Bergos: Privatbank spürt den Frühling
Das Geschäftsjahr 2025 war für Bergos gleich in mehrfacher Hinsicht herausfordernd. Der Betriebsgewinn brach von 8,6 Millionen Franken auf noch 5,7 Millionen ein – ein Rückgang von rund einem Drittel. Unter dem Strich verblieb ein Jahresgewinn von 4,6 Millionen Franken, nach 6,8 Millionen im Vorjahr.
Ein zentraler Treiber des Ergebnisrückgangs: der gesunkene Zinsertrag. Der Bruttoerfolg aus dem Zinsengeschäft fiel von 14,2 Millionen auf 12,4 Millionen Franken. Gleichzeitig blieb der Kommissions- und Dienstleistungsertrag mit 33,6 Millionen Franken nahezu stabil.
Nettoneugeld erneut im Minus
Auch beim Nettoneugeld setzte sich der Negativtrend fort. Nach einem Minus von rund 354 Millionen Franken im Jahr 2024 – wie finews berichtete – belief sich der Abfluss 2025 auf rund 223 Millionen Franken. Trotzdem stiegen die verwalteten Vermögen auf rund 8 Milliarden Franken, getragen von der positiven Marktentwicklung.
Kenner der Bank führen die anhaltend negativen Nettoneugeldzahlen auf substanzielle Abgänge gewichtiger Relationship Manager im Jahr 2024 zurück. Diese hätten spürbare Einmalabzüge ausgelöst, deren Nachwirkungen 2025 noch zu spüren waren.
Triumvirat übernimmt das Steuer
2025 war für Bergos zugleich ein personelles Übergangsjahr. Im Januar 2026 gab die Bank den Rücktritt ihres langjährigen CEO Peter Raskin bekannt, der die Bank seit 2009 geprägt hatte, wie auch finews vemeldete.
Die operative Führung übernahm ein Triumvirat: Till C. Budelmann (Chief Investment Officer), Danting Liu (CFO/COO) sowie Simon Wanzenried als Chief Private Banking. Wanzenried, ein früherer Credit-Suisse- und Julius-Bär-Kadermann, ist erst im vergangenen Sommer zu Bergos gestossen (siehe Bericht auf finews) und hat bereits zahlreiche wichtige Impulse gesetzt.
«Fokus auf nachhaltiges Wachstum»
Gleichzeitig übernahm Peter Schmid – ehemaliger CEO von Merrill Lynch in der Schweiz und der Union Bancaire Privée (UBP) – das Präsidium des Verwaltungsrats. Auf Anfrage von finews gibt er die strategische Marschrichtung klar vor: «Unser Wettbewerbsvorteil besteht darin, dass wir aufgrund unserer langfristig orientierten Eigentümer jederzeit die Kundeninteressen in den Vordergrund stellen und den Fokus auf nachhaltiges Wachstum legen können.»
M&A ist ein Thema
Verwaltungsratspräsident Schmid denkt dabei mittelfristig auch über Akquisitionen nach.
Derzeit liegt ihm ein Dossier vor und er geht davon aus, dass im Laufe der nächsten 12 Monate weitere folgen werden. «Von der Konsolidierung im Wealth Management wollen und können wir profitieren», so Schmid – sofern der kulturelle Fit stimme.
Reeder, Unternehmer, Kunstsammler
Das Geschäftsmodell von Bergos ist auf eine enge Nische ausgerichtet: Unternehmerfamilien aus der Schweiz und Deutschland, mit besonderem Schwergewicht in der Schifffahrt.
Branchenkenner schätzen, dass rund die Hälfte der dreissig grössten europäischen Reederfamilien zu den Kunden der Bank zählt. Daneben setzt Bergos auf Kunstberatung und -bewertung als Akquisitionsinstrument und Serviceangebot.
Solide Bilanz
Auf der Kostenseite investiert die Bank weiterhin selektiv. Der Personalaufwand stieg leicht auf 33,4 Millionen Franken. Hiring sei geplant, aber mit Augenmass, heisst es intern.
Die Bilanz bleibt mit einer Bilanzsumme von 581 Millionen Franken und einem starken Eigenkapitalpuffer solide.
Frühlingssignale
Für das laufende Jahr zeichnet sich eine Trendwende ab. Im ersten Quartal 2026 flossen der Bank gemäss Angaben aus ihrem Umfeld brutto rund 450 Millionen Franken zu – netto verbleiben davon rund 350 Millionen. Der anteilige Betriebsgewinn für die ersten drei Monate soll bei rund 3,2 Millionen Franken liegen.
Damit wäre Bergos auf Kurs, auf Jahresbasis einen Betriebsgewinn von 9 bis 10 Millionen Franken zu erreichen – deutlich über dem Niveau von 2025.















