Gary Greenberg: «Glänzende Aussichten für Brasilien»
Brasilien blickt in eine herausfordernde Zukunft. «Die gute Nachricht besteht darin, dass die schlechten Nachrichten alle bekannt sind», sagt Gary Greenberg von Hermes Investment Management.
Von Gary Greenberg, Head of Emerging Markets bei Hermes Investment Management
Die geschundene Wirtschaft erholt sich gerade von der schlimmsten Rezession in ihrer Geschichte und so fragten wir uns vor Ort, wie die Zukunft für Brasilien ausschaut. «Es ist Zeit, in unser Land zu investieren. Brasilien ist bereit, wieder zu wachsen». So äusserte sich Präsident Michel Temer, nachdem er genug Unterstützung erhalten hatte, um unlängst eine Korruptionsklage an einer Kongresssitzung abzuweisen.
Der Präsident gewann die Abstimmung mit einer komfortablen Mehrheit von 263 zu 227 Stimmen. Aber seine Schwierigkeiten sind nicht vorbei; weitere Anklagen gegen ihn können noch immer vorgetragen werden. Trotzdem versprach Temer mit der Unterstützung des Unterhauses «alle Reformen zu unterstützen, die das Land braucht».
Grosses Hindernis beseitigt
Temers Sieg kam drei Wochen nachdem der Senat ein wichtiges Gesetz über die Arbeitsreform verabschiedet und den ehemaligen Präsidenten Lula da Silva wegen Korruption zu fast zehn Jahren Gefängnis verurteilt hatte. Wenn der Schuldspruch bleibt, wird Lula da Silva für die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr gesperrt sein, womit ein grosses Hindernis für die Reformagenda beseitigt wäre.
Mit der Arbeitslosigkeit auf Höchststand und einem anziehenden Konsum hat sich die Stimmung im Land verändert. Während unserer Besuchstour im vergangenen Juli besuchten wir etablierte Unternehmen im Kernland der brasilianischen Fertigungsindustrie. Das politische Klima und die Volkswirtschaft zeigten sowohl Sturmschäden als auch Aufhellungen; die Befunde waren folglich gemischt.
Elektromotor-Industrie ohne Macht
Unsere erste Station war eine Produktionsstätte für Elektromotoren im südlichen Bundesstaat Santa Caterina, welche die Produkte sowohl im Inland als auch im Ausland vertreibt. In der Fabrik war trotz Automatisierung wenig los. Das Geschäft windet sich langsam aus der Rezession, doch die Nachfrage besteht weitgehend aus Wartungsaufträgen und gelegentlichen Expansionsprojekten.
Die Kunden des Unternehmens operieren derzeit mit sehr niedrigen Kapazitäten, was nicht erstaunt mit Blick auf die noch junge Erholung des Landes von seiner schlimmsten Rezession. Die Elektromotor-Industrie braucht quasi eine Energie-Ladung.
Holz der Bäume nutzen
Wir gingen danach in die Region Parana, wo wir eine topmoderne Zellstoff-Mühle vorfanden. Mit einem Alter von weniger als zwei Jahren profitiert das Unternehmen von fortschrittlichen Technologien und auch sein Standort ist vorteilhaft, denn die Firma liegt in einem Gebiet mit regelmässigen Niederschlägen, was Eukalyptus und Kiefern bestens gedeihen lässt. Die Aussichten auf dem Heimmarkt zeigen zaghafte Anzeichen einer Erholung, aber vieles ist noch ungefestigt.
Die internationale Perspektive verbessert sich allerdings. Dies war wichtig bei der Diskussion über den Zukauf einer neuen Maschine, welche überschüssigen Zellstoff in Papier umwandeln kann. Zuvor war die Firma zögerlich bezüglich einer solchen Investition.
Aber das Umfeld hat sich geändert und im Juli gaben globale Kunden positive Nachrichten, sodass eine Realisierung möglich werden dürfte, was zugleich die Abhängigkeit von Zellstoff reduzieren wird. Während unseres Besuches waren zwar noch keine Entscheidungen getroffen worden, aber die Stimmung war zuversichtlich.
Noch ganz offen
Wir besuchten auch einen Mietwagen-Verleih und einen Bekleidungshändler für das mittlere und gehobene Kundensegment. Beide Sektoren scheinen Boden gefunden zu haben, wobei der Aufschwung noch nicht solide ist.
Brasilien blickt in eine herausforderungsreiche Zukunft. Zum einen dürfte sich Chinas Nachfrage nach Rohstoffen verlangsamen, zum anderen verlor die Wirtschaft nach einem Jahrzehnt zu geringer Investitionen an Konkurrenzfähigkeit gegenüber Asien. Der Bildungssektor liegt am Boden und die Sparquote ist niedrig. Reformen sind entscheidend für den Abbau der hohen Schulden, die auf dem Land lasten. Die gute Nachricht besteht darin, dass die schlechten Nachrichten bekannt sind und der Handlungsbedarf in der Regierung breit anerkannt ist.
Eine eigene Version von «House of Cards»
Für Anleger stellt sich die Frage, mit welchem Satz die künftigen Erträge abdiskontiert werden sollen. Dies hängt von den langfristigen Zinssätzen ab, die wiederum von der langfristigen Regierungspolitik abhängig sind und damit von der Wirksamkeit der versprochenen Reformen.
Wir glauben, dass der Kongress seine eigene Version der TV-Serie «House of Cards» aufführt. Wenn wir richtig liegen besteht Annahme zur Hoffnung, dass die Regulierung verbessert wird, die langfristigen Zinsen sowie die Inflation weiter sinken und die Zentralbank Brasiliens die Zinssätze weiter reduziert.
Ähnliche Transformation?
Wir kennen die Auswirkungen der «Great Moderation» auf die Aktienmärkte der entwickelten Nationen ab Anfang der 1980er-Jahre. Wenn das globale Wirtschaftsumfeld positiv bleibt, ist es denkbar, dass Brasilien eine ähnliche Transformation erlebt.
Mehr Informationen zum Bereich Hermes Global Emerging Markets sind erhältlich via
Nur für professionelle Anleger. Dieses Dokument stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der entsprechenden Wertpapiere oder Finanzinstrumente dar. Es berücksichtigt weder die Anlageziele noch die finanziellen Bedürfnisse der einzelnen Adressaten. Auf der Grundlage dieses Dokuments sollten keine Handlungen vollzogen oder unterlassen werden. Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Umständen ab und kann sich künftig ändern. Dieses Dokument stellt keine Beratung in Rechts-, Steuer- oder Anlagefragen dar. Anleger müssen sich daher auf ihre eigene Analyse dieser Aspekte stützen oder sich beraten lassen. Bevor Sie eine Erst- oder Folgeinvestitionen tätigen, sollten Sie sich ihre Eignung von einem Experten und/oder Anlageberater bestätigen lassen. Alle in diesem Dokument vertretenen Meinungen können sich ändern. Anlagen im Ausland können durch Devisenkurse beeinflusst werden. Sofern nicht anders angegeben, stammen alle in diesem Dokument enthaltenen Zahlen von Hermes. Herausgegeben und genehmigt von Hermes Investment Management Limited („HIML“), einem von der britischen Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleistungen (Financial Conduct Authority) zugelassenen und beaufsichtigten Unternehmen. Eingetragener Geschäftssitz: Lloyds Chambers, 1 Portsoken Street, London E1 8HZ. Telefongespräche können zu Schulungs- und Kontrollzwecken aufgezeichnet werden.













