Dilettantischer Datendieb lehrt der Credit Suisse das Fürchten

Ein Software-Spezialist hat der Schweizer Grossbank riesige Datenmengen geklaut. Danach stellte er sich zwar dämlicher an als es der gesunde Menschenverstand erlaubt. Trotzdem muss die Credit Suisse nun zittern.

Es war eine kurze Karriere, die Shifeng «Kevin» Lu bei der Credit Suisse (CS), und sie dürfte im Gefängnis enden: Im Januar 2012 heuerte er bei der Schweizer Grossbank als Assistant Vice President in der Abteilung Prime Services Risk und Margin IT in New York an, wo unter anderem Dienstleistungen für Hedge Funds angeboten werden.

Lu war für die Software-Entwicklung verantwortlich und übte Support-Funktionen aus. Am 2. Juni 2014 feuerte ihn die Credit Suisse, wie das Juristenportal «Courthousenews.com» dieser Tage meldete.

Digitalen Forensiker aufgeboten

In der Investmentbank hatte man entdeckt, dass Shifeng Lu Software-Codes der Bank auf sein private Yahoo!-Emailkonto geschickt hatte – «hoch sensitive und vertrauliche Dokumente und wertvolle Codes», wie die CS in ihrer Klage schrieb. Datenklau ist an der Wall Street ein schweres Verbrechen und wird meist mit drakonischen Gefängnisstrafen geahndet.

Die Bank startete sogleich die Aktion «Schadensbegrenzung»: Lu musste ein Einverständnis unterschreiben, sämtliche eigenen Computer und Datenträger von unabhängiger Seite untersuchen zu lassen, vom bekannten Forensik-Unternehmen Stroz Friedberg.

Lu unterzeichnete zudem ein Schreiben, in welchem er beteuerte, die geklauten Daten gar nicht mehr zu besitzen und sie gelöscht zu haben. Das war nicht nur gelogen.

Gelöscht, aber auf USB-Stick geladen

Lu war auch so dämlich zu glauben, dass Stroz selbst einfachste Verschleierungsversuche nicht entdecken würde. Vielleicht war es auch nur Unverfrorenheit. In der Folge zeigte sich nämlich: Je mehr Lu abstritt, noch irgendwelche Daten zu besitzen, desto mehr kamen von ihnen zum Vorschein, wie die CS in ihrer Klage schrieb.

Als erstes fand Stroz einen gelöschten Ordner namens «New», den der vermeintliche Computer-Spezialist nur wenige Stunden zuvor auf einen USB-Stick geladen hatte – voll mit CS-Daten. Weiter entdeckte der Digital-Detektiv, das Lu weitere Daten auf externe Festplatten übertragen hatte. Diese Daten blieben aber verschwunden.

Auf dem Computer des Sohns

Nun suchte Stroz weiter, nicht nur auf den Computern von Shifeng Lu, auch auf denen seiner Ehefrau und seines Sohns. Und siehe da: Auch hier waren Daten und Codes in hunderten von Ordnern gespeichert.

«Dabei hatte Lu nur wenige Tage zuvor geschworen, diese Daten nicht mehr zu besitzen», beklagte die CS weiter. Lu zeigte so viel Unverfrorenheit, dass er vor den Augen von Stroz versuchte, CS-Daten auf dem Computer seinen Sohnes zu verstecken.

Ein Pfand, um der Bank zu schaden

Das Resultat der Untersuchung war für die CS niederschmetternd: Lu hatte deutlich mehr Daten gestohlen als zunächst befürchtet und er scheibchenweise zugeben musste. Manche stammten noch aus dem Jahr 2009.

Die Schweizer Grossbank schloss daraus, dass sich Lu deutlich mehr CS-eigene Informationen und Daten unter den Nagel gerissen hatte als angenommen. Sie fürchtete, er werde diese dazu einsetzen, der Bank zu schaden.

Kein passendes Gegenmittel

Vor Gericht erkärte die CS, Lu könne jahrelange Anstrengungen und Investitionen der Bank zunichte machen und so ihrem Geschäft und den Kundenbeziehungen Schaden zufügen.

Sie forderte Lu nochmals auf, alle Daten und Kopien zurückzugeben. Allzu grosse Illusionen macht sich die CS indessen nicht. Der von Lu angerichtete Schaden liesse sich nicht wieder gutmachen, so die Bank.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
mehr

SELECTION

Selection

Warum Warren Buffett Gold hasst

Der Ausnahme-Investor liest den Goldanlegern die Leviten.

Selection

Selection

So empfängt die UBS künftig ihre besten Kunden

Die grösste Schweizer Bank gestaltet weltweit ihre Empfangsbereiche und Sitzungszimmer für die reiche Klientel neu.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

weitere News