«Der Finanzsektor ist im Abwärtstrend»

Der Fonds-Chef von JO Hambro, Chris Lees, setzt auf die «Apple-Nahrungskette». Er sagt auch, wieso er ein Fan von Tech-Firmen ist, nicht aber von Facebook.

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Herr Lees, wo sehen Sie heute die grössten globalen Trends?

Der Technologiesektor ist unsere ganz klare Nummer 1. Dass wir dabei nicht ganz falsch liegen, zeigt auch die Tatsache, dass nun sogar Warren Buffett erstmals mit seiner Beteiligung an IBM in ein Tech-Unternehmen investiert. Wir konzentrieren uns auf die so genannte «Apple-Food-Chain».

Das müssen Sie genauer erklären.

Wir besitzen Apple-Aktien zwar schon seit mehreren Jahren und haben damit auch schon eine Menge Geld verdient. Doch wir fragen uns zunehmend, wie lange der Titel noch zulegen kann. Daher fokussieren wir uns vermehrt auf Unternehmen, welche die Bauteile für die Apple-Produkte herstellen oder Firmen, die sich mit der Lösung aktueller Probleme befassen – etwa Batterielaufzeit oder Hitzeentwicklung der Prozessoren.

Mit Ihrem «Global Select Fund» investieren Sie aber nicht nur in Tech-Firmen. Welche Trends erwarten uns sonst?

Einerseits verfolgen wir den Konsumgüterbereich in den Schwellenländern, andererseits US-Schiefergas. Dabei suchen wir Unternehmen mit guten Wachstumsraten, einer guten Bewertung und einer nachhaltig positiven Kursentwicklung. Im Bereich des US-Schiefergas sind dies Unternehmen, welche sich am Ausbau der noch jungen Gas-Infrastruktur in den USA beschäftigen.


«Die Wachstumsraten und Erträge der Grossbanken stimmen für uns nicht»


Was ist mit dem Finanzsektor?

Der Finanzsektor ist in einem Abwärtstrend und passt daher nicht in unser Anlageschema. Die Banken müssen ihre Bilanzen noch stark reduzieren. Auch stimmen die Erträge und Wachstumsraten für uns nicht.

Sie investieren allerdings in kleinere Finanzhäuser in Asien. Was ist an diesen Instituten anders?

Dabei handelt es sich um Banken, die lokal oder regional tätig sind. Sie haben daher kaum mit den Problemen der Globalbanken – wie überladene Bilanzen und geringes Wachstum im Heimmarkt – zu kämpfen. Im Gegenteil, sie profitieren von den neuen Bedürfnissen in den aufstrebenden Märkten.

Zahlreiche Schweizer Banken expandieren im asiatischen Raum. Wieso sind diese Häuser für Sie nicht attraktiv?

Deren Asien-Geschäft ist verglichen mit dem restlichen Geschäft der Banken marginal. Zwar können diese Institute in Asien wachsen, doch dieses Wachstum spiegelt sich in der Gesamtbank zu wenig. Hinzu kommen die Probleme, die ich zuvor angesprochen habe. Daher sind asiatische Regionalbanken viel interessanter. In diesem Bereich besitzen wir beispielsweise Anteile an der Bank Rakyat oder an BR Malls.


«Gold war attraktiv, befindet sich aber momentan in einer schwierigen Phase»


Und was ist mit Gold?

Da stimmt der Preis-Trend derzeit nicht. Gold war attraktiv, befindet sich aber momentan in einer schwierigen Phase. Wir setzen eher auf Gold-Förderunternehmen. Diese sind stark unterbewertet, haben aber das Problem, dass sich ihr Preis mit jenem des Goldpreises bewegt. In diesem Bereich haben wir in jüngster Vergangenheit aber eher etwas abgebaut. Technologie-Unternehmen und US-Schiefergas scheinen uns interessanter.

Gehört da Facebook mit dazu?

Nein, Facebook ist zu teuer. Hierbei stimmt weder der Preis-Trend noch die Bewertung.

Wie würden Sie ihren Anlagestil beschreiben?

Unsere Kunden wollen nicht bloss einem Index folgen, sondern eher einem aktiven Fondsmanager. Daher vertrauen sie uns ihr Vermögen an. Was wir bieten? Keinen Mainstream, sondern ausgesuchte Investments in die Firmen, die den erwähnten Kriterien entsprechen.


«Wir rechnen mit einem Staatsbankrott in Europa»


Wie lauten ihre Zukunftsprognosen?

Wir rechnen mit einem Staatsbankrott in Europa. Darauf sind wir eingestellt. Klar wird dies auch Auswirkungen auf jene Titel haben, in die wir investiert sind, doch nur begrenzt. Ausserdem haben wir mit unseren US-Schiefergas-Titeln im Energie-Sektor eine gute Stütze.

Kritiker behaupten, US-Schiefergas sei kein Thema, da es in den USA noch nicht genug ausgebaut sei.

Aus diesem Grund wird es doch gerade zum Boom-Thema! Investitionen in Infrastruktur wurden bereits getätigt und werden gefördert. Hinzu kommt, dass das Öl knapp wird und sich die USA auf eine andere Energiequelle abstützen müssen. Wieso denken Sie, dass die USA sich aus dem Irak zurückgezogen haben? Weil sie kein Interesse mehr am Öl haben. Gas ist die Alternative.

Europa hinkt wie so oft auch hier hinterher. Die USA werden Europa mit Gas versorgen. Und sie werden damit Erfolg haben. Denn schliesslich werden viele die Entscheidung, Gas entweder von Russland oder von den USA zu kaufen, zugunsten der USA fällen.


Christopher Lees ist seit September 2008 bei JO Hambro Capital Management und dort leitender Fondsmanager im globalen Aktienteam. Zuvor arbeitete er mehr als 19 Jahre für Baring Asset Management.

Lees ist CFA und verfügt zudem über einen Bachelor-Abschluss mit Auszeichnung in Geografie der London University. Nach verschiedenen Stationen in den USA, Asien und Europa lebt er zurzeit mit seiner Familie in Singapur.


JO Hambro Capital Management wurde 1993 gegründet. Die unabhängige Fondsboutique startete ihr Aktiengeschäft in 2001. Sie beschäftigt 91 Mitarbeiter und verwaltet weltweit Vermögen in Höhe von 7,2 Milliarden Pfund. Von ihrem Hauptsitz in London sowie von Niederlassungen in Singapur und Prag aus verwaltet J O Hambro diverse regionale Anlagefonds (UK, Kontinentaleuropa, Asien, Japan, Schwellenländer sowie Global). Dabei wird das Volumen der Fonds von Anfang an begrenzt, um eine überdurchschnittliche Wertentwicklung generieren zu können.




 

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Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

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