Gold, Bitcoin, Private Markets: Die neue Sicherheitsarchitektur für Anleger

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten setzen der Weltwirtschaft zu. Für Tilmann Galler, Global Market Strategist bei J.P. Morgan Asset Management, ist dabei nicht die politische Unberechenbarkeit einzelner Akteure ausschlaggebend, sondern ein klar definierter Engpass: die Strasse von Hormuz.

«Aus rein ökonomischer Sicht ist genau diese Passage der entscheidende Faktor», sagt er im neuen Podcast von finews. Durch dieses Nadelöhr verlaufen in normalen Zeiten rund 20 Prozent der globalen Rohölproduktion. Aktuell sei dieser Anteil massiv gestört. «Wenn nur noch etwa die Hälfte dieser Mengen durchkommt, dann stellt das die Uhr für die Weltwirtschaft.»

Wochen entscheiden über Eskalation

Entscheidend sei dabei nicht ein langfristiger Konfliktverlauf, sondern der kurzfristige Zeithorizont. «Wir sprechen hier nicht über Quartale oder Jahre, sondern über Wochen und Monate», betont Galler. Bleibe die Situation bestehen, drohten erhebliche Folgeschäden – von steigenden Ölpreisen über Inflationsdruck bis hin zu Produktionsausfällen.

Die Konsequenzen reichen damit weit über die Energiepreise hinaus. «Je länger die Störungen anhalten, desto stärker wirken sie sich über Inflation und Lieferketten auf die Realwirtschaft aus», so Galler. 

 

Nahost-Finanzplätze zwischen Risiko und Chance

Für die Finanzzentren im Nahen Osten ergibt sich ein differenziertes Bild. Während kurzfristig Unsicherheit dominiert, sieht Galler auch potenzielle Chancen: «Wenn es mittelfristig zu einer Deeskalation und mehr Kooperation in der Region kommt, kann das den Standort sogar stärken.»

Insbesondere Dubai könnte davon profitieren – allerdings hängt die Entwicklung stark vom politischen Ausgang der aktuellen Krise ab. «Diese Geschichte ist noch nicht geschrieben», sagt Galler.

Schweiz profitiert vom Safe-Haven-Status

Als klarer Gewinner der aktuellen Unsicherheit könnte sich hingegen die Schweiz erweisen. «Die Stabilität des Standorts wird wieder sichtbar – und das ist ein Wert an sich», erklärt Galler.

Erste Kapitalflüsse deuteten bereits darauf hin. Der Franken wertet auf, was gleichzeitig die Schweizerische Nationalbank vor neue Herausforderungen stellt. «Man sieht bereits wieder entsprechende Bewegungen in den Kapitalströmen.»

Private Markets unter Druck – aber stabil

Galler äussert sich auch zu Bitcoin, Gold und Private Markets. Im Bereich Private Markets sieht Galler derzeit keine systemischen Risiken, wohl aber punktuelle Spannungen. «Die Ausfallraten liegen mit rund 2,5 Prozent weiterhin im normalen Bereich», sagt er.

Problematisch sei jedoch die Illiquidität der Anlageklasse. In Phasen erhöhter Unsicherheit könne dies zu einer «self-fulfilling prophecy» führen, wenn viele Investoren gleichzeitig Liquidität suchten.

Demokratisierung mit Nebenwirkungen

Die zunehmende Öffnung von Private Markets für breitere Investorenschichten bewertet Galler grundsätzlich positiv – warnt jedoch vor Fehlallokationen. «Diese Anlagen funktionieren nur, wenn Investoren die langfristige Kapitalbindung verstehen», betont er.

Fehle dieses Verständnis, drohten Liquiditätsprobleme und enttäuschende Renditen. «Das ist ein klarer Weckruf für die Branche – sowohl in der Produktgestaltung als auch in der Investorenausbildung.»

Lackmustest für die globalen Märkte

Der aktuelle geopolitische Schock wirkt wie ein Lackmustest für die globalen Märkte. Während kurzfristig die Energieversorgung im Fokus steht, verschieben sich mittelfristig die Präferenzen der Investoren – weg von klassischen Safe Havens hin zu realen Vermögenswerten mit strukturellem Inflationsschutz. 

Mehr dazu im Podcast von finews. 

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