Immobilien: Noch immer Boom statt Doom

Die Nachfrage nach teuren Wohnobjekte steigt weiter, meldet das Immobilien-Unternehmen Engel & Völkers. Was sind Hintergründe?

Während die Häuserpreise in vielen Ländern nach wie vor sinken, verzeichnet das Informations- und Ausbildungszentrum für Immobilien (IAZI) stabile Zahlen für die Schweiz. Im Vergleich zum Vorjahr hält sich das Preisniveau konstant

Bei den Einfamilienhäusern ist ein minimer Rückgang von 0,3 Prozent zu verzeichnen, bei den Wohnungen eine Erhöhung um 0,2 Prozent.

Selbst in den argwöhnisch beobachteten Boomregionen wie Zürich samt Goldküste und der Genfer Riviera in den Erstwohnmärkten sowie Engadin als klassischem Zweitwohnsitz-Markt ist keine Blase geplatzt. Davon profitiert das Immobilienunternehmen Engel & Völkers Residential Schweiz in vollem Umfang.

Tendenz zur Landflucht

Im Vergleich zum letzten Jahr ist das auf die Vermittlung hochwertiger Objekte spezialisierte Unternehmen nochmals um 25 Prozent gewachsen: Heute ist Engel & Völkers in der Schweiz an 31 Standorten mit 123 Mitarbeitern vertreten; der Markenumsatz betrug per Ende Juli 2009 8 Millionen Franken, was einem Wert der verkauften Objekte von 240 Millionen Franken entspricht.

Regelmässig führt Engel & Völkers Residential Schweiz bei seinen Lizenzpartnern Umfragen zur Marktsituation durch. Gemäss diesen Angaben ist generell die Tendenz einer Landflucht zu verzeichnen – nicht nur ältere Paare, sondern auch Familien zieht es offenbar vermehrt in die Stadt zurück. Dies wird auf den Wunsch hin zur Verdichtung von Wohnen, Freizeit und Arbeit und einen steigenden Mobilitätsüberdruss zurückgeführt.

Stabile Preise wegen Zins-Eldorado

Der anhaltende Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, namentlich der Autobahnen in den Ballungszentren, vermag diesen Trend im Moment nicht umzukehren. Zweitens ist das seit Anfang Jahr eher abwartende Verhalten der Marktteilnehmer wieder einem schnelleren Agieren gewichen.

Die Immobilienkäufer haben realisiert, dass die Preise nicht ins Rutschen kommen und profitieren vom Zins-Eldorado; Verkäufer rechnen eher wieder mit steigenden Börsenkursen, welche den Immobilienmarkt und die Immobilien als Anlage aus dem Zentrum des Interesses rücken dürften.

Nachfrageüberhang am Zürichsee

In der Region Zürich ist nach wie vor ein grosser Nachfrageüberhang zu verzeichnen, wie beispielsweise Wohnungsbesichtigungen auch an exklusiver Lage aufzeigen. Noch immer kann das Verhältnis 100 zu 1 betragen, was 100 Interessenten für eine Wohnung entspricht. In der Stadt Zürich sind Quadratmeterpreise von 10’000 Franken an der Tagesordnung.

Attikawohnungen am Zürichberg mit Sicht auf See und Berge kosten oft mehr als 4 Millionen Franken, Stockwerkeigentum ist vor allem gefragt von älteren Leuten, die ihr Einfamilienhaus verkaufen und dabei den gewohnten Standard beibehalten möchten. An der Goldküste gibt es zudem noch immer genügend Villen im Bereich von 10 Millionen Franken, welche den Besitzer wechseln.

Zürcher Pauschalbesteuerte zügeln nach Zug und Ausserschwyz

Die Region Zug profitiert zusammen mit der Region Ausserschwyz am Zürichsee davon, dass in Zürich die Pauschalbesteuerung abgeschafft wurde. Doch für so manche ausländische Käufer stellt sich ein ganz anderes Problem – die Auswahl an verfügbaren Luxusobjekten im obersten Preissegment ist im kleinen Zug zahlenmässig begrenzt.

Ab 5 Millionen Franken aufwärts sind die Angebote für Villen und andere repräsentative Residenzen rar. Im Bereich von 2-3 Millionen Franken gibt es aber noch verfügbare Objekte.

Genf - so teuer wie noch nie

Genf hat in der Ende Juni vorgestellten Studie des britischen Consulting-Unternehmens Mercer den 4. Rang erzielt: Die Stadt zählt hinter Tokio, Osaka, und Moskau zur viertteuersten Stadt der Welt. Zudem weist der Kanton zusammen mit dem Waadt und dem Wallis die höchste Zahl an pauschal besteuerten Einwohnern auf.

Die Anziehungskraft für Unternehmen ist jedoch ungebrochen, wie die Verlegung des europäischen Hauptsitzes von Mc Donalds und des Mediums «Econcomist» in die Calvinstadt beweist. Dieser Umstand, verbunden mit der Tatsache, dass Genf nach wie vor im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses (CERN) und des humanitären Fokus (UN-Organisationen) steht, sorgen für einen ungebrochenen Zustrom an Personen, welcher sich auch positiv auf den Immobilienmarkt niederschlägt.

Das mediterrane Klima und die Nähe von See und Bergen tragen weiterzu dieser Situation bei. Gut gelegene Appartements sind sehr gefragt. Dank dem wachsenden Interesse an schönen Objekten und dem limitierten Angebot ist die Vermarktungszeit sehr kurz.

Suvretta-Hang dreimal teuerer als Zürichs Pflaster

30’000 Franken pro Quadratmeter Wohnfläche: Soviel kostet ein Einfamilienhaus am Suvrettahang in St. Moritz, 40’000 Franken für einen Quadratmeter Wohnfläche eine Eigentumswohnung an bester Lage: Dies ergibt das Studium des neusten Marktberichts 2009 von Engel & Völkers, welcher in den einzelnen Regionen Einfamilienhäuser, Eigentumswohnungen und Grundstücke an mittlerer bis sehr guter Lage unter die Lupe nimmt.

Vergleicht man diese Preise mit denen vom letzten Jahr, so ist noch immer ein moderater Preisanstieg respektive eine preisliche Seitwärtsbewegung zu verzeichnen. Nachdem im vergangenen Winter infolge der sich rasant sowohl ausbreitenden als auch auswirkenden Wirtschaftskrise das Transaktionsvolumen etwas zurückging, ist nun für den Sommer 2009 wieder ein gegenteiliger Trend auszumachen. Es wird von einem veritablen Transaktionsstau gesprochen, der sich im 3. Quartal 2009 auflösen soll.

 

 

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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