Private Banking: Ungewisse Zukunft für BIL Suisse

Die in Hongkong kotierte Legend Holdings, Hauptaktionärin des Computerkonzerns Lenovo, will offenbar ihre Beteiligung von rund 90 Prozent an der Banque Internationale à Luxembourg (BIL) abstossen.

Das berichtete die «Financial Times» am Sonntag (Beitrag auf Englisch, hinter Bezahlschranke). Begleitet werde der Prozess von Goldman Sachs, so das britische Finanzblatt weiter. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht; sowohl BIL in Luxemburg als auch die Investmentbank mochten keine Stellung nehmen.

Interessenten aus Europa und Middle East

Erste Gebote werden laut «FT» gegen Ende September erwartet, die Bewertung der Gruppe könnte bei 2,5 Milliarden Euro oder mehr liegen.

Interesse zeigen laut der Zeitung Institute aus Europa und dem Nahen Osten. Die Gespräche seien aber in einem frühen Stadium, ein Abschluss ungewiss. Zudem könnten sich einige Bieter nur für Teile der BIL interessieren.

Legend hatte die Bank 2017 von katarischen Investoren übernommen, zu einer Bewertung von 1,6 Milliarden Euro. Die restlichen 10 Prozent hält der Luxemburger Staat. BIL ist die älteste noch tätige Privatbank des Grossherzogtums.

Ein Satz, der aufhorchen lässt

Gerade der Hinweis auf mögliche Teilverkäufe dürfte in Zürich aufmerksam gelesen werden. Die BIL Suisse mit Standorten in Zürich, Genf und Lugano ist eine hundertprozentige Tochter der Luxemburger Bank. Mit Kundenvermögen von knapp 4 Milliarden Franken ist sie im Konzern allerdings ein kleiner Baustein: Die BIL-Gruppe verwaltete Ende 2025 rund 50 Milliarden Euro.

Ganz neu sind die Verkaufspläne nicht. Erste Berichte über eine mögliche Veräusserung gab es bereits im März 2025, wie das Luxemburger Wirtschaftsmagazin «Paperjam» in Erinnerung ruft. Seit November 2025 wird Legend von Yu Hao geführt, der aus der Welt der künstlichen Intelligenz stammt. In seiner Technologie-Vision komme die Bank nicht mehr vor, schrieb «Paperjam» bereits im Mai.

Vom Dementi zum Schweigen

Auf Anfrage von finews hält sich BIL Suisse bedeckt. «Im Einklang mit unserer Kommunikationspolitik kommentieren wir grundsätzlich keine Marktgerüchte, Spekulationen oder Diskussionen im Zusammenhang mit unseren Aktionären», teilte Kommunikationschef Stephan Storchenegger mit. Der Fokus liege unverändert auf der zuverlässigen Betreuung der Kunden.

Vor gut einem Jahr hatte die Bank noch deutlicher reagiert. Im August 2025 wies sie gegenüber finews Berichte über Verkaufsgespräche zurück: Es gebe keine laufenden Gespräche über einen Verkauf von BIL Suisse. CEO Hans-Peter Borgh sprach von «nichts als Gerüchten» (finews berichtete).

Damals hiess es in M&A-Kreisen, ein grosses Liechtensteiner Haus sei in Gesprächen über den Kauf der Schweizer Privatbank oder gar der ganzen Wealth-Management-Sparte von BIL.

Die Vermögen schrumpfen

Wie steht die Schweizer Einheit da? finews hat die Geschäftsberichte der Jahre 2021 bis 2025 ausgewertet. Nach drei Jahren mit Neugeldzuflüssen von jeweils über 300 Millionen Franken hat sich das Bild gedreht: 2024 flossen netto 571 Millionen ab, 2025 weitere 483 Millionen. Die verwalteten Vermögen sanken von 4,38 Milliarden Franken Ende 2023 auf 3,97 Milliarden Ende 2025. 

Verwaltete Vermögen und Netto-Neugeld der BIL Suisse 2020 bis 2025
Verwaltete Vermögen der BIL Suisse, in Millionen Franken (Grafik: finews.ch, Quelle: Geschäftsberichte BIL Suisse)

Die Bank begründet den Rückgang im Geschäftsbericht mit einer fortgesetzten Neuausrichtung der Kundenportfolios und negativen Währungseffekten. Auffällig ist ein Detail im Firmenprofil: 2023 verwies BIL Suisse noch auf ein Netzwerk mit Präsenz in Peking und Hongkong, im jüngsten Bericht ist nur noch von Peking die Rede. Dazu passt, dass die Gruppe ihr Vermögensverwaltungsbüro in Hongkong aufgegeben hat.

Gewinn dank tieferer Kosten

Beim Ergebnis zeigt die Kurve seit Jahren ein Auf und Ab. Nach einem Verlust von 7,9 Millionen Franken im Jahr 2021 schrieb die Bank 2022 schwarze Zahlen, 2023 folgte ein Gewinn von 14,0 Millionen (finews berichtete). 2024 blieb davon noch ein Gewinn von 0,2 Millionen, 2025 waren es wieder 6,3 Millionen.

