Quantencomputing: Anzeichen für eine reifere Phase

Nicht alle in diesem Artikel genannten Unternehmen sind auch im VanEck Quantum Computing UCITS ETF enthalten.

Von Philipp Schlegel, VanEck


Das Quantencomputing hat in den letzten Monaten eine Reihe von Entwicklungen durchlaufen, die zusammengenommen eine klare Geschichte erzählen: Die Technologie nähert sich möglicherweise einer reiferen Phase. Für Anleger lautet die entscheidende Frage daher, wie und in welchem Tempo diese Technologie vom Labor zu kommerziellen Anwendungen gelangen könnte. Insbesondere drei aktuelle Entwicklungen markieren einen Wandel.

  • Die erste stammt von Nvidia, dem Chip-Giganten, der die Revolution der künstlichen Intelligenz antreibt, und betrifft die Art und Weise, wie die beiden Technologien zu kooperieren beginnen. Quantencomputer sind theoretisch enorm viel leistungsfähiger als herkömmliche, haben jedoch eine praktische Einschränkung: Sie sind fragil und anfällig für zahlreiche Rechenfehler.
    Nvidia hat Ising vorgestellt, eine Familie quelloffener Modelle künstlicher Intelligenz, die speziell entwickelt wurden, um Herausforderungen bei der Kalibrierung und Fehlerkorrektur im Quantencomputing zu bewältigen; sie laufen auf Nvidia-GPUs und lassen sich in die hauseigene Software CUDA-Q integrieren (NVIDIA, 2026).
    Parallel dazu hat das Unternehmen mit einer Technologie namens NVQLink eine offene Systemarchitektur angekündigt, um Quantencomputer mit den eigenen Chips zu verbinden und so beide Technologien im Zusammenspiel arbeiten zu lassen (NVIDIA, 2026). Der entscheidende Punkt – und die Perspektive, aus der das gesamte Thema zu betrachten ist – lautet, dass Quantum die künstliche Intelligenz oder die heutigen Computer nicht ersetzt, sondern ergänzt: Es übernimmt Probleme, die für herkömmliche Maschinen zu komplex sind, etwa die Simulation des Verhaltens von Molekülen oder das Finden der optimalen Lösung über eine enorme Anzahl von Variablen hinweg.
    Die Reduzierung von Fehlern, heute mithilfe von KI, ist einer der vielen Schritte, die Quantum dem kommerziellen Einsatz im grossen Massstab näherbringen könnten. Anzumerken ist, dass der VanEck Quantum Computing UCITS ETF NVIDIA nicht enthält.
  • Die zweite Entwicklung ist die rasche Öffnung des Quantensektors gegenüber den Finanzmärkten. Nach den Börsengängen mehrerer Unternehmen über SPACs, darunter Infleqtion, Xanadu und Horizon Quantum, erlebte 2026 die bislang bedeutendste Transaktion der Branche: den ersten klassischen Börsengang (IPO) eines Unternehmens, das die gesamte Wertschöpfungskette des Quantencomputings abdeckt, von der Hardware bis zur Software.
    Es handelt sich um Quantinuum, das 2021 aus der Fusion von Honeywell Quantum Solutions und Cambridge Quantum hervorging. Die Bedeutung der Transaktion geht über das einzelne Unternehmen hinaus: Anders als SPAC-Notierungen erfordert ein klassischer Börsengang eine gründlichere Due Diligence und einen von der SEC geprüften Prospekt und ist der bevorzugte Weg für Long-only-Institutionelle. Quantinuum ist das erste Unternehmen der Branche, das diesen Weg beschreitet, und rückt damit die Finanzkennzahlen, das Auftragsbuch und die Risikofaktoren der gesamten Branche ins Rampenlicht, womit faktisch ein erster gemeinsamer Bewertungsmassstab geschaffen wird.
    Für den Markt sendet dies ein doppeltes Signal: einerseits den Einzug von geduldigem, reguliertem Kapital in ein Thema, das bis vor Kurzem nahezu ausschliesslich dem Venture Capital vorbehalten war; andererseits eine zunehmende Transparenz, die den Sektor für Anleger besser lesbar macht.
    Und die Reihe der Quantenunternehmen, die an die Börse streben, endet hier nicht: Das finnische IQM und das französische Pasqal haben bereits ihre Fusionen mit einer börsennotierten Mantelgesellschaft angekündigt, die einzig zu dem Zweck gegründet wurde, sich mit einem anderen Unternehmen zusammenzuschliessen oder es zu übernehmen und damit an die Börse zu bringen (SPAC), zu einer Unternehmensbewertung vor neuer Kapitalaufnahme (Pre-Money-Bewertung) von 1,8 bzw. 2 Milliarden Dollar (Quellen: Fusion von IQM mit Real Asset Acquisition Corp., angekündigt am 23. Februar 2026; Fusion von Pasqal mit Bleichroeder Acquisition Corp. II, angekündigt am 5. März 2026, wie von Sifted, Yahoo Finance und Data Center Dynamics berichtet).
  • Die dritte Entwicklung betrifft die Unterstützung durch den öffentlichen Sektor und die Branchendaten. Die US-Regierung hat Fördermittel in Höhe von 2 Milliarden Dollar für neun Quantencomputing-Unternehmen angekündigt, darunter 1 Milliarde für IBM und 375 Millionen für GlobalFoundries, und zugleich erklärt, direkte, nicht beherrschende Beteiligungen an Unternehmen wie D-Wave, Rigetti und Infleqtion zu übernehmen (CNBC, 2026).
    Es geht also nicht einfach um Subventionen, sondern um den Eintritt des Staates in das Aktionärsregister – ein Schritt, der frühere Beteiligungen an Intel und MP Materials widerspiegelt und öffentliche und private Interessen in Einklang bringt. Es ist eines der ersten Male, dass die Bundesregierung in diesem Umfang in eine Technologie eingreift, die sich noch in einer vorkommerziellen Phase befindet – ein Präzedenzfall, der das wahrgenommene Risiko senken könnte und tendenziell weiteres privates Kapital anzieht.
    Das Signal lautet, dass Washington Quantum nun als strategische Priorität der nationalen Sicherheit betrachtet, gleichrangig mit Halbleitern und Seltenen Erden.

