Konrad Hummler: «Wir glauben niemandem. Wir trauen allen alles zu»

Der Mann von Wegelin meldet sich zurück: Konrad Hummler hat einen neuen Anlagekommentar veröffentlicht – mit Tipps, wie man sein Vermögen für den grossen Paradigmenwechsel wappnet. 

Die Publikation heisst «Bergsicht», sie soll mindestens sechsmal jährlich erscheinen, ist auf Papier oder elektronisch zu haben und erinnert nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Aufmachung an die berühmten «Anlagekommentare» aus Konrad Hummlers Wegelin-Ära. Ein Schnupperabo gibt es zu 45 Franken. 

Parallel dazu lanciert Konrad Hummler gemeinsam mit drei ehemaligen Wegelin-Mitarbeitern sein Unternehmen M1 mit Sitz in St. Gallen.  M1 offeriert Beratungsdienstleistungen «im Spannungsfeld von Ökonomie und strategischen Herausforderungen sowie in der Lösung von strategischen Fragestellungen», und es vermarktet die Publizistik von Konrad Hummler.

«Bergsicht ist der Idee der Skepsis verpflichtet», erklärt Hummler zum Charakter des neu lancierten Anlagekommentars: «Wir glauben niemandem. Wir trauen allen alles zu.»

«Das kann ja nicht von Dauer sein»

Die erste «Bergsicht» stellt sich unter dem Titel «Der vergessene Faktor F» der Frage, wie man sich gegen den anstehenden Paradigmenwechsel wappnen kann. Und dass dieser Wechsel kommt, ist für den ehemaligen Privatbankier Hummler klar. Nur schon das Phänomen, dass schlechte Nachrichten derzeit eher zu erfreuten Reaktionen an den Finanzmärkten führen, deute auf eine wacklige Lage: Solch eine Widersprüchlichkeit, findet Hummler, «kann ja nicht von Dauer sein.»

Seit 1989 habe die Weltwirtschaft mehrere «exogene Schocks» – in der Sprache der Ökonomen – erlebt, welche alte Weisheiten zertrümmerten: Die Teuerung koppelte sich von der Geldpolitik ab; die neuen Medien schufen völlig neue Geschäftsmodelle und -chancen;  das Wissen wurde immer demokratischer. Gemeinsam ist diesen Entwicklungen, dass sie deflationäre Tendenzen bestärken.

Tiefe Zinsen, ernüchternde Arbeitslosigkeit

Zugleich entwickelte sich eine verschärfte staatlichen Schuldensituation, wo den gewaltigen Passiven auf der Aktivseite wenig gegenübersteht. Der Optimismus ist also begrenzt, mit der logischen Folge, dass die geldpolitische Lockerheit die Stimmung nur wenig hebt. Selbst nach einer Phase tiefster Zinsen ist die Arbeitslosigkeit ernüchternd hoch. Die Investitionslust ist begrenzt – weil es an Vertrauen fehlt. Und den Sparern, so Hummler, fehle es in einer Phase des spottbilligen Geldes an Anreizen. 

Was kann der Investor da tun? Konkrete und solide Anlagemöglichkeiten sieht Hummler wenige: Obligationen drohe bei einem Paradigmenwechsel ein «Blutbad»; Geld kann verwässert werden; eine Währung kann unter Druck geraten; Gold kann verboten oder beschlagnahmt werden. Wie schon zuvor, sichtet Hummler also in der Aktie noch die besten Chancen. Allein: Dort haben sich die Kurse – eben wegen der «Flucht in die Aktie» – teilweise vom inneren Wert entfernt. Die Lage ist verzerrt.

Der Erfolgstipp von einst

Letztlich bleibe also nur die alte Weisheit der Diversifikation: Je höher die Unsicherheiten wegen des anstehenden Paradigmentwechsels, desto höher müsse eben auch der Diversifikationsgrad sein.  

En passant erinnert Hummler dabei daran, dass er in einem Anlagekommentar vor zwei Jahren zu Dividendenaktien riet, was sich mittlerweile als Erfolgstipp herausgestellt hat. Heute aber wäre «die Normalisierung eines allfälligen Übergewichts im Bereich von Dividendenaktien vermutlich auch nicht falsch.»

 

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