EZB-Umfrage: Nachfrage nach Hypotheken bricht ein
Die Kreditvergabe im Euroraum gerät zunehmend unter Druck. Laut der am Dienstag veröffentlichten Bank Lending Survey der Europäischen Zentralbank haben die Banken ihre Kreditstandards für Unternehmen im dritten Quartal 2026 weiter verschärft.
Netto neun Prozent der befragten Banken meldeten strengere Vergabestandards für Unternehmenskredite, nach sieben Prozent im Vorquartal. Die Verschärfung fiel damit stärker aus als von den Instituten erwartet.
Ausschlaggebend waren vor allem höhere Kreditrisiken, eine geringere Risikobereitschaft und geopolitische Unsicherheiten. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen waren betroffen.
Kreditnachfrage dreht ins Minus
Auf der Nachfrageseite zeigt sich eine deutliche Trendwende. Der Saldo der Banken, die eine steigende beziehungsweise sinkende Nachfrage nach Unternehmenskrediten meldeten, fiel von plus drei Prozent im zweiten Quartal auf minus sechs Prozent.
Die Banken hatten zuvor noch mit einer steigenden Nachfrage gerechnet. Tatsächlich belasteten vor allem höhere Zinsen und eine geringere Investitionsbereitschaft die Kreditaufnahme.
Aber es gibt auch länderspezifische Unterschiede. Besonders deutlich fiel die Verschärfung der Kreditstandards in Frankreich aus. Dort meldeten netto 27 Prozent der Institute strengere Anforderungen, gegenüber sechs Prozent in Deutschland. In Italien wurden die Standards dagegen gelockert, in Spanien blieben sie unverändert.
Hypothekennachfrage auf Dreijahrestief
Noch stärker als bei Unternehmen zeigt sich die Abschwächung bei Immobilienfinanzierungen. Die Nachfrage nach Hypotheken ging im dritten Quartal so deutlich zurück wie seit 2023 nicht mehr. Der entsprechende Nachfragesaldo verschlechterte sich von minus 15 auf minus 27 Prozent. Die Banken hatten lediglich mit minus zwölf Prozent gerechnet.
In Deutschland fiel der Saldo sogar auf minus 37 Prozent, in Spanien auf minus 40 Prozent. Frankreich meldete minus 25 Prozent, während die Nachfrage in Italien stabil blieb.
Obwohl die eigentlichen Vergabestandards für Hypotheken im Euroraum insgesamt unverändert blieben, verschlechterten sich die vertraglichen Kreditkonditionen. Netto 16 Prozent der Banken berichteten von einer Verschärfung, dem höchsten Wert seit dem dritten Quartal 2023. Für das Schlussquartal erwarten die Institute eine weitere Abnahme der Hypothekennachfrage. Der prognostizierte Saldo liegt bei minus 36 Prozent.
Auch Konsumkredite werden restriktiver vergeben
Bei Konsumkrediten setzt sich die Verschärfung bereits seit dem zweiten Quartal 2022 ohne Unterbruch fort. Im dritten Quartal meldeten netto 14 Prozent der Banken strengere Kreditstandards, nach zwölf Prozent im Vorquartal. Die Ablehnungsquoten stiegen sowohl bei Unternehmen als auch bei privaten Haushalten. Besonders deutlich war dies bei Konsumkrediten der Fall.
Gleichzeitig verschlechterte sich die Refinanzierung der Banken. Der Zugang zu Kundeneinlagen wurde laut EZB so schwierig beurteilt wie noch nie seit Beginn dieser Erhebung im Jahr 2011.
KI schafft neue Kreditnachfrage
Neben den rückläufigen traditionellen Kreditgeschäften zeigt die Umfrage aber auch ein neues Wachstumsfeld: die Finanzierung von Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Mehrere Banken rechnen mit einer schrittweise steigenden Nachfrage nach Krediten für Rechenzentren und andere digitale Infrastruktur. Die Finanzierung konzentriere sich dabei stärker auf Infrastrukturbetreiber als auf Softwareentwickler oder Unternehmen, die KI lediglich einsetzen.
Die meisten Banken verfügen allerdings noch nicht über besondere Kreditvergabekriterien für KI-bezogene Investitionen.
Digitale Vermögenswerte gewinnen an Bedeutung
Erstmals fragte die EZB zudem nach den Auswirkungen digitaler Vermögenswerte auf das Bankgeschäft. Dazu gehören Kryptowährungen, Stablecoins und tokenisierte Finanzinstrumente.
Für die vergangenen zwölf Monate meldeten die Banken nur geringe Auswirkungen. Mit Blick auf das kommende Jahr erwarten jedoch netto zwölf Prozent der Institute einen positiven Einfluss digitaler Vermögenswerte auf ihre Geschäftsstrategie, gegenüber lediglich zwei Prozent in der rückblickenden Betrachtung. Gleichzeitig rechnen sie mit einem leicht negativen Einfluss auf das traditionelle Einlagengeschäft.
Die Ergebnisse basieren auf Antworten von 159 Banken aus dem Euroraum. Die Erhebung wurde zwischen dem 21. September und dem 6. Oktober 2026 durchgeführt.
Die Zahlen beziehen sich ausschliesslich auf den Euroraum und lassen sich nicht auf den Schweizer Kreditmarkt übertragen.















