Carsten K. Rath: «Die Adresse schlechthin für Gourmets und Designliebhaber»

Morgens dient der Raum auch als Frühstücksraum mit einem, wie ich finde, grossartigen Buffet für ein so kleines Haus mit nur 16 Zimmern. Das ist schlau gemacht. Die zwei Restaurants sind mittags und abends geöffnet – das Esplanade mit zwei Sternen und das legerere Le petit CINQ –, dazu das Frühstück – 21 Bewirtungszeitfenster steigern Auslastung und Effizienz enorm. Mit ihrem frischen Blick auf die Luxushotellerie stellen Tanja und Michael Zimmer klassische Hotelroutinen geschickt auf den Kopf.

Aus einem Gebäude der Gründerzeit machten Tanja und Michael Zimmer ein angesagtes Boutiquehotel in Saarbrücken. (Bild: zVg)

Das beste Anderssein ist eben, besser zu sein! Sie kauften das denkmalgeschützte ehemalige Schulgebäude 2010, sanierten es ausschließlich mit regionalen Handwerkern und entwickelten ein Boutique-Hotel, das Design nicht laut inszeniert, sondern präzise kuratiert. 

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Reduziert und ästhetisch: Mid-Century-Möbel von Bertoia und Saarinen prägen die Zimmer. (Bild: zVg)

Townhouse-Flair mitten in Saarbrücken abseits des Trubels

Reduziert, klar und ästhetisch zeitlos: Der Mid-Century-Stil mit Bertoia- und Saarinen-Klassikern prägt jedes Detail meines Zimmers. Die hohen Wände schmücken Original-Aquatinta-Drucke von Le Corbusier, die die Zimmers einst in Paris entdeckten. Die großen Fenster fluten das Zimmer mit Tageslicht, das über Sandsteinwände und Leinenvorhänge wandert und weiche Schatten auf das feine Parkett wirft. Das Ambiente erinnert mich eher an elegante, stadtnahe Townhouses als an ein klassisches Hotel. 

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Die Original-Aquatinta von Le Corbusier entdeckte das Besitzerehepaar Zimmer in Paris. (Bild: zVg) 

Haute Cuisine, die Saarländer stolz macht

Sowohl mit dem Gastrokonzept als auch kulinarisch setzt das Haus Massstäbe. Küchenchef Silio del Fabro verbindet französische Haute Cuisine mit mediterranen und japanischen Einflüssen. Saisonales Gemüse und Kräuter stammen vom hauseigenen, biodynamischen Stadtbauernhof. Sein Entrecôte mit Kartoffel-Millefeuille, Chablis-Creme, Krauser Glucke und einem Tupfer Kaluga-Kaviar zeigt mir, dass Luxus und Bodenständigkeit sich nicht ausschließen, sondern ergänzen. Ein Ansatz, der dem Saarland gerecht wird – einem Gourmetland, das lange im Schatten Frankreichs stand, heute aber selbstbewusst daneben glänzt.

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Küchenchef Silio del Fabro ist der kreative Kopf hinter dem Gastrokonzept des Esplanade. (Bild: zVg) 

Kleines Haus, grosser Wert 

Im zunehmend komplexeren Luxushotelleriemarkt sehe ich für Häuser wie das Esplanade spannende Nischenchancen. Grossvolumige Hotelprojekte sind in deutschen Metropolen immer schwerer zu finanzieren. Kleine, hochqualitative Boutique-Hotels gewinnen dagegen an Attraktivität. 

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Mal Esplanade, mal «Le petit CINQ»: Das Lokal beherbergt zwei Restaurants mit unterschiedlichen kulinarischen Konzepten. (Bild: zVg)

Das Esplanade zeigt, wie es geht: Nur wenige Zimmer, jedes nahezu ein Unikat, individuell ausgestattet und mit einem Auge für Details gestaltet, verkörpern Luxus auf hohem Niveau.

Mit klarer Positionierung, einer klaren Preisstrategie und einem Betriebskonzept, das die laufenden Kosten niedrig hält, kombiniert das Haus Exklusivität mit wirtschaftlicher Effizienz – ein Modell, das sowohl Gästen als auch Investoren zugutekommt.

Boutique-Hotel als clevere Nischenchance für Investoren

Boutique-Hotels wie das Esplanade gelten in vielen Portfolios als «wertstabiles Spezialobjekt» – sie schwanken weniger stark im Erfolg als grosse Hotels in typischen Touristengebieten und entwickeln sich gleichzeitig lebendiger als klassische Büro- oder Gewerbeimmobilien.

Auch die Lage spielt eine Rolle: Saarbrücken ist zwar kein internationaler Finanzhub, aber mit SaarLB und SIKB sitzen zwei starke regionale Banken vor Ort, die lokale Projekte traditionell zuverlässig finanzieren und unterstützen. Für Investoren aus Frankfurt oder Luxemburg kann ein solches Haus daher eine spannende Ergänzung im Portfolio sein regional verankert, wertbeständig und im Sinne moderner Nachhaltigkeitsstandards gut aufgestellt.

So ist dieses kleine, feine Haus in Saarbrücken ein Ort für Gourmets und Designliebhaber und auch ein Modell dafür, wie Boutique-Hotellerie in Deutschland künftig funktionieren kann: präzise, mutig, effizient – und für Investoren deutlich interessanter, als man auf den ersten Blick vermutet.


Als früherer Grandhotelier und Betreiber des Hotel Rankings  «101 beste Hotels» ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.