Prominenter US-Asset Manager schaltet sich in die UBS-Kapitaldebatte ein
Die Debatte über die künftige Regulierung der UBS gehen in die entscheidende Phase. Am Donnerstag befasste sich der Ständerat als Erstrat erstmals mit der Frage, wie systemrelevante Banken ihre Beteiligungen an ausländischen Tochtergesellschaften künftig mit Eigenmitteln unterlegen müssen. Die kleine Kammer hat am Donnerstag noch keinen Entscheid gefällt.
Formal geht es um systemrelevante Banken mit ausländischen Tochtergesellschaften. Faktisch betrifft die Vorlage jedoch die UBS. Der Bundesrat will, dass der Buchwert ausländischer Beteiligungen im Schweizer Stammhaus vollständig mit hartem Kernkapital, sogenanntem Common Equity Tier 1 (CET1), unterlegt werden muss. Die UBS hat sich gegen diese Verschärfung wiederholt zur Wehr gesetzt.
Nun erhält die Diskussion eine zusätzliche Dimension. Mit Pimco meldet sich einer der bedeutendsten internationaler Investoren zur Schweizer Grossbankenregulierung.
Der US-Asset-Manager spricht sich grundsätzlich für eine Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Schweizer Finanzsystems aus. Gleichzeitig müsse jedoch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz als globaler Finanzplatz gewahrt bleiben, teilt er in einem Schreiben an finews mit.
Pimco sieht Spielraum für AT1
In diesem breiteren Kontext äussert sich Pimco auch zu einer der zentralen technischen Fragen der Debatte: Mit welcher Art von Kapital sollen die verschärften Anforderungen erfüllt werden?
«Auf Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen erscheint es sinnvoll, bei allfälligen höheren Anforderungen an die Kapitalisierung ausländischer Tochtergesellschaften eine Kombination aus CET1- und AT1-Kapital in Betracht zu ziehen, sofern CET1 weiterhin den überwiegenden Anteil ausmacht», schreibt Pimco.
Die genaue Kalibrierung sei letztlich Sache der Politik.
Damit positioniert sich Pimco näher beim Kompromissvorschlag der Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK-S) als beim Bundesrat.
Die WAK-S will beim vollständigen Abzug der ausländischen Beteiligungen von den Eigenmitteln neben CET1 auch zusätzliches Kernkapital – Additional Tier 1 oder AT1 – zulassen. AT1 soll dabei maximal 50 Prozent ausmachen dürfen. Die Kommission verabschiedete dieses Gesamtkonzept mit 7 zu 5 Stimmen bei einer Enthaltung.
Kommission sucht Kompromiss
Die WAK-S bezeichnet ihren Vorschlag als Kompromiss zwischen den Vorstellungen des Bundesrats und den Anliegen der Kantone, der Wirtschaft sowie der hauptsächlich betroffenen UBS.
Hinter der Differenz steckt eine grundsätzliche Frage: Wie viel zusätzliches hartes Eigenkapital braucht die UBS, damit die Risiken ihrer ausländischen Tochtergesellschaften ausreichend im Schweizer Stammhaus abgesichert sind – und ab welchem Punkt beeinträchtigen die Anforderungen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit?
Der Bundesrat setzt auf eine vollständige CET1-Unterlegung. Eine Minderheit der WAK-S unterstützt diese Position. Eine weitere Minderheit schlägt eine Unterlegung zu 90 Prozent mit CET1 vor.
Die Kommissionsmehrheit will dagegen einen Teil der Anforderungen über AT1 abdecken lassen und dieses Kapital gleichzeitig so ausgestalten, dass es in einer Stresssituation früher zur Stabilisierung der Bank beiträgt.
Ausschüttungen könnten früher gestoppt werden
Dazu sieht der Kompromiss einen mehrstufigen Mechanismus vor. Unterschreitet eine Bank bestimmte CET1-Mindestanforderungen, sollen unter anderem Zinszahlungen auf AT1-Instrumente und Dividenden gestoppt sowie Aktienrückkäufe eingestellt werden. Auch die variable Vergütung soll reduziert werden.
Damit will die Kommission einen zentralen Kritikpunkt am bisherigen AT1-Regime adressieren: Das Kapital soll früher tatsächlich verlustabsorbierend wirken und nicht erst in einer akuten Krise.
Auch diese Regelung begrüsst Pimco.
Ausschüttungsbeschränkungen, die an klar definierte Mindestkapitalanforderungen gekoppelt sind, seien grundsätzlich mit den Regelungen anderer bedeutender Finanzplätze vereinbar. Pimco verweist dabei insbesondere auf Grossbritannien und die Europäische Union.
Entscheidend sei allerdings, dass sich eine Schweizer Lösung eng an der etablierten internationalen Praxis orientiere.
Warnung mit Blick auf den AT1-Markt
Für Pimco steht dabei nicht nur die UBS im Mittelpunkt. Als grosser Fixed-Income-Investor richtet der Asset Manager den Blick auch auf die Funktionsfähigkeit des internationalen AT1-Marktes.
Ein künftiger Schweizer Regulierungsrahmen müsse mit internationalen Standards im Einklang stehen und das Vertrauen der Investoren in AT1 erhalten.
Damit berührt Pimco einen für den Kapitalmarkt entscheidenden Punkt. Je stärker sich die Schweizer Regeln von internationalen Standards unterscheiden, desto schwieriger könnte es für Investoren werden, Risiken und Renditen von Schweizer Bankkapital im internationalen Vergleich einzuschätzen.
Pimco unterstützt deshalb grundsätzlich auch die vom Bundesrat vorgeschlagenen Verbesserungen der Aufsicht und eine Stärkung der Kompetenzen der Finma. Die Lehren aus dem Jahr 2023 sollten in den regulatorischen Rahmen einfliessen.
«Ein klarer gesetzlicher Rahmen mit transparenten Regeln, die von Investoren über die gesamte Kapitalstruktur hinweg verstanden werden, kann dazu beitragen, das Vertrauen in das Bankensystem zu stärken», schreibt Pimco.














