UBS-Präsident Kelleher: «Wir können damit leben»
«Wir können damit leben, aber es wird uns mehr kosten», sagte Colm Kelleher am Donnerstag am Bankiertag der Schweizerischen Bankiervereinigung in der Tonhalle St. Gallen. Gemeint ist der Vorschlag der Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK-S), wonach die ausländischen Tochtergesellschaften der UBS künftig zu 50 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) und zu 50 Prozent mit AT1-Kapital unterlegt werden sollen. «Er sei nicht happy», sagte der Ire, aber man könne damit leben, erklärte er im Gespräch mit Moderator Reto Lipp.
(Bilder: SBVg)
Der Vorschlag ist eine Alternative zum deutlich strengeren Modell des Bundesrats. Dieser will die ausländischen Beteiligungen vollständig mit hartem Kernkapital unterlegen. Die UBS müsste nach eigenen Angaben dafür rund 22 Milliarden Dollar zusätzliches CET1-Kapital halten. Beim Modell der WAK-S wären dagegen rund 13 Milliarden Dollar zusätzliches AT1-Kapital erforderlich. Hinzu kommen rund 2 Milliarden Dollar CET1 aufgrund bereits angekündigter Änderungen auf Verordnungsstufe.
Kelleher machte allerdings klar, dass auch die abgeschwächte Variante für die UBS keineswegs kostenlos wäre. Die Bank sei bereit, zusätzliches Kapital aufzubauen, die Anforderungen müssten aber international abgestimmt bleiben. AT1 verteidigte der UBS-Präsident ausdrücklich als vollwertiges verlustabsorbierendes Kapital.
Der politische Ausgang bleibt offen. Neben dem 50:50-Modell steht im Ständerat auch eine Variante zur Diskussion, die eine Unterlegung der Auslandstöchter zu 90 Prozent mit CET1 vorsieht. Die Beratungen wurden am Donnerstag ohne Entscheid vertagt. Die WAK-S hatte ihren 50:50-Vorschlag zuvor mit sieben zu fünf Stimmen bei einer Enthaltung beschlossen.
Standortfrage bleibt im Raum
Kelleher verband die Kapitalfrage erneut mit dem Standort Schweiz. Ziel sei ein «Schweizer Kompromiss», der es der UBS erlaube, im Land zu bleiben und international konkurrenzfähig zu sein. Sollte die Bank jedoch in eine Situation geraten, in der sie nicht mehr wettbewerbsfähig sei, müsse sie ihre Position überdenken. Gleichzeitig betonte er die Vorteile des Standorts und die weiterhin starke Stellung der Schweiz in der internationalen Vermögensverwaltung.
Wettbewerbsfähigkeit als Leitmotiv
Die Wettbewerbsfähigkeit zog sich denn auch wie ein roter Faden durch den Bankiertag. Der scheidende Präsident der Bankiervereinigung, Marcel Rohner, forderte in seiner letzten Rede, sie als eigenständiges Ziel der Bankenregulierung zu verankern.
Als Negativbeispiele nannte er den Goldhandel, den Eurobondmarkt und das Fondsgeschäft, bei denen Geschäft und Knowhow aufgrund regulatorischer und steuerlicher Rahmenbedingungen ins Ausland abgewandert seien. Die Wettbewerbsfähigkeit gehöre auf dieselbe Stufe wie der Schutz der Einleger und Kunden sowie die Stabilität des Finanzsystems. Alles andere sei eine «problematische Unterlassung».
Rohner übergab nach fünf Jahren das Präsidium an EFG-Chef Giorgio Pradelli. Dieser kündigte Kontinuität an und will gemeinsam mit Politik, Behörden und Branche die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes stärken. Pradelli bleibt gleichzeitig CEO von EFG International und ist seit vergangener Woche ausserdem Vizepräsident von Economiesuisse.
Auftritt der Commerzbank-Chefin
Auch im Verwaltungsrat der Bankiervereinigung kommt es zu Veränderungen. Neu gewählt wurden UBS-Vizepräsident Markus Ronner, Julius-Bär-Chef Stefan Bollinger, Raiffeisen-Präsident Basil Heeb und Vontobel-Co-CEO Georg Schubiger. Heeb übernimmt zusätzlich das Vizepräsidium des Verbands.
Vor den rund 400 Mitgliedern und Gästen, darunter 60 eingeladenen Lernenden von diversen Banken, referierte unter anderem auch Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Sie sprach von einem sehr «erfolgreichen» Geschäft der Commerzbank in der Schweiz und sieht keinen Grund, wieso dies bei einer wahrscheinlichem Übernahme durch Unicredit anders werden könnte.













