Boris Collardi: «Unsere Mittel sind auch nicht unlimitiert»

Julius-Bär-Chef Boris Collardi macht die Dinge nicht «äs bitzeli», sondern immer umfassend, wie er im Interview mit finews.ch erklärt, sei das in der Kundenberatung, im Schweizer Geschäft oder in den Verhandlungen mit den Amerikanern.  

Foto©Keystone

Herr Collardi, Julius Bär geht mit einem neuen Beratungsangebot namens «Your Wealth» in die Offensive. Was versprechen Sie sich davon?

Beratung wird immer wichtiger. Dabei haben verschiedene Gründe zu diesem neuen Service-Tool geführt. Einerseits die Erwartung der Kunden, bessere Informationen zu transparenten Konditionen für ihre Anlageentscheide zu erhalten. Andererseits erfordert die verschärfte Regulierung, ich nenne da nur das Stichwort «Fidleg», einen korrekten und umfassenden Beratungsansatz mit entsprechenden Verträgen mit der Klientel.

«Von Barend Fruithof erwarte ich Dynamik und jugendliche Frische»

Wir können so etwas nicht «äs bitzeli» einführen, sondern das muss umfassend geschehen. Ein erster Pilot ist in der Schweiz bereits gelaufen, als nächstes ist Asien an der Reihe, und bis in 36 Monaten werden wir diesen Service weltweit eingeführt haben.

An der heutigen Präsentation stand für einmal nicht Ihr zweiter Heimmarkt Asien im Vordergrund, sondern unter anderem die Personalie von Barend Fruithof. Was erwarten Sie von ihm als neuen Schweiz-Chef?

Jugendliche Frische und Dynamik. Mit Barend Fruithof konnten wir einen im Schweizer Markt höchst erfahrenen und bestens vernetzten Mann gewinnen, mit dem wir verstärkt neue Segmente, beispielsweise Schweizer Unternehmer, als Kunden ansprechen und gewinnen möchten.

«Lateinamerika ist unser zweites Asien»

Seine Ernennung ist auch ein klares Bekenntnis zur Kontinuität in unserem Heimmarkt.

Barend Fruithof kommt aus dem Firmenkundengeschäft. Ist es denkbar, dass Julius Bär auch in dieses Geschäftsfeld einsteigt?

Wir haben uns diese Frage tatsächlich auch gestellt, sind aber zum Schluss gekommen, dass es bereits genügend andere Banken gibt, die in dieser Domäne tätig sind und dieses Geschäft auch sehr gut machen. Zudem passt es nicht zu unserer Positionierung und zu unserem Risikoprofil.

Das andere grosse Thema heute war ihre Beteiligung an dem mexikanischen Vermögensverwalter NSC Asesores. Haben Sie den Gefallen an Asien verloren?

Nein, keineswegs, Sie werden in den nächsten sechs Monaten schon noch einiges von uns aus Asien hören. Doch nun hat Lateinamerika Priorität. Das ist sozusagen unser «zweites Asien», wo wir enorme Wachstumsmöglichkeiten sehen.

Denken Sie bereits an neue Übernahmen?

Wir bleiben tatsächlich offen für Akquisitionen, allerdings kann Julius Bär nicht bei jedem Deal mitmischen. Unsere Mittel sind auch nicht unlimitiert.

«Wir waren nie im Rennen um Coutts»

Sie werden es mir kaum glauben, aber wir waren nie im Rennen um die Bank Coutts. Was wir als nächstes machen, steht noch nicht fest. Aber wir prüfen sicherlich neue Opportunitäten.

Sie haben kurz nach dem Ende der Euro-Untergrenze im vergangenen Jahr rund 200 Stellen abgebaut. Wie man ihrem Semesterbericht entnehmen kann, bleibt die (Kosten-)Situation angespannt. Sind weitere Stellenkürzungen geplant?

Nein. Für uns war das ganz klar eine Reaktion auf den SNB-Entscheid vom 15. Januar 2015. Wir sind froh, dass wir es getan haben, weil sich die Situation angesichts der Probleme in Griechenland und auch in China sicherlich nicht entspannt hat.

«Wir haben günstige Signale erhalten»

Wir gehen von anhaltend instabilen Märkten aus, so dass die Ertragslage angespannt bleibt. Aber weitere Stellenkürzungen wird es vorläufig nicht geben.

Wo liegen in Ihre Prioritäten in den nächsten sechs Monaten?

Wir wollen uns wieder verstärkt aufs operative Geschäft konzentrieren, nachdem die Integration des internationalen Wealth Managements von Merrill Lynch mehr oder weniger abgeschlossen ist und sich auch im US-Steuerstreit eine Lösung abzeichnet.

Bereits so konkret?

Wir haben bereits Signale erhalten, die es uns erlaubten, vor einigen Wochen eine Rückstellung von 350 Millionen Dollar für das US-Programm zu tätigen. Auf Grund der Gespräche gehe ich davon, dass die Regelung nur noch eine Frage von einigen Monaten sein wird.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nacktfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Der Todesstoss fürs Online-Banking

Der Bankkunde von heute nutzt das Internet und Apps. Aber wie lange noch?

Selection

Die spektakulärsten Bankgebäude der Welt

Die spektakulärsten Bankgebäude der Welt

Eine Expertenjury hat die weltweit 15 beeindruckendsten Firmensitze gekürt.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

weitere News