Megamerger CS und Deutsche Bank: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

(Bild: Shutterstock)

Die Grossfusion unter Banken macht wieder die Runde, und mitten in den Planspielen steht die Credit Suisse. Klar ist: Der Megamerger wird nicht stattfinden – aus guten Gründen. Doch das kann sich bald ändern.

Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse (CS), zeigte Sinn für Realitäten. Als er vergangene Woche an einer Tagung auf einen möglichen Zusammenschluss zwischen CS und Deutsche Bank angesprochen wurde nannte der dies «ein Ding der Unmöglichkeit».

Die Regulierungsbehörden würden einem solchen Deal niemals zustimmen, da sie eher darauf erpicht seien, Banken zu schrumpfen als sie grösser werden zu lassen.

Der ideale Bodensatz für eine Marktbereinigung

Rohners Einschätzung ist sicher richtig, und sie ist zurzeit das Diktum in Europas Bankenbranche. Diese ist geprägt von zwei Realitäten: Sie ist notorisch unterkapitalisiert, Ertragsschwächen werden mit Umstrukturierungen, Entlassungen und Neuausrichtungen begegnet, während der europäische Bankenmarkt mehr als gesättigt ist.

Im Prinzip der ideale Bodensatz für eine Marktbereinigung, sprich Akquisitionen oder Fusionen.

Die andere Realität sind die Bankenaufseher und Regulatoren. Partikularinteressen innerhalb der Eurozone verhindern durch immer wieder neue Rettungspakete das Untergehen schwacher Marktplayer, während die Institute gleichzeitig dazu angehalten sind, Kapital aufzubauen und ihre Bilanzen zu schrumpfen.

Aber ein Ding der Unmöglichkeit

In diesem Umfeld scheint eine Fusion von zwei der führenden Bankhäuser Europas, wie es die CS und die Deutsche Bank sind, tatsächlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Wie könnte es sich auch eines der beiden Institute leisten, die Positionen des jeweiligen Konkurrenten auf die Bücher zu nehmen?

Die Idee eines Zusammengehens der CS und der Deutschen Bank ist schon Jahre alt. In der Retrospektive scheint es, je schlechter der Zustand der beiden Finanzinstitute, desto öfter wird die Idee rezykliert und machen entsprechende Gerüchte die Runde.

Warum aber die Kräfte nicht bündeln?

Es scheint hier der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein, dass die beiden, einst so stolzen und nun scheinbar gefährlich nahe am Abgrund kämpfenden Institute doch möglichst rasch wieder auf die Beine kommen. Warum also die Kräfte nicht bündeln?

Ausserdem scheint der Idee ein europäischer Komplex zu unterliegen. Europas Banken verlieren seit der Finanzkrise mehr und mehr an Boden gegenüber ihren transatlantischen Konkurrenten, deren fünf grösste Institute in den letzten Jahren auf den globalen Finanzmärkten über 10 Prozent an Marktanteilen gewonnen haben.

Der Zwang zum Wandel

Warum also kein europäischer Zusammenschluss im US-Konkurrenzkampf erprobter Häuser wie Deutsche und CS?

Und noch ein triftiger Grund würde für einen Banken-Megamerger à la CS-Deutsche sprechen: Die Bankenbranche ist gezwungen, sich zu wandeln und zu modernisieren.

Knapp gesagt: Banken sehen sich auch in Zukunft mit steigenden Kosten und sinkenden Erträgen konfrontiert. Strategien dagegenzuhalten sind Investitionen in Industrialisierung und Digitalisierung, Fokussierung auf weniger Geschäftsfelder sowie das Eingehen von möglichen Partnerschaften, um Kostensynergien zu schaffen.

Bekanntes Strategiearsenal

Übernahmen und Akquisitionen sind eine Strategie in der Bankenbranche, sich für die Zukunft zu wappnen. Doch finden diese im Segment der mittelgrossen Institute statt, wo die Komplexität noch einigermassen zu managen ist.

Der Megamerger hat bislang nicht stattgefunden – obwohl er zum bekannten Strategiearsenal in Branchen und ihren Teilnehmern gehört, die strukturell in Bedrängnis sind.

Andere Branchen machen es vor

In der Baustoffbranche haben darum die beiden grössten Player Holcim und Lafarge den Schulterschluss gewagt (Saint Gobain und Sika werden diesen wohl auch noch tätigen). Im extrem kapitalintensiven Rohstoffbereich dominieren noch die grossen drei BHP Billiton, Rio Tinto und Glencore.

In der Bierbrauereibranche haben sich Heineken, SABMiller und Anheuser-Inbev nach jahrelanger Akquisitionstour vom Rest der Welt abgesetzt. Auch die Chemie- und Saatgutbranche ordnet sich zurzeit an der Spitze neu: Chem China will Syngenta übernehmen, Bayer den US-Konkurrenten Monsanto.

Neuordnung im übersättigten Markt

Eine Neuordnung und eine Konsolidierung in Europas übersättigter Bankenbranche und die Schaffung eines paneuropäischen Bankenchampions wäre darum auch denkbar – doch findet sie nicht statt.

Die Gründe dafür sind genannt: Zu hohe Regulierungshürden und zu viel Komplexität. In Anbetracht des gegenwärtigen «Gesundheitszustandes» der CS und ihrer Leidensgenossin in Frankfurt macht ein Zusammenschluss entgegen der mathematischen Regel «Minus mal Minus gleich Plus» keinen Sinn.

Wenn der Turnaround kommt

Doch das kann sich ändern, sofern CS-CEO Tidjane Thiam und sein Kollege John Cryan bei der Deutschen Bank weiterhin hartnäckig am Turnaround der Geldhäuser arbeiten.

Es ist davon auszugehen, dass dieser gelingt und beide Banken in den kommenden 18 bis 24 Monaten die angestrebte Struktur, Ausrichtung und Kapitalstärke aufweisen.

Klassische Übernahmekandidaten?

Im Falle der CS wird die Struktur so aussehen: Ohne das Schweizer Geschäft wird sie eine im internationalen Vergleich mittelgrosse Privatbank mit einem mittelgrossen Investmentbanking sein – und nicht nur in den Augen des bekannten Finanzberaters Günter Käser von KK Research eine Übernahmekandidatin.

Bei der Deutschen Bank sind die Prognosen ähnlich: Sie wird ein Koloss im Heimmarkt Deutschland sein und ein international mittelgrosser Player im Investmentbanking und Wealth Management.

Das Szenario ist im Prinzip eine Einladung, die Idee einer Fusion CS-Deutsche weiterzuspinnen. Dass beide Häuser mit dem katarischen Staatsfonds und einem katarischen Scheich praktisch denselben Grossaktionär haben, verunmöglicht einen Megamerger keineswegs. Zurzeit ist er aber aufgeschoben.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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