LLB will in der Ostschweiz mehr als das Firmenkonto

LLB baut den Standort St. Gallen aus, finews berichtete darüber. Warum gerade jetzt und welches Potenzial sehen Sie in der Ostschweiz?

Lorenz Titzler: Die Ostschweiz ist eine Region mit starker Wirtschaftskraft, hoher Innovationsfähigkeit und vielen erfolgreichen Unternehmen. Dieses Umfeld passt hervorragend zur LLB Schweiz.

Mit dem weiteren Ausbau unseres Teams in St. Gallen investieren wir bewusst in die Nähe zu unseren Kundinnen und Kunden. Dabei geht es nicht nur um das Firmenkundengeschäft, sondern ebenso um die Begleitung von Unternehmern, Unternehmerfamilien und vermögenden Privatkundinnen und -kunden im Private Banking.

Die Region bietet auch im Private Banking sehr attraktives Potenzial, da hier auf persönliche und langfristige Beratung in Vermögens- und Anlagethemen besonderen Wert gelegt wird.

Raphael Capol: In der Ostschweiz treffen wirtschaftliche Stärke und Privatvermögen häufig aufeinander. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer beschäftigen sich gleichzeitig mit Wachstumsfragen im Unternehmen, der Vermögensstrukturierung, der Vorsorge oder der Nachfolgeplanung.

«Der eigentliche Mehrwert liegt in der Verbindung von Firmenkundengeschäft und Private Banking.»

Dieses Zusammenspiel macht die Region für uns besonders attraktiv. Mit dem Ausbau in St. Gallen sind wir näher bei den Kundinnen und Kunden und können sie in all diesen Themen noch umfassender begleiten.

Was bedeutet «Ausbau» konkret: zusätzliche Kundenberater, mehr Kreditvolumen, neue Kompetenzen oder sogar weitere Standorte?

Titzler: «Der Ausbau bedeutet in erster Linie den Aufbau eines noch stärkeren Teams» mit hoher lokaler Verankerung und ausgewiesener Expertise im Firmenkundengeschäft und im Private Banking. Unser Ziel ist ein robustes Wachstum in beiden Bereichen.

Dazu gehören neue Kundenbeziehungen, zusätzliche Beratungskompetenz und der weitere Ausbau unseres regionalen Netzwerks. Weitere Standorte stehen derzeit nicht im Vordergrund.

LLB TeamStGallen kl
Das Team St. Gallen der LLB. (Bild: Roland Korner)

Der Ostschweizer Firmenkundenmarkt ist bereits stark besetzt. Wo können Sie diesen Banken Kunden abnehmen?

Titzler: Das ist richtig, der Ostschweizer Markt ist stark besetzt, gleichzeitig sehen wir genügend Potenzial. Unternehmerinnen und Unternehmer überprüfen ihre Bankbeziehungen laufend. Dort, wo Kunden mehr Nähe, schnellere Entscheidungen oder eine stärkere Verzahnung von Firmenkundengeschäft und Private Banking wünschen, sehen wir gute Chancen für die LLB Schweiz.

Capol: Der eigentliche Mehrwert liegt in der Verbindung von Firmenkundengeschäft und Private Banking. Unternehmerinnen und Unternehmer beschäftigen oft gleichzeitig Themen wie Wachstum, Nachfolge, Vermögensstrukturierung, Vorsorge oder die Finanzierung eines Unternehmens. Unsere Teams arbeiten eng zusammen und betrachten diese Fragestellungen ganzheitlich. Dadurch entstehen Lösungen, die über das klassische Firmenkundengeschäft hinausgehen und für den Kunden bzw. die Kundin einen spürbaren Mehrwert schaffen.

Welche Unternehmen wollen Sie primär gewinnen: klassische KMU, grössere Mittelständler, international tätige Unternehmen oder Unternehmerfamilien?

Titzler: Unser Fokus liegt auf erfolgreichen KMU und Unternehmerfamilien. Viele dieser Unternehmen sind regional verwurzelt und gleichzeitig international aktiv. Diese Kombination entspricht genau unseren Stärken im Firmenkunden- und Private-Banking-Geschäft.

