Solvency II öffnet Europas Versicherern neue Türen
Ab 2027 sollen im Rahmen der überarbeiteten Solvency-II-Regulierung die Eigenkapitalanforderungen für qualitativ hochwertige Collateralized Loan Obligations (CLOs) sinken.
CLOs sind strukturierte Wertpapiere, die ein breit diversifiziertes Portfolio von Unternehmenskrediten bündeln und dieses in unterschiedlich riskante Tranchen – von AAA bis Equity – aufteilen.
Weitreichende Auswirkungen
Ziel der Reform ist es, die regulatorischen Kapitalanforderungen stärker am tatsächlichen Kreditrisiko auszurichten und damit langfristige Investitionen institutioneller Anleger zu fördern.
Für europäische Versicherer könnte dies weitreichende Folgen haben.
«Die Anpassung der Kapitalanforderungen dürfte die Nachfrage nach CLOs bei Solvency-II-regulierten Versicherern erhöhen», sagt Raman Rajagopal, Senior Client Portfolio Manager bei Invesco, im Gespräch mit finews.
Regulierung ist nur ein Teil der Geschichte
Nach Ansicht des Invesco-Experten greift es jedoch zu kurz, den erwarteten Nachfrageanstieg ausschliesslich mit der neuen Regulierung zu erklären. Entscheidend seien vielmehr die Eigenschaften der Anlageklasse selbst.
CLOs investieren überwiegend in breit diversifizierte Unternehmenskredite und unterscheiden sich von klassischen Unternehmensanleihen vor allem dadurch, dass sie variabel verzinst sind. Dadurch weisen sie kaum Zinsänderungsrisiken beziehungsweise eine sehr kurze Duration auf.
Gerade in einem Umfeld unsicherer Zinspolitik werde diese Kombination für Versicherer zunehmend attraktiv. Rajagopal: «Sie erhalten hohe laufende Erträge bei gleichzeitig sehr geringer Duration – eine Kombination, die man in traditionellen Fixed-Income-Anlagen kaum findet.»
Attraktive Renditen trotz hoher Bonität
Besonders gefragt dürften laut Rajagopal die höchstrangigen AAA-Tranchen bleiben. Sie bieten variable Coupons und verfügen gleichzeitig historisch über eine aussergewöhnlich stabile Kreditqualität.
Nach Angaben von Invesco hat es seit Entstehung des europäischen und amerikanischen CLO-Marktes vor mehr als 30 Jahren keinen einzigen Zahlungsausfall bei AAA- oder AA-gerateten CLO-Tranchen gegeben. Gerade für Versicherungen, die regulatorisch hohe Anforderungen an die Bonität ihrer Kapitalanlagen erfüllen müssen, sei dies ein wichtiger Faktor.
Kein Boom über Nacht
Trotz der regulatorischen Erleichterungen rechnet Rajagopal nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Investitionen.
Versicherer verfügten über langfristige strategische Asset-Allokationen sowie eigene interne Risikomodelle, die über die regulatorischen Mindestanforderungen hinausgingen. «Die Anpassung von Solvency II wird den Trend beschleunigen, aber sie wird die Portfolios nicht von heute auf morgen verändern», sagt er.
Stattdessen erwartet er einen kontinuierlichen Ausbau der CLO-Quoten über mehrere Jahre. Dabei könnten sich die Investitionen zunächst auf AAA-Tranchen konzentrieren, ehe später dürften auch höher rentierende Mezzanine-Tranchen stärker in den Fokus rücken.
Wachsende Bedeutung für das Portfolio-Management
Für viele institutionelle Investoren erfüllen CLOs heute eine Funktion, die klassische Anleihen zunehmend verlieren.
Anstatt ausschliesslich auf festverzinsliche Staats- oder Unternehmensanleihen zu setzen, ersetzen Investoren einen Teil ihrer zinssensitiven Portfolios durch variabel verzinste Kreditanlagen.
Aus Sicht der modernen Portfoliotheorie verbessere dies vielfach das Rendite-Risiko-Profil. Rajagopal beobachtet deshalb ein wachsendes Interesse über nahezu sämtliche Investorengruppen hinweg – von kleineren Versicherern bis hin zu den weltweit grössten Pensionskassen, Banken und Staatsfonds.
Der Markt wird zugänglicher
Parallel zur regulatorischen Öffnung verbessert sich auch der Zugang zur Anlageklasse. Während CLO-Investments früher fast ausschliesslich institutionellen Spezialinvestoren vorbehalten waren, entstehen zunehmend standardisierte Anlagevehikel.
So stehen inzwischen auch ETFs auf AAA-geratete CLO-Portfolios zur Verfügung, was die Umsetzung entsprechender Strategien deutlich vereinfacht. Diese Entwicklung dürfte die Verbreitung zusätzlich beschleunigen.
Schweiz folgt dem internationalen Trend
Für den Schweizer Versicherungsmarkt erwartet Rajagopal keine grundsätzlich andere Entwicklung als im übrigen Europa. Die Attraktivität von CLOs leite sich weniger aus nationalen Besonderheiten als vielmehr aus den strukturellen Eigenschaften der Anlageklasse ab.
Mit dem regulatorischen Rückenwind durch Solvency II und dem anhaltenden Bedarf nach ertragsstarken Anlagen mit begrenztem Zinsrisiko dürfte deshalb auch in der Schweiz das Interesse an CLOs weiter zunehmen.














