HSBC steigert Gewinn um 32 Prozent – Aktie verliert deutlich

Europas grösste Bank HSBC hat ihren Vorsteuergewinn im dritten Quartal 2026 um 32 Prozent auf 9,63 Milliarden Dollar gesteigert. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch 7,30 Milliarden Dollar betragen. Die Erträge erhöhten sich um fünf Prozent auf 18,62 Milliarden Dollar, wie die Bank am Dienstag mitteilte.

Trotz des Gewinnsprungs reagierte die Börse negativ. Die in Hongkong kotierte HSBC-Aktie verlor nach Bekanntgabe der Zahlen im nachbörslichen Handel 5,5 Prozent und fiel auf den tiefsten Stand seit fast 20 Wochen.

Ein Grund für die Enttäuschung waren die Erwartungen der Analysten. Der Vorsteuergewinn blieb leicht unter der Bloomberg-Konsensschätzung von rund 9,7 Milliarden Dollar. Auch die Erträge lagen unter den erwarteten knapp 19 Milliarden Dollar. Der Umsatz der Vermögensverwaltung stagnierte bei 2,7 Milliarden Dollar, nachdem er in den ⁠vorangegangenen Quartalen noch um 15 beziehungsweise 23 Prozent ⁠zugelegt hatte.

Zinsgeschäft legt deutlich zu

Getragen wurde das Ergebnis insbesondere vom Zinsgeschäft. Der Nettozinsertrag stieg um sechs Prozent auf 9,31 Milliarden Dollar. Dazu trugen höhere Kundeneinlagen sowie die Wiederanlage von Absicherungsgeschäften zu besseren Renditen bei.

Gleichzeitig musste HSBC weniger Geld für mögliche Kreditausfälle zurückstellen. Die Risikovorsorge sank um 17 Prozent auf 832 Millionen Dollar. Ausschlaggebend waren unter anderem geringere Belastungen im Zusammenhang mit Gewerbeimmobilien in Hongkong sowie niedrigere Kreditrisiken in Grossbritannien und Mexiko.

Allerdings profitierte der Gewinnvergleich auch von einem Sondereffekt. Im Vorjahresquartal hatte eine Rückstellung von rund 1,1 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit dem Betrugsfall um Bernard Madoff das Ergebnis belastet.

Die Aufwand-Ertrag-Relation verbesserte sich deutlich von 56,6 auf 47,4 Prozent. Die annualisierte Rendite auf dem durchschnittlichen materiellen Eigenkapital stieg von 12,3 auf 17,7 Prozent.

Eine weitere Milliarde für Aktienrückkäufe

Mit dem Quartalsergebnis kündigte HSBC ein neues Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu einer Milliarde Dollar an. Dieses soll bis zur Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2026 abgeschlossen werden.

Zusätzlich genehmigte der Verwaltungsrat eine dritte Zwischendividende von zehn US-Cent je Aktie. Insgesamt will die Bank damit rund 2,7 Milliarden Dollar an ihre Aktionäre ausschütten. Die harte Kernkapitalquote (CET1) sank von 14,1 Prozent Ende Juni auf 13,9 Prozent Ende September.

Umbau der Bank geht weiter

Unter CEO Georges Elhedery konzentriert sich HSBC zunehmend auf ihre Kernmärkte in Asien und Grossbritannien. Gleichzeitig reduziert die Bank ihre Aktivitäten in ausgewählten internationalen Geschäftsfeldern und vereinfacht ihre Organisation.

Besonders im Wealth Management setzt HSBC auf tiefgreifende Veränderungen. Im britischen Geschäft sollen im Zuge einer stärkeren Automatisierung und des Einsatzes künstlicher Intelligenz zahlreiche Berater- und Managementstellen wegfallen.

Zudem baut die Bank ihr Vergütungssystem für Führungskräfte um und will einen grösseren Anteil der Entschädigung an die Leistung koppeln.
HSBC beschäftigt weltweit rund 206'000 Mitarbeitende, davon mehr als 700 in der Schweiz an den Standorten Genf und Zürich.

Prognose bestätigt

Für das Gesamtjahr 2026 hält HSBC an ihren bisherigen Zielen fest. Im Bankgeschäft soll der Nettozinsertrag mindestens 46 Milliarden Dollar erreichen. Das bereinigte operative Kostenwachstum will die Bank auf rund ein Prozent begrenzen.

Für die Jahre 2026 bis 2028 strebt HSBC weiterhin eine bereinigte Rendite auf dem materiellen Eigenkapital von mindestens 17 Prozent an.
Trotz des Rückgangs in den vergangenen Wochen liegt die Aktie in Hongkong im bisherigen Jahresverlauf noch knapp zehn Prozent im Plus. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 260 Milliarden Euro ist die HSBC die wertvollste Bank ausserhalb Chinas und der Vereinigten Staaten.