Viele erfolgreiche Unternehmerfamilien stehen vor der Herausforderung, Unternehmensvermögen und Privatvermögen sinnvoll aufeinander abzustimmen. Welche Rolle spielt dabei das Private Banking?

Capol: Unternehmerfamilien haben oft komplexe Fragestellungen, die weit über das klassische Banking hinausgehen. Es geht um Vermögensstrukturierung, Nachfolgeplanung, Vorsorge oder die Übertragung von Vermögen auf die nächste Generation.

«Ein nachhaltiges Firmenkundengeschäft lässt sich nicht allein über den Preis gewinnen.»

Unser Anspruch ist es, diese Themen frühzeitig und aus einer Hand zu begleiten. Gerade darin sehen wir einen wichtigen Mehrwert unseres St. Galler Teams. Gleichzeitig begleiten wir im Private Banking selbstverständlich auch vermögende Privatkundinnen und -kunden ohne unternehmerischen Hintergrund. Die Anforderungen unterscheiden sich teilweise, der Anspruch an eine individuelle und langfristige Betreuung bleibt derselbe.

Wie wichtig ist dabei die Verbindung zwischen Firmenkundengeschäft und Private Banking? Ist der Unternehmer für LLB letztlich auch ein potenzieller Wealth-Management-Kunde?

Capol: Natürlich ergeben sich aus erfolgreichen Unternehmerbiografien häufig auch Fragestellungen im Private Banking. Entscheidend ist für uns jedoch nicht, ob jemand Firmenkunde oder Private-Banking-Kunde ist. Wir begleiten Unternehmerinnen und Unternehmer in ihrer gesamten finanziellen Realität.

Was bedeutet dieser ganzheitliche Ansatz konkret für die Kundinnen und Kunden?

Capol: Unternehmerinnen und Unternehmer möchten nicht zwischen verschiedenen Ansprechpartnern vermitteln müssen. Wenn beispielsweise eine Expansion finanziert wird, ergeben sich oft gleichzeitig Fragen zur persönlichen Vermögenssituation, zur Vorsorge oder zu künftigen Nachfolgelösungen. Durch die enge Zusammenarbeit unserer Teams können wir diese Themen frühzeitig miteinander verknüpfen und gemeinsam Lösungen entwickeln.

Viele Banken versuchen gerade, genau dieses Unternehmersegment stärker zu bearbeiten. Wie verhindern Sie, dass daraus vor allem ein Wettbewerb über den Preis entsteht?

Titzler: Ein nachhaltiges Firmenkundengeschäft lässt sich nicht allein über den Preis gewinnen. Unternehmerinnen und Unternehmer suchen eine verlässliche Sparringspartnerin, die ihre Situation verstehen und auch in anspruchsvollen Phasen handlungsfähig bleibt. Deshalb setzen wir auf Beratungsqualität, Entscheidungsstärke und langfristige Beziehungen statt auf kurzfristige Preisaktionen.

Wie attraktiv ist das klassische Kreditgeschäft angesichts des Margendrucks überhaupt noch? Wo verdienen Sie mit Firmenkunden heute das Geld?

Titzler: Das Kreditgeschäft bleibt wichtig. Gleichzeitig gewinnen Dienstleistungen rund um Zahlungsverkehr, Devisenmanagement, Liquiditätssteuerung oder Vorsorgelösungen zunehmend an Bedeutung. Entscheidend ist für uns jedoch die langfristige Partnerschaft und nicht die Ertragsquelle eines einzelnen Produkts.

Spüren Sie bei Schweizer Unternehmen derzeit eine grössere Zurückhaltung bei Investitionen – etwa wegen Konjunktur, Frankenstärke, Zöllen oder geopolitischer Unsicherheit?

Titzler: Die Unsicherheit ist in vielen Branchen spürbar. Dennoch erleben wir zahlreiche Unternehmen, die weiterhin gezielt investieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken wollen. Gerade in einem anspruchsvollen Umfeld gewinnen eine solide Finanzierung und eine verlässliche Bankpartnerin an Bedeutung.

«Bei einer Nachfolge geht es nie nur um das Unternehmen.»

