Wie Pictet aus dem Brexit bereits Kapital schlagen konnte

Laurent Ramsey

Der Brexit beunruhigt Laurent Ramsey kaum. Dafür umtreiben den Partner der Genfer Privatbank Pictet zwei andere Dinge.

Rund einen Monat ist es her, seit das britische Stimmvolk den Austritt aus der EU beschlossen hat. Als Folge davon dominiert nun auf dem Londoner Finanzplatz Unsicherheit. Diverse Banken erwägen, ihren Standort von Grossbritannien nach Kontinentaleuropa zu verlegen, um den Zugang zum EU-Markt zu sichern.

Die Genfer Privatbank Pictet gibt sich diesbezüglich erstaunlich gelassen. «Der Brexit beängstigt uns derzeit nicht», sagte Laurent Ramsey, seit Anfang 2016 Teilhaber der Bank und CEO von Pictet Asset Management in London, am Wochenende gegenüber der «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig).

Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 780 Mitarbeiter (davon 385 in Genf, der Rest in London) verwaltete per Mitte 2016 knapp 140 Milliarden Euro an institutionellen Kundengeldern

Vom Brexit bereits profitiert

Diese Gelassenheit überrascht auf Anhieb, bedient doch Pictet den europäischen Markt explizit von London aus. Verliert nun das Vereinigte Königreich seine bisherige Position und Bedeutung (Stichwort: EU-Passporting), dürfte auch die Genfer Bank in die Bredouille geraten. Doch dazu sagt Ramsey: «London und die Schweiz bleiben unsere Hauptstandorte, sofern keine grossen regulatorischen Änderungen kommen.»

Aus dem Brexit konnte Pictet Asset Management bereits Kapital schlagen: Eigenen Angaben zufolge flossen in den zwei Folgewochen nach dem Entscheid dem Unternehmen in London 590 Millionen Pfund zu.

Besessene Kunden

Sorgen bereiten dem 46-jährigen Banker, der 1993 zu Pictet stiess, aber zwei andere Dinge: erstens, die ausgeprägte Kurzfristigkeit (Short-Termism). Die Kunden seien «besessen» von monatlichen Renditen, klagt Ramsey, zumal man ja eigentlich für die Pension investiere. Doch viele Kunden würden ihren Blick auf jährliche oder gar vierteljährliche Renditen richten.

Dieses kurzfristige Denken manövriere denn auch kotierte Firmen in ein Dilemma. Denn kurzfristige Gewinnmaximierung lasse sich nur schwer mit nachhaltigem Wachstum vereinbaren.

Mit seinem Appell an die Langfristigkeit stimmt Ramsey in «Long-termism»-Kanon ein, den seit einigen Monaten verschiedene CEO angestimmt haben. Sowohl der Konzernchef der Credit Suisse, Tidjane Thiam, als auch UBS-CEO Sergio Ermotti liess sich entsprechend vernehmen, wie auch finews.ch berichtete.

«Gefährlich» für Investoren

Zweite Sorge Ramseys ist der rasante Aufstieg von passiven Investments. Ihm zufolge bergen solche Anlagen hohe Risiken – vor allem komplexe Instrumente wie Hochzins-Anleihen seien in dem Zusammenhang «gefährlich» für Investoren.

Hier brauche es die Expertise erfahrener Manager, um die Risiken der Schuldner angemessen einzuschätzen, so der Pictet-Partner.

Nagelprobe für Asset Manager

Ramsey zufolge sind die derzeit volatilen und unsicheren Zeiten eine Art Nagelprobe für institutionelle Vermögensverwalter. Diese bekämen nun die Chance, konkret einen Mehrwert für ihre Kunden zu generieren.

Bleibt abzuwarten, ob ihnen dies gelingt. Denn in der Mehrheit obsiegen seit einigen Jahren passive Investments – und nur eine Handvoll Manager schaffen es, den jeweiligen Index zu schlagen.

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Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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