Nicht nur für Träumer: Drei märchenhafte deutsche Hotels

Unser Kolumnist und Hotelexperte Carsten K. Rath reist um die Welt und übernachtet in den besten Hotels des Planeten. Doch auch in Deutschland warten einige ganz bezaubernde Häuser auf den luxusliebenden Gast.

Die herausragenden Hotels der französischen Vereinigung «Relais & Châteaux» stehen seit 1954 für Individualität, Charme und hohe Kochkunst. Ob Provence oder Toskana, Bahamas oder Thar-Wüste: Sie sind stets geprägt von Gastgebern, die mit Leidenschaft und Hingabe an ihren Traditionen festhalten. Auch in Deutschland ist diese Philosophie in einer Reihe aussergewöhnlicher Häuser erlebbar. Drei davon habe ich mir näher angeschaut.

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Wie im Märchen: das Schlosshotel «Burg Schlitz» (Bild: zVg)

Boutique-Hotel mit Herz

Meine Reise beginnt in meiner Heimat: im Rheinland, genauer in Andernach, einer 2'000 Jahre alten Stadt römischer Gründung. Der mittelalterliche Kern ist ein Juwel. Wie es wohl wäre, in einem der imposanten historischen Bauten zu wohnen? Genau das erfahre ich im Boutique-Hotel «Purs». Das Gebäude wurde im Jahr 1677 als Kanzlei des Erzbischofs von Köln erbaut. Erst 2018 wurde es in ein Hotel umgewandelt. Ein Boutique-Hotel ist das «Purs» deshalb, weil es nur elf Zimmer hat. Das bedeutet: Liebe zum Detail und maximale Aufmerksamkeit für jeden Gast. Und das spüre ich auch, vom Check-in bis zum Check-out.

Das Design der Inneneinrichtung stammt aus der Feder von Axel Vervoordt. Er versteht es, disparate Einflüsse und Epochen stilvoll miteinander zu verbinden. Mit seinen Betonwänden ist mein Zimmer, das sich in einem immerhin 350 Jahre alten Gebäude befindet, dezidiert modern, dabei schlicht und elegant.

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Die Zimmer des «Purs» sind schlicht, modern und gemütlich. (Bild: zVg)

Im «Purs Restaurant» überzeugt Peter Fridén mit einer innovativen Fusion aus japanischer und nordischer Küche – eine kulinarische Handschrift, die ihm jüngst einen Michelin-Stern eingebracht hat. Der in Korea geborene und in Schweden aufgewachsene Küchenchef begeistert mich mit seinem Helgoland-Hummer mit fermentierter Karotte, japanischer Zitrusfrucht und Garum, einer antiken römischen Fischsauce – wow!

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Der Innenhof des Gebäudes aus dem 17.Jahrhundert (Bild: zVg)

Ein Hotel wie ein Gedicht

Als nächstes steuere ich das «Hardenberg Burg Hotel» an. Es liegt unweit von Göttingen, malerisch gelegen am Fusse der 1'000 Jahre alten Ruine der Burg derer zu Hardenberg. Das Fünf-Sterne-Hotel ist Teil eines Ensembles aus Fachwerkhäusern aus dem 18. Jahrhundert. Ein Aufenthalt im «Hardenberg Burg Hotel» bedeutet ein Eintauchen in eine längst vergangene Zeit – und in eine Welt edler Genüsse.

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Im «Hardenberg Burg Hotel» wird Geschichte erlebbar. (Bild: Sebastian Boettcher)

Im «Restaurant Novalis» zaubert Küchenchef Florian Rabbethge raffinierte Menüs, zum Beispiel das Novalis-Menü, dessen Herzstück der exzellente Hardenberg-Rehrücken mit Aprikose, Kohlrabi, wildem Brokkoli und Brioche ist. Der Name des Restaurants geht auf den bekannten Lyriker der Romantik zurück, der mit vollem Namen Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg hiess. Ein Gemälde des grossen Dichters schmückt den romantischen Speisesaal.

Das Hotel ist auch als Golfhotel bekannt, denn in unmittelbarer Nähe befinden sich mit dem «Göttingen Course» und dem «Niedersachsen Course» zwei wunderschöne 18-Loch-Plätze. Nach einer Runde Golf bietet sich ein Besuch der «Hardenberg Distillery» an. Die Brennereikunst am Hardenberg blick auf eine 300-jährige Geschichte zurück. Während der geführten Tour erfährt man Spannendes – und lässt sich natürlich auch die edlen Whiskey- und Gin-Kreationen schmecken.

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Die Zimmer des Hotels bieten modernen, eleganten Komfort. (Bild: Sebastian Boettcher)

«Relais & Châteaux» hat etwas Märchenhaftes an sich

Meine Reise steht ganz im Zeichen des Mittelalters. Denn mein dritter Aufenthalt führt mich in das märchenhafte Schlosshotel «Burg Schlitz» im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns. Das klassizistische Palais hat bloss 19 Zimmer und beherbergt seit 1999 Gäste aus aller Welt. Der Service ist dabei so herzlich, dass ich mich mehr als Freund des Hauses denn als Hotelgast fühle. Auch das «Gourmetrestaurant Wappensaal», geführt von Küchenchef Maik Albrecht, spielt in der obersten Liga mit. Tradition, Gastfreundschaft, exzellente Kulinarik: Genau so kenne ich es von «Relais & Châteaux»!

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Das «Gourmetrestaurant Wappensaal» der «Burg Schlitz» (Bild: zVg)

In Deutschland gibt es übrigens 19 «Relais & Châteaux»-Hotels. Alle sind eine Reise wert, da bin ich mir sicher.


 Als früherer Grandhotelier und Betreiber des Hotel Rankings «Die 101 besten Hotels» ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für finews.ch schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.

Rath ist zudem Autor des Buches «Iconic Hotels of the World».