Die Erholung im vergangenen Jahr kam allerdings nicht aus dem Ertragsgeschäft. Zwei Faktoren trugen sie fast zu gleichen Teilen: Die Wertberichtigungen für Kreditausfälle sanken von 5,3 auf 0,4 Millionen Franken, und der Sachaufwand fiel um 4,1 Millionen oder 24 Prozent.

Geschäftserfolg und Jahresgewinn der BIL Suisse 2021 bis 2025
Geschäftserfolg und Jahresgewinn der BIL Suisse, in Millionen Franken (Grafik: finews.ch, Quelle: Geschäftsberichte BIL Suisse)

Ein Kostenschnitt mit Vorbehalt

Der Grossteil der Einsparungen entfiel auf den nicht weiter aufgeschlüsselten übrigen Geschäftsaufwand, der von 7,0 auf 3,9 Millionen Franken zurückging. Der IT-Aufwand sank um 0,9 Millionen. Die Bank spricht in ihrem Geschäftsbericht von einer Rationalisierung der IT-Infrastruktur und einer effizienteren Steuerung ihres Transformationsportfolios. Beim Personal wurde nicht gespart: Der Personalaufwand stieg leicht, der Bestand blieb bei 116 Vollzeitstellen.

Im Mehrjahresvergleich relativiert sich der Befund. 2024 war der Sachaufwand wegen IT-Investitionen sprunghaft gestiegen. Der gesamte Geschäftsaufwand lag 2025 mit 45,7 Millionen Franken sogar leicht über dem Niveau von 2023. Die Cost-Income-Ratio verbesserte sich auf 84,7 Prozent, nach 97,5 Prozent im Vorjahr. Worin die Einsparungen im Einzelnen bestanden, liess die Bank auf Anfrage von finews offen.

Geschäftsertrag, Geschäftsaufwand und Cost-Income-Ratio der BIL Suisse 2021 bis 2025
Cost-Income-Ratio in Prozent sowie Geschäftsertrag und Geschäftsaufwand in Millionen Franken (Grafik: finews.ch, Quelle: Geschäftsberichte BIL Suisse)

Eher magere Rendite

Für die bisherigen Eigentümer hat sich das Schweizer Geschäft bislang kaum gerechnet.

Bezogen auf das durchschnittliche Eigenkapital von 147 Millionen Franken erzielte BIL Suisse 2025 eine Eigenkapitalrendite von 4,3 Prozent. 2023 waren es 10,2 Prozent, 2024 gerade 0,2 Prozent.

Über die vergangenen fünf Jahre summieren sich die Gewinne auf 16,7 Millionen Franken, bei einem einbezahlten Kapital von 137 Millionen. Das entspricht im Schnitt 2,4 Prozent pro Jahr. Eine Dividende hat die Bank in dieser Zeit nicht ausgeschüttet. Der Gewinnvortrag in der Bilanz belief sich per Ende 2025 auf 7,0 Millionen Franken.

Dickes Kapitalpolster

Gedrückt wird die Rendite auch durch eine üppige Kapitalausstattung. Die harte Kernkapitalquote lag Ende 2025 bei 35,5 Prozent. Das anrechenbare Kapital von 148 Millionen Franken übertrifft die regulatorische Zielgrösse von rund 44 Millionen um mehr als das Dreifache.

Für einen Käufer ist das ein zweischneidiger Befund: solide Polster, aber ein Geschäft, das diese Polster nur schwerlich angemessen verzinst.

Die Finma hat ein Wörtchen mitzureden

Ein Eigentümerwechsel in Luxemburg wäre auch für die Schweizer Aufsicht ein Thema. BIL Suisse gilt als ausländisch beherrschte Bank. Wechseln bei einer solchen Bank die ausländischen Inhaber qualifizierter Beteiligungen, muss laut Bankengesetz bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) erneut eine Zusatzbewilligung eingeholt werden.

Da die chinesische Legend Holdings über die Luxemburger Mutter indirekt qualifiziert an BIL Suisse beteiligt ist, dürfte ein Verkauf der Gruppe diese Pflicht auslösen. Zudem muss jeder Käufer die Finma vorgängig informieren, wenn er direkt oder indirekt eine qualifizierte Beteiligung an einer Bank erwirbt.

Geringer Appetit auf ausländische Investoren

Anders läge der Fall, wenn die Schweizer Tochter separat an ein inländisches Institut ginge. Dann entfiele die Zusatzbewilligung für ausländische Beherrschung. Die Meldepflicht und die Prüfung der neuen Eigentümer blieben aber bestehen, wie auch die Prüfung neuer Mandatsträger.

Die Finma hat in letzter Zeit, zum Beispiel im Falle der Bank Radicant, erkennen lassen, dass ihr der Sinn eher weniger danach steht, ausländischen Interessenten einen Zugang zu einer Schweizer Banklizenz zu eröffnen. Würde das Mutterhaus Banque Internationale à Luxembourg integral verkauft und der Käufer von der Luxemburger Aufsicht CSSF und von der EZB-Bankenaufsicht durchgewinkt, würde die Finma wohl mitziehen.

Sofern sich der Käufer allerdings separat von der BIL Suisse trennen wollte, gilt es in M&A-Kreisen als ausgemachte Sache, dass aufgrund von Finma-Präferenzen nur eine existierende Schweizer Bank zum Handkuss käme.