Rothschild & Co will im Wealth Management die 200-Milliarden-Marke knacken
Herr Gagnebin, Rothschild & Co verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 ein rekordhohes Netto-Neugeldwachstum. Getrübt wurde die Bilanz durch die Investitionen in den anderen Märkten: Spanien, Deutschland, Israel und Dubai. Schmerzt das?
Nein. Wir freuen uns zuerst einmal über den grossen Kundenzuwachs in der Schweiz im ersten Halbjahr. Das zeigt, dass sich die in den vergangenen Jahren getätigten Investitionen hierzulande auszahlen.
Wir wachsen mit Schweizer und mit internationalen Kunden, unsere Anlageperformance ist konstant überdurchschnittlich, und auch unser Beratungsangebot bei Vorsorge- und Nachlassthemen stösst auf eine grosse Nachfrage. Die Investitionen in unsere internationalen Märkte sind Teil der Wachstumsstrategie im Wealth Management.
Sie haben in Deutschland und Dubai zugekauft, in Spanien und Israel Neueinstellungen getätigt. Wann zahlt sich dies aus?
In Dubai haben wir mit der Übernahme des Geschäfts der LLB unsere Präsenz von 5 auf über 25 Mitarbeitende ausgebaut. Das drückt natürlich auf die Profitabilität. Aber nun beginnen die Kunden, ihre Vermögen zu uns zu transferieren. Ich bin für unseren Standort Dubai sehr optimistisch.
Rothschild & Co erzielt Neugeldrekord in der Schweiz – lesen Sie mehr dazu hier.
In Deutschland haben wir die Übernahme des renommierten Bankhauses Marcard, Stein & Co AG angekündigt und vorbereitet. Hier warten wir auf das grüne Licht der Bafin.
Bis die Integration abgeschlossen ist, dauert es aber sicher noch 18 Monate. Das ist ein längerfristiges Projekt. In Spanien und Israel wachsen wir organisch.
In der Schweiz brummt der Motor. Was sind die Gründe dafür?
Wir profitieren einerseits von unserer starken Marke und andererseits sind die beiden in den vergangenen Jahren getätigten Akquisitionen der Banque Pâris Bertrand und von Tenalis nun voll wirksam. Wir haben zudem in den vergangenen Jahren viel in zusätzliche Kundenberaterinnen und Kundenberater investiert.
«Gerade in unsicheren Zeiten zahlt sich aus, dass unsere Kundenberater sich viel Zeit für die Anliegen der Kunden nehmen können.»
Unser Angebot im Bereich Vorsorge- und Erbschaftsplanung sowie das breitere Angebot bei Krediten und insbesondere Hypotheken stösst auf grosse Nachfrage. Schliesslich schätzen die Kunden unsere langfristige Perspektive bei Anlageentscheiden.
Gerade in unsicheren Zeiten zahlt sich aus, dass unsere Berater sich viel Zeit für die Anliegen der Kunden nehmen können. Sie betreuen im Schnitt weniger als dreissig Kunden und kennen diese deshalb sehr gut.
Das Zinsgeschäft erweist sich als schwierig – dies erstaunt wenig. Zusätzlich leidet Rothschild & Co unter dem starken Franken. Was bereitet Ihnen mehr Bauchschmerzen?
Beides spielt uns nicht gerade in die Hände. Weil wir einen so grossen Schweiz-Fokus haben und zum Beispiel die Bankenplattform für den Grossteil des globalen Wealth Managements von Rothschild & Co hier betreiben, fallen viele Kosten in Franken an, während die Erträge in Dollar oder Euro abgerechnet werden.
Das schmälert natürlich unsere Profitabilität. Aber es ist ein bewusster Entscheid der Gruppe und zeigt das Commitment von Rothschild & Co zur Schweiz.
Das Marktumfeld bleibt geopolitisch und wirtschaftlich ausgesprochen unsicher. In welchen Bereichen spüren Sie diese Unsicherheit bereits konkret im Geschäft?
Selbstverständlich haben unsere Kunden mehr Fragen bezüglich ihres Vermögens und wie sie dieses langfristig schützen können. Das ist genau der Kern unseres Investment-Ansatzes. Wir wollen die Kundenvermögen langfristig erhalten und entwickeln.
«Es geht nicht unbedingt darum, schneller zu wachsen.»
Unsere Gruppe wird aktuell in der siebten Generation von der Rothschild-Familie geführt. Wir haben also schon einige geopolitische und wirtschaftliche Krisen erfolgreich überstanden, weil wir immer die Langfristperspektive einnehmen und auch bei der Vermögensanlage nicht auf kurzfristige Trends aufspringen.
Wealth Management ist ein strategischer Wachstumspfeiler. Wie viel schneller soll dieses Geschäft künftig wachsen als die Gruppe insgesamt?
Es geht nicht unbedingt darum, schneller zu wachsen. Wir haben im Wealth Management ambitionierte Ziele. Aktuell verwalten wir in der Divison Wealth & Asset Management rund 150 Milliarden Euro an Kundenvermögen.
Wir wollen diese in den kommenden fünf bis sieben Jahren auf über 200 Milliarden Euro steigern. Das Wealth Management ergänzt unser Privatmarkt-Geschäft unter dem Brand Five Arrows optimal und soll so das volatilere Global Advisory ausgleichen.
Rothschild & Co hat in Deutschland und Dubai zugekauft. Können Sie sich auch in der Schweiz eine grössere Akquisition vorstellen?
Ja. Wir haben mit der Akquisition der Banque Pâris Bertrand im Jahr 2021 und von Tenalis, einem Unternehmen, das auf Erbschafts- und Nachlassplanung spezialisiert ist, zwei solche getätigt.
Wir sind aber sehr selektiv, weil es uns wichtig ist, dass die Unternehmenskultur und die Art und Weise, wie wir die Kunden betreuen, perfekt zusammenpassen müssen. Aktuell wachsen wir organisch in der Schweiz und sind mit unserem Ansatz erfolgreich.
Laurent Gagnebin stiess im Herbst 2011 zu Rothschild & Co, zunächst als Leiter des Standorts Genf. Seit 2016 ist er CEO der Rothschild & Co Bank Schweiz. Zuvor leitete er die Investec Bank in der Rhonestadt. Ins Banking gelangte er über die Goldman Sachs Bank in Genf, nachdem er zuvor die École hôtelière de Lausanne absolviert und mehrere Jahre in der Hotelbranche gearbeitet hatte.














