Carsten K. Rath: «Luxus, wie ich ihn nur selten erlebt habe»

Zermatt ist einer dieser Orte, die mich immer wieder anziehen. Das liegt am Matterhorn, das jetzt im Winter noch majestätischer wirkt, aber auch an einer Hotellerie, die sich mit immer neuen Konzepten übertrifft. Die kleine Gemeinde zählt zwar nur rund 6'000 Einwohner, doch in der Hochsaison wächst die Besucherzahl auf über 30'000 Menschen.

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Direkt neben Skipisten und Wanderwegen gelegen, bietet das „Cervo“ einen Ort für Erholung, Genuss und Inspiration. (Bild: Steve Herud)

Der Tourismus ist das wirtschaftliche Rückgrat des Ortes. Mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze entfallen auf Hotellerie und Gastronomie. Zwischen Grandhotels und Designhäusern entsteht hier eine spannende Mischung aus Tradition und Zeitgeist. Dieses Mal zieht es mich ins Cervo Mountain Resort – ein idealer Rückzugsort für alle, die gern auf demonstrativen Prunk verzichten und eine diskrete, bewusste Form von Luxus bevorzugen.

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54 Zimmer und Suiten sowie sieben Lodges im Aussenbereich verteilen sich über das Resortgelände. (Bild: Patricia Parinejad) 

Bodenständiger Luxus in den Alpen

Zermatts Hotelkultur ist vielseitig und hochkarätig. Fünf-Sterne-Häuser wie das Mont Cervin Palace oder das Grand Hotel Zermatterhof stehen für klassisch-gehobene Eleganz.

Das Cervo wählt einen anderen Ansatz: kleiner, bewusster und persönlicher. Bereits bei der Ankunft entsteht ein Gefühl von Gelassenheit und professioneller Wärme – eine seltene Kombination in der Luxushotellerie. Statt Marmor und Gold prägen Naturmaterialien, warme Farbtöne und klare Linien ein modernes Ambiente. Die Mitarbeiter begegnen mir herzlich und auf Augenhöhe, man duzt sich, und nach kurzer Zeit fühlt es sich an, als wäre ich bei Freunden zu Besuch.

General Manager Frédéric Meyer, zuvor im Relais & Châteaux-Vertreter Lenkerhof tätig, schafft hier eine authentische Wohlfühlatmosphäre, die vor allem Kreative, Designer sowie junge und junggebliebene Gäste anzieht. Die Einteilung in drei Zimmerkategorien mit unterschiedlichem Sterne-Niveau ist klug gelöst und spricht verschiedene Gästegruppen an: Nomad bietet entspannten Komfort auf Vier-Sterne-Niveau, Alpinist Design und Service auf Fünf-Sterne-Niveau.

Die Huntsman Lodge zählt zu den ganz besonderen Adressen in Zermatt. Sie wurde als privates Chalet mit einer Huntsman Triple Suite mit drei Schlafzimmern, Sauna, Wohnzimmer mit Kamin, Küche mit grossem Essbereich und Esstisch sowie grosser Terrasse mit freistehender Badewanne und direkter Sicht auf das Matterhorn gebaut und wird oft exklusiv von Familien und privaten Gruppen gebucht. Von allen Zimmern aus reicht der Blick über Zermatt bis zum Matterhorn – eine fantastische Kulisse. 

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Das Cervo bietet einen direkten Blick auf das Matterhorn und das Dorf Zermatt. (Bild: Steve Herud) 

Ein Prinzip, unterschiedliche Restaurantkonzepte

Viele Hotels prahlen heute mit Nachhaltigkeit, ohne klare Strategien zu verfolgen. Im Cervo Mountain Resort hingegen erlebe ich, wie ein Ressourcen schonendes Prinzip tatsächlich konkret und strategisch umgesetzt ist. Das Resort gewinnt seine Energie fast vollständig aus Erdwärme und Solarenergie, nutzt Abwärme weiter und steuert seine Lüftungssysteme so, dass Heizenergie gezielt eingespart wird.

Auch in der Küche, der Ausstattung und beim Service setzt das Resort auf Nachhaltigkeit: Die Produkte stammen grösstenteils aus einem Umkreis von maximal 150 Kilometern.

Beim Frühstück freue ich mich über den frischen Honig von den eigenen Bienenvölkern des Hauses – ein Detail, das den hohen Qualitätsanspruch spürbar macht. Zum Abendessen kann ich jetzt im Winter, zur Hochsaison, aus drei sehr unterschiedlichen Konzepten wählen: Der Bazaar, das lebhafte Herzstück des Hauses, erinnert an orientalische Märkte. Hier sitzen Familien, Freunde und Reisende nebeneinander und teilen Teller mit frischem Hummus, Dhal und Naan-Brot.

