Statt Regulierungswut: A- und B-Banken

Bankenkrise? Mit verschiedenen Banklizenzen liesse sich Abhilfe schaffen, sagt Compliance-Spezialist Jürg Baltensperger. Das wäre auch für Aktionäre attraktiv.

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Jürg Baltensperger ist Compliance und Legal Officer bei einer Privatbank in Zürich; er hält einen Master of Law der Universität Zürich und absolviert derzeit einen Master of Advanced Studies in Risk Management an der Hochschule Luzern.

Seit dem 1. Januar 2013 sind die Regeln von Basel III für Schweizer Banken in Kraft. Zusammen mit dem so genannten «Swiss Finish» und den «Too-big-too-fail Massnahmen» soll der Schweizer Finanzplatz so in ruhigere Gewässer überführt werden. Doch ist damit die Gefahr einer erneuten Schieflage systemrelevanter Banken gebannt?

Wohl kaum. Die Frontlinien werden lediglich verschoben. Die Schweiz verpasst vielmehr eine grosse Chance, eine effektive Lösung herbeizuführen.

Ungebrochene Systemrelevanz

Einigkeit herrscht in allen Lagern, dass das regulatorische Umfeld nachgebessert werden muss. Wo genau der Hebel anzusetzen ist, bleibt allerdings unklar. Der eingeschlagene Weg der Schweiz scheint nicht das Allheilmittel zu sein für den er gerne präsentiert wird. Zu gross sind die Bedenken bezüglich der ungebrochenen Systemrelevanz der Grossbanken.

Der Zwang zur subsidiären Staatshaftung für Institute, die im Konkursfall auf Grund ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung nicht ordentlich abgewickelt werden können, besteht auch im neuen regulatorischen Kleid. Global vernetzte, komplexe Finanzmärkte und die noch immer bestehenden (finanziellen) Anreize, hohe Risiken einzugehen, werden ebenso nach dem 1. Januar 2013 die grössten Bedrohungen bleiben.

Kein grosser Lerneffekt

Von der Dotcom- zur Subprime-Blase dauerte es lediglich sieben Jahre, was nicht von einem grossen Lerneffekt zeugt. Das heute noch getadelte Investmentbanking kann morgen wieder lukrativ sein und auf Vorkrisengrösse reaktiviert werden. Dass der Staat nach wie vor als Versicherung auftritt, wird die Risikobereitschaft nicht mindern.

Die Risiken sind die gleichen. Bleibt die Hoffnung, dass die neuen Vorschriften eine Erhöhung der Systemstabilität bewirken und somit die Wahrscheinlichkeit einer Notsituation verringern. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das besagt zumindest eine Studie des Europäischen Parlaments.

Reformwille schwindet langsam

In der Schweiz habe die geforderte Eigenkapitalquote zusammen mit den grössenabhängigen Zuschlägen zur Bekämpfung der «Too-big-too-fail-Problematik» eine destabilisierende Wirkung, heisst es darin. Überdies würden sich die höheren Kosten negativ auf die Rendite auswirken und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich verringern. Dies umso mehr als der Reformwille in konkurrierenden Finanzzentren langsam schwinde.

Bei dieser Ausgangslage drängt sich die Frage nach Alternativen auf. Zwei verschiedene Banklizenzen könnten dabei Abhilfe schaffen.

Prominente Vertreter in der Not

Der zur Diskussion gebrachte Ansatz der Aufteilung von Grossbanken auf kleine Finanzinstitute, die ohne volkswirtschaftlichen Schaden abgewickelt werden könnten, greift dabei zu kurz. Erstens betrifft eine Krise wegen der engen Vernetzung der Finanzwelt meist alle Institute und zweitens können kleine Finanzunternehmen, reine Privatbanken ausgenommen, keinen internationalen Service auf Augenhöhe bieten.

Auch die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken scheint nicht die optimale Lösung zu sein, da prominente Vertreter beider Institutstypen während der Finanzkrise in Not geraten sind.

Beschränkte Haftung

Was dem Steuerzahler wirklich hilft, ist die Beschränkung seiner Haftung auf die systemrelevanten Teile des Finanzsystems. Dazu notwendig ist die Einsicht, dass es immer systemrelevante Bereiche geben wird, die ein Staat aufrecht erhalten muss, will er keinen volkswirtschaftlichen Einbruch riskieren.

Diese Bereiche wie beispielsweise die Verwaltung von Pensionskassengeldern, das Unternehmenskredit- und das Hypothekargeschäft sollen einer Bank mit A-Lizenz vorbehalten sein.

Spekulative Geschäfte untersagt

Zur Sicherung ihrer Funktion werden A-Banken entsprechend reguliert, überwacht und geniessen eine Staatsgarantie. Spekulative Geschäfte sind ihnen untersagt. Der Fokus liegt dabei auf der Verlässlichkeit und Langzeitorientierung.

Demgegenüber können Banken mit einer B-Lizenz ihr Dienstleistungsangebot frei wählen – mit Ausnahme der für A-Banken ausschliesslich reservierten Bereiche.

International gleich lange Spiesse

Die Vorteile sind offenkundig: A-Banken haben eine überschaubare Grösse und auf Grund der defensiven Geschäftsstrategie ebensolche Risiken. Bei Liquiditätsproblemen greift der Staat ein und übernimmt den systemrelevanten Teil.

B-Banken hingegen geniessen einen grösseren Handlungsspielraum, bleiben von einer übermässigen Regulierung verschont und kämpfen international mit gleich langen Spiessen. Sollte eine B-Bank zahlungsunfähig werden, kann der Staat eingreifen, ohne aber dazu gezwungen zu sein.

Für Aktionäre attraktiv

Ebenso kann das Modell zweier Lizenzen für den Aktionär attraktiv sein. Wer heute in eine Universalbank investiert, kann nur schwer abschätzen, was für Risiken er seinem Portfolio aufbürdet.

Die Beteiligung an einer A-Bank erscheint da wesentlich transparenter und ist für defensive Anleger geeignet. Kleinsparer wiederum haben die Möglichkeit, ihr Geld bei einem Institut zu platzieren, das die gewünschte Sicherheit garantieren kann. Anleger, die gerne spekulative Produkte kaufen, wenden sich an eine B-Bank und sind sich gleichzeitig bewusst, dass sie den staatlich behüteten Bereich verlassen.

Langfristige Sicherheit

Ein System mit zwei Lizenzen macht auch die Einlagensicherung überflüssig, spart Überwachungskosten und lässt den B-Banken den nötigen Spielraum, international erfolgreich zu sein. Regulierungen, genauso wie staatliche Garantien, greifen bloss dort, wo sie gebraucht werden.

Nur eine saubere organisatorische Trennung kann längerfristig die gewünschte Sicherheit gewährleisten. Bis dahin muss der Schweizer Finanzplatz wohl noch einige Stürme aushalten.


Juerg_Baltensperger_qWas denken Sie? Ist das Modell einer A- und B-Lizenz für die Banken das Richtige? Schreiben Sie uns Ihre Meinung auf Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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