Die Resonanz ist enorm: Innerhalb weniger Wochen wurden bereits mehr als eine Million Anfragen gestellt.

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Der Chatbot Yuhlia: Die KI-gestützte Assistenzfunktion soll Yuhsern helfen, ihre Finanzen besser zu verstehen. (Screenshots: zVg)

«Die Unterscheidung zwischen klassischen Banken mit Kundendienst und Digitalbanken wird es in wenigen Jahren kaum mehr geben.»

Welche Rolle wird KI künftig im Banking spielen?

Eine sehr grosse. Unser Anspruch ist es, auf diesem Gebiet die Besten und die Ersten zu sein. Die Unterscheidung zwischen klassischen Banken mit Kundendienst und Digitalbanken wird es in wenigen Jahren kaum mehr geben. KI wird den Markt komplett verändern. Gute Chatbots können Kunden heute bereits wichtige Entscheidungshilfen liefern, ohne dass sie überhaupt zum Telefon greifen müssen.

Besteht nicht die Gefahr, dass der persönliche Kundenservice verloren geht?

Nein. KI hilft uns vor allem bei der Skalierung. Wir wollen die Leistungen im Kundendienst nicht reduzieren. Aber KI wird uns helfen, unser Wachstum effizient zu verarbeiten. Unser Ziel ist es, dass künftig rund 90 Prozent aller Kundenanfragen vollständig zufriedenstellend vom Chatbot beantwortet werden können.

Wie wichtig ist das Thema Internationalisierung?

Der Name Yuh kommt nicht von ungefähr – er funktioniert auch im Ausland. Gleichzeitig braucht es regulatorische Anpassungen. Diese Möglichkeiten prüfen wir derzeit intensiv.

«Wir wollen zeigen, wie Banking mit KI künftig funktionieren kann. Das Potenzial ist riesig.»

Ist die Schweiz für Yuh bereits ausgereizt?

Überhaupt nicht. Ich bin überzeugt: Eine Million Kunden in der Schweiz sind absolut realistisch.

Wo sehen Sie Yuh in fünf Jahren?

Wir wollen weiterhin die innovativste Neobank der Schweiz bleiben und unsere Position weiter ausbauen. Gleichzeitig wollen wir zeigen, wie Banking mit KI künftig funktionieren kann. Das Potenzial ist riesig.


Jan De Schepper (50) ist seit November 2025 CEO von Yuh. De Schepper ist einer der Köpfe hinter der ursprünglichen Idee und hat Yuh von Beginn an mitgeprägt. De Schepper verfügt über mehr als 20 Jahre Führungserfahrung in den Bereichen Banking, Marketing und Produktmanagement.