Kommt’s zum Ausverkauf bei den Schweizer Privatbanken?
Von Max Fischer *
Der Fall der Credit Suisse sorgte für ein Beben. Nun droht das nächste Schweizer Wirtschafts-Denkmal zu fallen: Den Privatbanken geht es an den Kragen. Nur noch gerade fünf werden von persönlich haftenden Inhabern geführt: Bei Baumann & Cie in Basel, Bordier & Cie in Genf, E. Gutzwiller & Cie in Basel, Rahn+Bodmer Co in Zürich und Reichmuth & Cie in Luzern stehen die Teilhaber mit dem Gesellschaftskapital und ihrem ganzen privaten Hab und Gut gerade.
Das ist der Goldstandard im Kundenvertrauen. Mehr geht nicht.
Vor zwanzig Jahren waren es noch mehr als 15, die das ihren Kunden bieten konnten. Doch die Finanzkrise, das Gesellschaftsrecht und die immer höheren regulatorischen Bestimmungen waren traditionellen Privatbankiers wie Lombard Odier, Pictet, Mirabaud & Co. zu viel.
Bald könnten es nur noch 80 sein
Noch vor 25 Jahren geschäfteten in der Schweiz rund 160 Privatbanken. Gemäss einer Studie von KPMG und der Universität St. Gallen gab es anfangs 2024 noch deren 85 – bis Ende dieses Jahres werden es um die 80 sein. Der jüngste Deal: J. Safra Sarasin schnappte sich die Saxo Bank. Davor schluckte Union Bancaire Privée (UBP) Société Générale Private Banking Switzerland. Gonet und ONE swiss bank fusionierten. EFG International postete Cité Gestion.
Und der Ausverkauf geht weiter: «Wer nicht auf 10 Milliarden verwaltete Vermögen kommt, hat keine Chance mehr», sagt ein Insider, der die letzten Jahrzehnte bei mehreren Top-Adressen Dutzende Millionen von Kundengeldern verwaltete. Als Gründe nennt er den Wegfall des Zinsgeschäftes und fehlende Skalierung: «Viele weisen eine Cost-Income-Ratio von über 80 Prozent aus – das ist toxisch.»
Das Problem mit der Eigenkapitalrendite
Konkret: Ein Kosten-Ertrags-Verhältnis von über 80 Prozent bedeutet, dass die Bank 80 Rappen von jedem verdienten Franken für Betriebskosten ausgibt. Die KPMG-Studie von 2025 spricht hier Klartext: Nur 31 Prozent der Schweizer Privatbanken erwirtschafteten 2024 eine Eigenkapitalrendite über ihren Kapitalkosten – dafür ist gemäss Studie aber ein Cost-to-income-Verhältnis von deutlich unter 80 Prozent nötig.
Was auffällt: Fast zwei Drittel der Banken meldeten im vergangenen Jahr ein schlechteres Cost-to-income-Verhältnis – Median 75,7 Prozent – als im Vorjahr, obwohl die Zinseinnahmen noch hoch waren. Die Bank Reyl hatte alt Bundesrätin Ruth Metzler als Aushängeschild im Verwaltungsrat. Jetzt macht Metzler Stimmung für Olympische Winterspiele in der Schweiz und Reyl schreibt tiefrote Zahlen: Der Geschäftsbericht 2025 enthüllt den ganzen Abgrund. 23 Millionen Franken betrug der Verlust im vergangenen Geschäftsjahr.
Bauchweh macht vor allem eines: «Die IT wird für Kleine immer teurer», weiss der Profi.
Das ist nicht alles: Weh tun den Privatbanken auch die immer härteren Finma-Regulierungen. «Die Kleinen können die Compliance-Anforderungen nicht mehr stemmen. Entweder finden sie die international affinen und sprachlich versierten Leute nicht – oder sie können sie nicht bezahlen.» Alles übertrieben? «Überhaupt nicht», meint Gil M. Chalem, Managing Partner beim international tätigen Genfer Headhunter für Private Banking&Wealth Management «Executive Partners»
«Die Konsoldierungszahlen sind real – doch man muss sie richtig interpretieren», meint der Experte. Er weiss wie.
* Max Fischer, aufgewachsen in Zürich, war für diverse Schweizer Medien als Wirtschaftsredaktor tätig (u.a. Blick, Cash, Berner Zeitung, Aargauer Zeitung, Zentralschweiz am Sonntag). Max Fischer hat sich unter anderem intensiv mit dem kriminellen Finanzjongleur Werner K. Rey befasst, den er im August 1992 an seinem Fluchtort auf den Bahamas aufspürte.
In einer kleinen Serie beleuchtet Fischer den Schweizer Privatbanken-Sektor. Teil 2, erscheint nächste Woche: Das tötet eine Privatbank mit weniger als 10 Milliarden