infografik mckinsey 
Marktpotenzial des Quantencomputings. (Quelle: McKinsey, 2026, S. 48).
Die dargestellten Wachstumsschätzungen sind Prognosen, die auf Annahmen externer Analysten beruhen und möglicherweise nicht eintreten.

Die Investitionen in Quanten-Start-ups wuchsen 2025 im Jahresvergleich um das 6,3-Fache und erreichten 12,6 Milliarden Dollar nach 2,0 Milliarden im Jahr 2024, wobei über 90 Prozent des Kapitals gezielt in das Quantencomputing flossen: ein Zeichen für den Übergang von einer explorativen Phase hin zu gezielten Investitionen mit kommerziellem Horizont (McKinsey, 2026).

Die Branchenumsätze überstiegen 2025 erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar, bei einer geschätzten jährlichen Wachstumsrate von 47 Prozent zwischen 2024 und 2028 hin zu einer Spanne von 3,2 bis 4,4 Milliarden Dollar bis 2028; zugleich arbeiten weltweit über 300 Unternehmen aus Finanzdienstleistungen, Pharma und Industrie inzwischen aktiv mit führenden Akteuren zusammen und gehen von frühen Machbarkeitsstudien zu bezahlten gemeinsamen Entwicklungsprojekten über (McKinsey, 2026).

Ambitionierte Entwicklungsziele

Auf der technologischen Seite haben die wichtigsten Akteure eigene Entwicklungsziele formuliert: IBM strebt bis 2029 fehlertolerante Quantencomputer an (Maschinen, die auch dann korrekt weiterarbeiten, wenn einzelne Qubits ausfallen), während IonQ einen Weg zu weitaus leistungsfähigeren Maschinen bis 2030 skizziert hat (McKinsey, 2026). Dabei handelt es sich um erklärte Ziele und nicht um Erreichtes: Sie werden von den Unternehmen einseitig gesetzt, sind nicht unabhängig bestätigt und können sich verzögern, reduziert oder gänzlich verfehlt werden. Sollten sie erreicht werden, würden sie den Punkt markieren, an dem Quantensysteme beginnen könnten, Probleme zu bewältigen, die für heutige Computer unerreichbar sind.

Es ist kein Zufall, dass sich die Diskussion zunehmend auf die Schnittstelle von Quantencomputing und künstlicher Intelligenz verlagert, zwei Technologien, die sich gegenseitig verstärken könnten. Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu interpretieren.

Die oben genannten Angaben zu Investitionen, Umsätzen und Wachstum sind Schätzungen aus Studien Dritter und spiegeln eine noch junge Branche wider; die tatsächlichen Ergebnisse können erheblich abweichen. Der Sektor ist zudem mit erheblichen Umsetzungsrisiken konfrontiert, darunter ungelöste technische Herausforderungen bei der Fehlerkorrektur und Skalierung, intensiver Wettbewerb zwischen verschiedenen Hardware-Ansätzen, die Abhängigkeit von anhaltender öffentlicher und privater Finanzierung, die Möglichkeit einer langsamer als erwartet verlaufenden kommerziellen Verbreitung sowie das Risiko, dass angekündigte Roadmaps nicht in den angegebenen Zeiträumen umgesetzt werden.

Nur wenige kotierte Unternehmen

Eine grundlegende Tatsache bleibt für alle bestehen, die in das Thema investieren möchten: Die börsennotierten Unternehmen, die wirklich auf Quantencomputing spezialisiert sind, sind nach wie vor wenige und befinden sich oft in einem frühen Stadium.

