LLB will weiter wachsen, aber ohne die Finanzziele zu verschärfen

Es ist ein gewisser Zwiespalt: Auf der einen Seite fordern die Aktionäre, Analysten und Medien, dass eine Bank über eine Strategie verfügt, an der sie sich über die nächsten Jahren ausrichtet, mit möglichst klaren Zielen, deren Erreichen oder Nichterreichen einfach zu kontrollieren ist. Auf der anderen Seite wissen alle, dass sich das Geschäftsumfeld relativ rasch tiefgreifend verändern kann, etwa durch neue Wettbewerber wie Revolut oder technologische Innovationen wie künstliche Intelligenz (KI), aber auch in Bezug auf die Klassiker Konjunktur und Zinsen.

Die bisherige Strategie der Liechtensteinischen Landesbank (LLB), die 2021 lancierte ACT-26 endet, wie bereits ihr Name vermuten lässt, dieses Jahr. Die Bank, die mehrheitlich dem Land Liechtenstein gehört und deren Aktien an der SIX Swiss Exchange kotiert sind, hat daher am Mittwoch ihre neue Strategie «elevate» vorgestellt.

Führungsetage wieder komplett

Für die Präsentation waren sowohl Group CEO Christoph Reich als auch Group CFO Markus Schifferle aus dem Fürstentum an den neuen Zürcher Sitz der LLB Schweiz an der Zürcher Bahnhofstrasse gereist. Reich war bis zu seiner Ernennung als CEO im September 2025 selber CFO, ein Amt, dass er im November an Schifferle übergeben konnte.

Und apropos Personalien: Die LLB hat ebenfalls am Mittwoch bekanntgegeben, dass nun auch der Posten des Stellvertreters des Chefs besetzt ist. Natalie Flatz, die Leiterin des International Wealth Management, ist neu zusätzlich auch stellvertretende Group CEO.

Exit aus der Golfregion, Expansion in Österreich

Wer eine neue Strategie entwerfen will, muss zuerst wissen, wie die alte funktioniert hat. Zufrieden blickten der CEO und der CFO auf die Ergebnisse von ACT-26 zurück. Man habe die Präsenz in den vier Märkten Liechtenstein, Deutschland, Schweiz und Österreich ausbauen können. 2024 war bekanntgeworden, dass die LLB die österreichische Tochter der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erwirbt, im August 2025 wurde diese Gesellschaft mit der eigenen Tochter in Österreich fusioniert. Nun sprach CEO Reich von einer «tollen Akquisition».

LLB Markus Schifferle
Markus Schifferle zeigt, dass die Finanzziele von ACT-26 erreicht wurden. (Bild: finews)

Umgekehrt hatte sich die LLB im September 2025 vom Geschäft in der Golfregion verabschiedet und dieses der Rothschild  & Co Bank anvertraut. «Die Kunden sind nun bei Rothschild gut aufgehoben», hielt Reich im Fragen-Antworten-Block dazu fest.

Fast unveränderte Ziele

Doch zurück zur alten und neuen Strategie. Die harten Ziele von ACT-26 wurden alle erreicht. Das jährliche Wachstum des Neugeldzuflusses und der Kreditvergabe lag in der Strategieperiode über 3 Prozent, die Cost-Income-Ratio 2026 unter 65 Prozent und die harte Eigenkapitelquote (Tier-1-Ratio) über 16 Prozent. Besonders hervorgehoben wurde zudem die 2022 lancierte digitale Banking-App willbe.

Die neue Strategie elevate wurde nach einer umfassenden Umfeldanalyse festgelegt und steht im Zeichen von «Wachstum» für die «Zukunftsfähigkeit», «Exzellenz» für die «Kundenzufriedenheit» und «Resilienz» für das «Vertrauen». Bei den finanziellen Zielen, welche die Aktionäre am meisten interessieren dürften, ändert sich aber wenig. Angestrebt wird nun ein jährlicher Neugeldzufluss von 3 Prozent, eine Cost-Income-Ratio im Jahr 2031 von 65 Prozent und eine CET-Tier-1-Ratio von über 18 Prozent. Ebenfalls nicht viel ändern soll sich an der Dividendenstrategie. Weiterhin sollen rund 50 Prozent des Kursgewinns ausgeschüttet werden.

Kreditgeschäft neu ohne Zielgrösse

Für das traditionelle Kerngeschäft, Hypotheken und andere Kredite, nennt die neue Strategie allerdings keinen Zielwert mehr. CFO Schifferle begründete dies auf Anfrage von finews damit, das man beim Kreditgeschäft den Fokus auf ein profitables Wachstum lege und daher darauf verzichtet habe, eine Grösse anzugeben.

Wachsen will die Bank in allen vier Geschäftsfeldern. Bei den Direktkunden soll die Vertriebsplattform weiterentwickelt (auch die v.a. in Deutschland verbreitete App willbe gehört in diesen Bereich) und für das Private Banking die Positionierung als Anlage- und Vorsorgebank gestärkt werden. Das bisher stark im Immobilienbereich verankerte Firmenkundengeschäft soll verbreitert werden, und im B2B-Geschäft mit unabhängigen Vermögensverwalter, Family Offices, Treuhändern und institutionellen Investoren – gemäss Reich in den letzten Jahren ein Wachstumstreiber – wird die Expertise der im Fondsbereich starken LLB besser vernetzt.

Realistisch oder zu wenig ehrgeizig?

Die neue Strategie ist bereits am Dienstag der ganzen LLB-Belegschaft vorgestellt worden, «unsere Mannschaft war davon begeistert», berichtete Reich. Ob das auch daran liegt, dass sich die LLB aus heutiger Sicht realistische, also nicht allzu ambitionierte Ziele gesteckt hat?

«Die Bank verzichtet damit auf eine Verschärfung ihres Effizienz- und Wachstumsziele und lässt sich stattdessen für die neue, längere Periode mehr Spielraum», befand jedenfalls ein Aktienanalyst der ZKB, der sich etwas ehrgeizigere Zielvorgaben gewünscht hätte, in der Publikation «Daily Market Opinion».

Die LLB beschäftigt insgesamt rund 1'500 Mitarbeiter, etwas mehr als jeder zehnte davon ist in der Schweiz tätig.