Anleihenmärkte: Ein Ansatz, viele Möglichkeiten

Von Henriette Le Mintier

Die anhaltende Präsenz verschiedener Risikofaktoren spricht für den Einsatz von Absolute-Return-Anlagestrategien, die dank ihrer Flexibilität und der Diversifizierung der Performancequellen echte Vorteile bieten.

Die Unsicherheit hat im Laufe des Sommers nicht nachgelassen – ganz im Gegenteil. Der Ausblick für die Friedensverhandlungen zwischen dem Iran und den USA bleibt ungewiss, seit der Waffenstillstand im Juli zusammengebrochen ist, und die geopolitischen Spannungen belasten nach wie vor die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte.

Absolute-Return-Strategie

Angesichts der wieder aufkommenden Risiken im Zusammenhang mit den Folgen eines Energieschocks sowie mit Inflationsdruck und Zinsschwankungen kann eine Absolute-Return-Strategie für die Verwaltung von Anleiheportfolios eine Kombination aus Rendite und Schutz bieten. Dieser Anlagestil ist nicht an eine Benchmark gebunden und kann auf ein äusserst breites Anlageuniversum zugreifen, das unter anderem Staats- und Unternehmensanleihen, Titel mit variabler Verzinsung, Wandelanleihen und Derivate umfasst. Der Zugang zu einer solchen Auswahl von Anlageinstrumenten ermöglicht es, Performancetreiber mit ergänzenden Diversifizierungselementen zu kombinieren, und zwar unabhängig vom aktuellen Marktzyklus.

Nach diesem Ansatz kann es im derzeitigen Umfeld sinnvoll sein, Carry-Erträge – die Anleger im Laufe der Zeit erhalten, während sie Wertpapiere bis zur jeweiligen Fälligkeit halten – mit einem flexiblen Ansatz für die Allokation im Hinblick auf das Kreditrisiko zu verbinden. Wichtige Faktoren sind dabei die Beteiligung am Primärmarkt, die Auswahl hochwertiger Emittenten und die Flexibilität in Bezug auf die Vor- und Nachrangigkeit der Wertpapiere und die Ratingkategorien.

Staatsanleihen werden unserer Ansicht nach weiterhin durch attraktive Renditen gestützt. Die deutlich steigenden Zinsen durch die umfassende Einpreisung der Inflationsspannungen seit dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten haben zu einer Versteilung am kurzen Ende der Zinskurve geführt. Unter diesen Umständen kann der Carry aus Anleihen mit einer kurzen Laufzeit von zwei bis vier Jahren dazu beitragen, kurzfristige Renditen zu erzielen, ohne das Risiko zu erhöhen.

Inflationsswaps und Selektivität

Eine Positionierung in Vermögenswerten mit kurzer Duration bietet Schutz, aber zugleich ist es sinnvoll, einen aktiven Ansatz in Bezug auf inflationsindexierte Instrumente zu verfolgen: Der Einsatz von Inflationsswaps kann beispielsweise dazu beitragen, die Gesamtvolatilität in Anleiheportfolios zu verringern. Dies hat sich insbesondere im ersten Halbjahr, in dem Staatsanleihen eine deutliche Renditekorrektur verzeichneten und ihren Status als Fluchtwerte verloren, als äusserst effektive Schutzvorkehrung erwiesen.

Das Segment der Unternehmensanleihen erlebte eine andere Entwicklung und verzeichnete keinen erheblichen Einbruch der Bewertungsniveaus. Insgesamt zeigte sich die Assetklasse relativ stabil; lediglich Wertpapiere mit niedrigerer Bonität (jene mit einem Rating von CCC und B ) mussten Einbussen hinnehmen. Die Spreads liegen derzeit trotz der Verschlechterung des makroökonomischen Umfelds auf dem gleichen Niveau wie im Januar vor dem Ausbruch des Konflikts. Wir setzen vor allem auf Flexibilität bei der Allokation und eine selektive Titelauswahl, bei der wir besonders robuste risikobereinigte Renditeprofile favorisieren.

Emittenten aus dem Finanzsektor

Emittenten aus dem Finanzsektor weisen unserer Ansicht nach solide Fundamentaldaten und nach wie vor attraktive Bewertungsniveaus auf. Dies gilt insbesondere für den Bankensektor in Italien oder Osteuropa, wo sich Chancen für Bond-Picking vor dem Hintergrund laufender Konsolidierungsprozesse ergeben können. Im Gegensatz dazu vermeiden wir die besonders konjunkturabhängigen Branchen – die europäische Automobilindustrie, den Chemiesektor, den Einzelhandel –, die momentan der Abschwächung der Konjunktur ausgesetzt sind.

Im Vorfeld des letzten Quartals halten wir an unserer Prognose fest, die von einem moderaten, aber robusten weltweiten Wirtschaftswachstum ausgeht. Gleichwohl sind wir der Ansicht, dass die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten negativer Szenarien gestiegen ist. In diesem Umfeld bieten Absolute-Return-Strategien ein wirksames Instrumentarium zur Diversifizierung von Anleiheportfolios.

Henriette Le Mintier ist Fondsmanagerin für absolute Performance bei Zins- und Kreditprodukten – LBP AM


Haftungsausschluss. Anlagen an den Finanzmärkten sind mit Risiken, insbesondere dem Risiko eines Kapitalverlusts, verbunden. Die ausgedrückten Meinungen entsprechen den Einschätzungen des Verfassers. LBP AM übernimmt dafür keine Haftung. Diese Informationen werden zur Veranschaulichung bereitgestellt und stellen daher weder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers noch eine Anlageberatung oder Finanzanalyse dar. Die genannten Sektoren dienen als Beispiele. Weder ihr Vorhandensein in den verwalteten Portfolios noch ihre Wertentwicklung sind garantiert.