Diese Banken profitierten von Luxemburger Steuerdeals

Mehr als 500 Unternehmen haben in den vergangenen Jahren mit Luxemburg geheime Steuerdeals abgeschlossen. Unter ihnen sind: Credit Suisse, Julius Bär, UBS sowie weitere Schweizer Finanzinstitute.

Luxemburg © Shutterstock

Das «International Consortium of Investigative Journalists» (ICIJ) hat am Donnerstag zig Tausende Seiten Dokumente veröffentlicht, die geheime Steuerdeals von international tätigen Konzernen mit Luxemburg beschreiben.

Gemäss Auswertungen, etwa der «Süddeutschen Zeitung», sind durch diese Deals zahlreichen Ländern Milliarden an Steuereinnahmen entgangen. Luxemburg machte zwar nichts Illegales. Aber im gegenwärtig angeheizten Klima und angesichts des Drucks auf Steueroasen und Steuerdumping überrascht es nicht, dass die EU-Kommission das Vorgehen von Luxemburg untersuchen will.

Unter den genannten gut 550 Unternehmen befinden sich – wenig überraschend — auch Schweizer Banken sowie ein Versicherungskonzern. Es sind dies gemäss ICIJ: Baloise, Credit Suisse, EFG International, Julius Bär, Lombard Odier, Quilvest sowie die UBS. Auch das Bankensoftware-Unternehmen Temenos befindet sich darunter.

Weniger als ein Prozent Steuern

Das Vorgehen war dabei immer gleich: Die Unternehmen liessen sich von Steuerexperten der Beratungsgesellschaft PwC spezielle Konstrukte ausarbeiten, um höhere Steuerzahlungen in Ländern zu vermeiden. In Luxemburg wurden hingegen individuelle Deals – sogenannte «rulings» – ausgehandelt.

Luxemburg habe auf Basis dieser Steuervermeidungs-Konstruktionen teilweise Steuersätze von weniger als einem Prozent genehmigt, heisst es. Offiziell liegen die Unternehmenssteuern in Luxemburg bei 29 Prozent.

Alle diese «rulings« wurden mit Marius Kohl abgeschlossen, den Leiter der Steuerabteilung des Grossherzogtums. Kohl ist vergangenes Jahr in Pension gegangen. In seinen 22 Dienstjahren habe Kohl Tausende solcher Steuerdeal-Anträge behandelt, heisst es weiter. Bis zu 54 seien es an manchen Tagen gewesen.

Undurchsichtige Fondskonstruktionen

Die Schweizer Banken haben mittels PwC verschiedene Wege und Gründe gefunden, mit Luxemburg einen Steuerdeal einzugehen, wie eine Durchsicht der Dokumente zeigt. In der Mehrzahl der Fälle ging es dabei nur um einzelne Fonds, die in Luxemburg domiziliert wurden, um Steuern in anderen Ländern wie Frankreich oder Grossbritannien zu umgehen.

Die UBS ging 2010 einen Deal für einen Real-Estate-Fonds ein, der in französische Immobilien investierte. Im Fonds war auch eine Luxemburger Holding enthalten, in welche die Gewinne aus Frankreich jeweils überführt wurden.

Ein ähnliches Konstrukt bauten PwC für die Credit Suisse mit einen Real-Estate-Fonds britischer Immobilien. Für Lombard Odier wurde ebenfalls für einen Fonds eine Konstruktion gefunden, welche tiefere Steuerzahlungen in Luxemburg ermöglichten.

Gebühren nicht versteuern

Julius Bär suchte 2009 hingegen eine Abmachung mit Luxemburg, um die Versteuerung von Erträgen aus dem Securities Lending zu vermeiden. Gemäss den Dokumenten schloss Julius Bär mit Morgan Stanley einen Vertrag für das Securities Lending. Die US-Investmentbank zahlte für die aus den Julius-Bär-Fonds geliehenen Aktien erkleckliche Gebühren an die Luxemburger Fonds-Tochter von Julius Bär, die heute zur GAM gehört.

Diese Erträge aus Wertschriftenleihe, die allein 2006 rund 12 Millionen Euro gewesen sein sollen, wurden von PwC als Grundlage für die Schätzung eines Goodwills herangezogen. Da sich dieser Goodwill über sieben Jahre abschreiben liess, sollte die Abmachung Julius Bär dazu verhelfen, in Luxemburg deutlich tiefere Steuern zu bezahlen.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

 

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • 1MDB-Skandal: Nach DiCaprio auch Robert de Niro im Visier
  • Wird die Webseite Ihrer Firma gerade gehackt?
  • Von der Edelboutique zur Schnäppchenbude
  • So will George Soros die Flüchtlingskrise bekämpfen
  • Der naive Rettungsplan der «Euro-Freunde»
  • Deutsche Bank steckt in der Falle
  • Starökonom fordert noch schärfere Negativzinsen
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram

Zürcher Bankenverband

Führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche zum Thema Regulierung.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

SELECTION

Selection

Denke nach und werde reich

Haben Sie sich auch schon gefragt, welche Eigenschaft alle Millionäre teilen?

Selection

NEWS GANZ KURZ

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

Aargauer Kantonalbank

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

Fondsmarkt

Die Schweizer Fondbranche kratzt an der Billionen-Grenze. Wie der Branchendienst Swiss Fund Data vermeldete, erreichte das Vermögen der in der Schweiz gehandelten Anlagefonds letzten August rund 914 Milliarden Franken.

EIB

Die Europäische Investitionsbank finanziert die Forschung am Genfer CERN. Dies, indem sie dem Teilchenbeschleuniger eine Kreditfazilität von 250 Millionen Franken leistet. Das Geld wird zum Bau des nächsten CERN-Grossprojekts benötigt, dem High Luminosity Large Hadron Collider.

Finma

Die Eidgenössische Finanzmarkt-Aufsicht Finma nimmt ihre digitale Zustellplattform in Betrieb. Diese ermöglicht es den Beaufsichtigten und Prüfgesellschaften, Jahresberichte und weitere Dokumente elektronisch einzureichen. Mit SuisseID lassen sich die Dokumente zudem elektronisch signieren.

UBS

Mit einer Performance von durchschnittlich 0,5 Prozent schnitten die Pensionskassen im August leicht besser ab als im Monats-Durchschnitt seit Jahresbeginn. Das stellte der «Pensionskassen-Barometer» der Grossbank fest.

weitere News