Das Madre Nostra präsentiert sich klassischer: weiße Tischdecken, kuratierte Kunstwerke aus der persönlichen Auswahl von Cervo-Eigentümer Daniel F. Lauber, italienische Eleganz und Gerichte, die nach Sonne und Mittelmeer schmecken. Ich ergattere einen Tisch am Fenster und genieße den Blick auf das leuchtende Bergpanorama. Im Ferdinand steht die alpine Küche im Mittelpunkt. Alle Zutaten stammen aus der Schweiz, viele direkt aus dem Wallis. Das Käsefondue ist unvergleichlich und der perfekte Abschluss nach einem Tag im Schneegestöber. 

Direkt an der Skipiste gelegen, bietet das Cervo Mountain Resort echtes Ski-in/Ski-out-Feeling – vom Zimmer direkt auf die Piste oder zur wohl schönsten Terrasse Zermatts. Hier trifft alpiner Lifestyle auf lässige Beats: Im Winter wird die Terrasse zur Bühne für Live-Musik, DJs und spontanes Feiern. Das Après-Ski im Cervo gilt längst als das coolste in Zermatt – und vielleicht in der ganzen Schweiz. Zwischen Matterhornblick, Signature-Drinks und hauseigenem Huntsman-Bier entsteht jene besondere Stimmung, für die das Haus weit über die Alpen hinaus bekannt ist – stilvoll, ausgelassen und immer ein bisschen beyond. 

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Im Bazaar werden orientalische Köstlichkeiten in gemütlicher Atmosphäre serviert. (Bild: Steve Herud) 

Ein aussergewöhnlicher Spa der Extraklasse

Neben der Gastronomie präsentiert sich auch das Wellnesskonzept außergewöhnlich vielseitig. Hier erlebe ich eines der spannendsten Spa-Konzepte in ganz Zermatt: Im Ātman Mountain Spa verschmelzen Wellnesstraditionen aus Ost und West mit der Kraft der lokalen Natur: ein Onsen mit Matterhornblick, Kräuterdampfbäder und holistische Behandlungen. So entsteht ein ganzheitliches Erlebnis für Körper und Geist.

Über die Anlage verteilen sich mehrere Indoor- und Outdoor-Badebereiche, die ich auf verschlungenen Wegen entdecke – alles ist glücklicherweise gut ausgeschildert und intuitiv gestaltet. Mein persönliches Highlight ist das exklusiv buchbare bhutanesische Kräuterbad, das in einer abgelegenen Holzhütte liegt, umgeben von alten Bäumen. Verschiedene Ruhezonen, Yogakurse, Massagebehandlungen, Saunaaufgüsse mit ätherischen Ölen aus lokalen Kräutern und eine gratis Kletterwand runden das vielseitige Angebot ab. Entspannen zwischen Bergwald und Matterhornblick, intensiver lässt sich alpine Achtsamkeit kaum erleben.

Mit Events wie dem eigenen Festival „«A Love Beyond» oder intimen Unplugged-Sessions verbindet das Cervo Musik, Kunst und Achtsamkeit auf alpine Weise.

Hinter all dem steht eine klare Haltung: über das Gewöhnliche hinauszugehen – im Reisen, im Genuss und im Denken. Das ist das Beyond-Versprechen des Cervo. 

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Gäste können im japanisch inspirierten Onsen-Thermalbad entspannen, direkt neben der gemütlichen Teejurte. (Bild: Steven Herud)

Man muss Eigentümer Daniel F. Lauber als Visionär bezeichnen. Sein Credo: «Das beste anders sein ist – besser sein!» Ich kann das bestätigen, denn im Cervo entdecke ich ungewöhnliche Konzepte, die ich in dieser Form in den Alpen nur selten erlebt habe – vom orientalischen Restaurant über das Spa mit bhutanischen Anklängen bis zur Kletterwand. Trotz der vermeintlichen Gegensätze wirkt das Gesamtkonzept erstaunlich stimmig. Wer eine zeitgemässe und erfrischende Form von Luxushotellerie sucht, wird sie hier finden. Am Ende bleibt das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein – zwischen Berg, Musik und bewusstem Genuss. 


 Als früherer Grandhotelier und Betreiber des Hotel Rankings «101 beste Hotels» ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er schreibt, bereist er auf eigene Rechnung. 

Rath ist zudem Autor des Buches «Iconic Hotels of the World».