Genau aus diesem Grund beschränkt sich der VanEck Quantum Computing UCITS ETF (QNTM), der vor Kurzem sein einjähriges Bestehen als erstes Produkt seiner Art in Europa feierte, nicht auf sogenannte Pure Player, also Unternehmen, die sich ausschliesslich auf diese Technologie konzentrieren, sondern kombiniert diese mit Patentführern, also Unternehmen mit den bedeutendsten Quanten-Patentportfolios, die die Entwicklung des Feldes vorantreiben.

Diese Unterscheidung hat echtes Gewicht: Pure Player bieten das grösste Engagement im Wachstumspotenzial des Themas, zugleich aber die höchste Volatilität und, da sie oft in einem frühen Stadium und noch nicht profitabel sind, ein erhöhtes Risiko eines teilweisen oder vollständigen Verlusts, sollten sich ihre kommerziellen Erwartungen nicht erfüllen, während Patentführer, bereits etabliert und profitabel, für Forschungskontinuität und potenziell grössere Stabilität sorgen.

Für keine der beiden Einordnungen ist garantiert, dass sie Bestand hat: Eine starke Patentposition oder die derzeitige Profitabilität ist keine Gewähr für künftige Erträge, etablierte Akteure können bei der Kommerzialisierung ihrer Quantenforschung scheitern oder überholt werden, und das relative Verhalten der beiden Gruppen kann sich umkehren, sodass als stabiler erwartete Bestandteile volatil sind und vermeintliche Führer schlechter abschneiden. Die Entwicklung dieser Unternehmen kann letztlich hinter den allgemeinen Erwartungen zurückbleiben.

Spezialisiertes Universum im Frühstadium

Die Kombination der beiden Komponenten ermöglicht es Anlegern, am Wachstum des Sektors teilzuhaben, ohne vom Schicksal eines einzelnen Unternehmens im Frühstadium abhängig zu sein, und steuert so das Risiko, das einem nach wie vor engen Anlageuniversum innewohnt, ohne es jedoch zu beseitigen. Der Fonds bleibt auf ein kleines, spezialisiertes und sich im Frühstadium befindendes Universum konzentriert und ist daher erhöhter Volatilität, begrenzter Liquidität, Sektor- und Einzelwertkonzentration sowie den umfassenderen Risiken einer aufstrebenden Technologie ausgesetzt; sein Wert kann sowohl fallen als auch steigen, und Anleger erhalten unter Umständen nicht den investierten Betrag zurück. Der Fonds bildet den MarketVector™ Global Quantum Leaders Index (MVQTMLTR) ab; die vollständige Indexmethodik und die Aufnahmekriterien finden sich in den Indexrichtlinien, verfügbar unter MVQTML Index Guide.

Zugleich sollten Anleger bedenken, dass das Quantencomputing weitgehend ein vorkommerzielles Thema bleibt: Viele der beteiligten Unternehmen sind noch nicht profitabel, die Branchenumsätze sind im Verhältnis zu den Bewertungen nach wie vor bescheiden, und der Zeitraum von technologischen Meilensteinen bis zu nachhaltigen kommerziellen Erträgen ist ungewiss und könnte länger sein, als die derzeitigen Erwartungen nahelegen.

Das Tempo der Verbreitung, die Umsetzung der angekündigten Roadmaps und die Entwicklung der Börsengang-Pipeline können allesamt erheblich von den aktuellen Prognosen abweichen. Ein Jahr nach der Auflegung bleibt das langfristige Investmentargument, das zu Beginn dargelegt wurde, aus unserer Sicht durch die jüngsten Entwicklungen gestützt, auch wenn es weiterhin die erhöhten Risiken trägt, die für eine aufstrebende Technologie charakteristisch sind. Zu den wesentlichen Risikofaktoren einer Anlage in den Fonds zählen: Aktienmarktrisiko, das Risiko einer Anlage in ein enges und konzentriertes thematisches Universum, Konzentrations- und Einzelemittentenrisiko, die höhere Volatilität und mögliche Illiquidität kleiner, im Frühstadium befindlicher und noch nicht profitabler Unternehmen, Technologie- und Innovationsrisiko (einschließlich der Möglichkeit, dass erwartete Entwicklungen im Quantencomputing nicht eintreten oder sich verzögern), Währungsrisiko, Risiko der Indexnachbildung und Replikation sowie das allgemeine Risiko eines Kapitalverlusts bis zur Höhe des gesamten investierten Betrags. Diese Aufzählung ist nicht abschliessend. Eine vollständige Beschreibung der Risiken enthalten das Basisinformationsblatt (KID/KIID) und der Prospekt, verfügbar unter www.vaneck.com, die vor einer Anlageentscheidung zu konsultieren sind.

Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen von Bloomberg und VanEck, Stand 16. Juni 2026.


Philipp Schlegel ist Managing Director und Co-Head of Sales EMEA bei VanEck. In dieser Funktion verantwortet er das Marktwachstum sowie die Geschäftsentwicklung in Europa, einschliesslich der Schweiz. Bei Fragen können Sie sein Team unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. kontaktieren.


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