Karosserie aus Walliser Aluminium: BMW zeigt seine «Neue Klasse»
Von Giuseppe Loffredo
Der neue BMW iX3 steht bereit. Es ist der erste Vertreter einer neuen, radikal verbesserten Generation von Elektrofahrzeugen des Münchener Herstellers, der «Neue Klasse». BMW hat zum Swiss Local Day geladen, um im neuen Elektro-SUV der Marke vom Trainingscenter in Zofingen zu Novelis nach Sierre zu fahren. Und so steht der iX3 diese Woche vor uns: Elektrisch, leise, mit der typisch selbstbewussten Silhouette, die man von BMW kennt. Doch was dieses Fahrzeug von vielen seiner Mitbewerber unterscheidet, ist nicht nur der Antrieb, sondern das Herzstück seiner Karosserie: Aluminium aus dem Wallis.
Im Industriegebiet von Sierre, wo das Rhonetal flach wird und die Walliser Alpen den Horizont bilden, produziert das örtliche Werk von Novelis eines der technologisch anspruchsvollsten Aluminiumbleche Europas. Das Werk zählt zu den führenden Standorten des Weltmarktführers für Aluminiumwalzen und -recycling. Und es ist seit Jahren ein fester Bestandteil der Lieferkette der BMW Group.
Mehr als 50 Prozent Recyclinganteil
Für die Motorhaube des neuen BMW iX3 liefert Novelis ein Aluminiumblech mit einem Recyclinganteil von mehr als 50 Prozent. Möglich macht das eine eigene Legierung, die in über vier Jahren Entwicklungsarbeit in Sierre entstanden ist. Sie erfüllt auch bei hohem Sekundäraluminiumanteil sämtliche Qualitätsanforderungen an Formbarkeit und Oberflächenqualität – ein Anspruch, der im Premiumsegment keine Kompromisse duldet.

Marcel Häfliger von Novelis Europe, BMW-Schweiz-Chef Sergio Solero (r). (Bild: zVg)
«Aluminium ist einer der zentralen Hebel, wenn es um CO₂-Reduktion in der Lieferkette geht», sagt Sergio Solero, President und CEO von BMW Schweiz. «Novelis beweist eindrücklich, wie dank moderner Recyclingprozesse CO₂-optimiertes Aluminium in der Schweiz entstehen kann – mit direktem Einfluss auf die Emissionen in unserer globalen Produktion.»
Messbar effizienter
Der Unterschied ist messbar: Die Herstellung von recyceltem Aluminium benötigt lediglich fünf Prozent der Energie, die für die Produktion von Primäraluminium anfällt. Novelis erreicht mit seinen HRC-Produkten eine Reduktion des CO₂-Fussabdrucks um mehr als 50 Prozent pro Tonne gegenüber dem europäischen Primäraluminium-Durchschnitt.
Was in Sierre entsteht, geht aber weit über die Produktion von Blechen hinaus. Der Standort beherbergt das europäische Forschungs- und Innovationszentrum von Novelis für automobile Aluminiumlösungen. Das vollständig integrierte Produktionssystem – von der Giesserei über Warm- und Kaltwalzen bis hin zu Laseranlagen – erlaubt eine Fertigungstiefe, die kaum ein anderes Werk in Europa bietet.
Sierre als Innovationszentrum
«Sierre steht für eine einzigartige Verbindung aus technologischer Exzellenz, nachhaltiger Produktion und Schweizer Engineering-Kompetenz», sagt Serge Gaudin, Operations Director bei Novelis Europe. «Wir leisten damit einen entscheidenden Beitrag, Mobilität leichter, effizienter und klimafreundlicher zu gestalten.»

Grundzutat: Aluminium aus der Schweiz. (Bild: zVg)
Das Walliser Werk ist zudem Teil des Net Zero Lab Valais, einem regionalen Forschungsprojekt zur CO₂-neutralen Aluminiumproduktion. Konkret: Ein Gasofen wurde durch einen elektrischen Stossofen ersetzt, was die Emissionen um rund 4500 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr senkt. Die Abwärme aus dem Giessprozess versorgt den benachbarten Gebäudekomplex Technopôle und deckt dort etwa ein Drittel des Energiebedarfs.
BMW Schweiz: Lokale Wurzeln, globale Wirkung
Der iX3 und das Walliser Aluminium stehen stellvertretend für eine tiefere Überzeugung, die Solero vor Medienvertretern und Politikern formulierte: Die Schweiz ist für die BMW Group weit mehr als ein Absatzmarkt. Seit dem Markteintritt als Tochtergesellschaft im Jahr 1975 hat sich BMW Schweiz von rund 50 auf über 400 Mitarbeitende entwickelt. Zusammen mit dem Händler- und Servicenetz – 68 BMW-Standorte, 38 MINI-Standorte und 21 Motorradstandorte – beschäftigt die BMW Group in der Schweiz rund 3700 Menschen.
Mehr als jedes zehnte neu immatrikulierte Fahrzeug stammt heute von der BMW Group. Und die Schweiz hat die Marke mitgeprägt: Der erste BMW-Allradantrieb – bekannt unter dem Kürzel xDrive – wurde massgeblich durch die Nachfrage aus der Schweiz angestossen. Auch das bis heute erfolgreiche Service Plus-Angebot hat seinen Ursprung hierzulande. Was BMW und die Schweiz verbindet, brachte Solero in Zofingen folgendermassen auf den Punkt: «Innovation, Qualität und ein Bekenntnis zu den Menschen, die hier Mobilität gestalten.»

Das Novelis-Werk in Sierre ist eines der modernsten in Europa. (Bild: zVg)
30 Schweizer Lieferanten
Bis 2030 will die BMW Group weltweit 40 Millionen Tonnen CO₂ über den gesamten Lebenszyklus ihrer Fahrzeuge einsparen. Rund 30 Schweizer Lieferanten tragen dazu bei – in Bereichen wie Software, Sensorik, Leichtbau und eben Materialwissenschaften. Novelis ist dabei ein Paradebeispiel: Ihr Beitrag kommt aus dem Wallis – und landet, messbar und zertifiziert, in der Motorhaube des neuen BMW iX3.
«Die enge Zusammenarbeit mit BMW ermöglicht es uns, Materialtechnologien wie unsere HRC-Legierungen frühzeitig in die Serienproduktion zu bringen», sagt Marcel Häfliger, Director Sales & Marketing Automotive Europe bei Novelis Europe. «Das ist keine Selbstverständlichkeit – und genau das, wofür wir in Sierre täglich arbeiten.» Oder anders formuliert: Der neue BMW iX3 fährt elektrisch. Sein Aluminium kommt aus dem Wallis. Und die Geschichte dahinter ist eine durch und durch Schweizer Story.
Giuseppe Loffredo ist Redaktor beim A&W Verlag.