Capol: Wir beobachten keinen generellen Investitionsstopp. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer prüfen Investitionen heute jedoch sorgfältiger und mit längeren Planungshorizonten als noch vor einigen Jahren. Die Unsicherheit ist in einzelnen Branchen spürbar. Gerade in solchen Phasen sind ein enger Austausch und eine vorausschauende Finanzplanung besonders wichtig.

Die Unternehmensnachfolge wird für viele Schweizer KMU zum zentralen Thema. Welche Rolle soll dieses Geschäft für LLB Schweiz spielen?

Titzler: Dieses Thema ist heute bereits wichtig und wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Unternehmensnachfolgen sind oft komplex und berühren gleichzeitig unternehmerische, finanzielle und persönliche Fragestellungen.

Dank unserer Kombination aus Firmenkundengeschäft und Private Banking können wir hier verschiedene Perspektiven und unterschiedliche Fachkompetenzen zusammenbringen.

Capol: Bei einer Nachfolge geht es nie nur um das Unternehmen. Es geht auch um die Familie, um die Vermögenssituation und oft um die persönliche Lebensplanung der Unternehmerin oder des Unternehmers. Hier ist die enge Zusammenarbeit zwischen Firmenkunden- und Private Banking Beratern ein entscheidender Vorteil.

Welche Themen beschäftigen Unternehmerfamilien im Private Banking derzeit besonders?

Capol: Wir stellen fest, dass die langfristige Sicherung des Vermögens wieder stärker in den Fokus rückt. Neben der Nachfolgeplanung beschäftigen viele Unternehmerfamilien Fragen rund um die Vermögensallokation, die Vorsorge und die Weitergabe von Verantwortung an die nächste Generation. Dabei sind individuelle Lösungen gefragt, denn keine Unternehmerfamilie ist wie die andere.

Die Ostschweiz ist stark exportorientiert. Können Sie als LLB Schweiz bei Devisen, internationalem Zahlungsverkehr und grenzüberschreitenden Finanzierungen einen besonderen Vorteil bieten?

Titzler: Ja. Wir können dabei auf die internationale Erfahrung der LLB-Gruppe zurückgreifen. Viele exportorientierte Unternehmen suchen Unterstützung beim Management von Währungsrisiken, im internationalen Zahlungsverkehr oder grenzüberschreitenden Finanzierungen.

«Gerade bei Unternehmern überschneiden sich Unternehmensliquidität und Privatvermögen häufig.»

Gerade bei Geschäften zwischen der Schweiz und Liechtenstein sowie bei der Absicherung von Währungsrisiken und bei Treasury-Fragen können wir unsere Gruppenkompetenz gezielt einbringen.

Wie stark wollen Sie Firmenkunden neben Krediten mit Treasury-, Anlage- oder Kapitalmarktlösungen bedienen?

Titzler: Gerade bei Unternehmerinnen und Unternehmern überschneiden sich Unternehmensliquidität und Privatvermögen häufig. Deshalb arbeiten unsere Firmenkunden- und Private-Banking-Teams eng zusammen und bringen bei Bedarf die entsprechenden Spezialistinnen und Spezialisten der LLB-Gruppe an einen Tisch.

LLB hat mit der Übernahme der Zürcher Kantonalbank Österreich und früheren Transaktionen ihre Wachstumsambitionen gezeigt. Welche Rolle spielt das Schweizer Firmenkundengeschäft innerhalb der Gesamtstrategie der Gruppe?

Titzler: Die Schweiz und Liechtenstein gehören zu den strategischen Heimmärkten der LLB-Gruppe. Das Firmenkundengeschäft ist dabei ein wichtiger Eckpfeiler und Wachstumstreiber in der Schweiz. Mit dem Ausbau in St. Gallen investieren wir gezielt in die Nähe zu Unternehmerinnen und Unternehmern und stärken gleichzeitig die Verbindung zwischen Firmenkundengeschäft und Private Banking. Gleichzeitig bauen wir unsere Präsenz für vermögende Privatkundinnen und Privatkunden in der Region weiter aus.


Lorenz Titzler ist Regionalleiter Firmenkunden bei der LLB in St. Gallen und Raphael Capol ist Regionalleiter Private Banking der LLB in St. Gallen.