Auch nach 50 Jahren: Hayeks Werk inspiriert die Geld-Praktiker

Der Rahmen und der Anlass waren für die Ankündigung durchaus passend. Auf Donnerstagmorgen eingeladen hatten zum einen Jürg Conzett, Gründer und Präsident des Money Museums in Zürich, das auch als Veranstaltungsort diente. Der zweite Gastgeber war Karl Reichmuth, Gründer und Ehrenpräsident der Luzerner Privatbank Reichmuth & Co.

Den Anlass bildete das 50-Jahr-Jubiläum des Erscheinens von Friedrich August v. Hayeks Werk «Entnationalisierung des Geldes». Wenige Jahre vor der Publikation, 1971, war das Bretton-Woods-System der festen Wechselkurse kollabiert, was eine Inflationswelle zur Folge hatte.

Der Schwerpunkt des Programms war allerdings mehr auf die Praxis und weniger auf die Theorie gelegt. Es wurde vom Publizisten und Ökonomen (und früheren Sekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds) Beat Kappeler,  Johannes Kern (Managing Director der Frankencoin Association), Stephan Rind (Gründer und Chairman von Brickmark), Vahan Roth (Gründer und CEO von Swissgrams) und Daniel Stüssi, CEO der Realunit Schweiz, bestritten.

Stablecoin, Immobilien, Gold und Realwerte

Kappeler gab einen Überblick über die wechselvolle Währungsgeschichte, in der die latente Versuchung der Politik, Versprechen über das Drucken von staatlichem Geld quasi «schmerzfrei» zu erfüllen, eine Konstante bildet. Kern stellte den Frankencoin vor, einen dezentralen Stablecoin auf die Schweizer Währung, Rind warb für tokenisierte Anlagen in Schweizer Immobilien, Roth für Blockchain-basierte Token auf Goldmünzen, mit voller physischer Hinterlegung.

Das Konzept des mit Realwerten gedeckten Realunits, als dessen Vater Karl Reichmuth gelten darf, ist schon deutlich älteren Datums als die anderen Ansätze. Es hat seine Anfänge in einer Zeit, in der noch niemand von Blockchain, Stablecoin, Tokenisierung und Decentralised Finance sprach. Stüssi kündigte nun an, dass Inhaber von Realunit Aktientoken neu mit ihrer App direkt in über 100 Spar-Läden bezahlen können.

Weltpremiere

Dass mit einer börsenkotierten Aktie direkt aus der Selbstverwahrung die Rechnung an der Ladenkasse beglichen werden kann, dürfte eine Weltpremiere sein. Abgewickelt wird die Zahlung allerdings über den Frankencoin. Damit erhält der Händler den Betrag automatisch in Franken auf seinem Bankkonto. Der Frankencoin wird bereits seit einiger Zeit von den Spar-Läden als Zahlungsmittel akzeptiert.

Die Verwendung für den Kauf von Gütern stehe nicht im Vordergrund, heisst es in der Mitteilung von Realunit. «Mit der Zahlungsfunktion erhalten die Tokeninhaber eine weitere Option, ihr Vermögen bei Bedarf direkt im Alltag einzusetzen.»

Zahlungsmittelfunktion mit hohem Symbolwert

Die Prognose sei gewagt: Weder Frankencoin noch Realunit Token werden in den nächsten Jahren massenhaft für die alltäglichen Einkäufe im Detailhandel eingesetzt. Das ist, entgegen der erklärten Absicht der Erfinder, nicht einmal dem Bitcoin gelungen.

Aber die symbolische Aussage ist auch wichtig: Nichtstaatliches und damit privates Geld gewinnt an Bedeutung, und nichts illustriert das mehr, als wenn es nicht nur als Wertspeicher dient, sondern allmählich auch für Zahlungen akzeptiert wird.