Krypto: Warum Abwarten für Vermögensverwalter keine Option mehr ist
Die Fähigkeit, Trends frühzeitig zu identifizieren und einzuordnen, gehört zu den zentralen Kernkompetenzen von Vermögensverwaltern. Für Josef Ueli Bollag ist klar: Wer zu lange wartet, verliert. «Wenn sich ein Trend vollständig bestätigt hat, ist es für Investoren meist zu spät», sagt er im Podcast von finews.
Dabei gehe es nicht um blinde Risikobereitschaft, sondern um informierte Entscheidungsfindung. Historisch würden sich technologische und finanzielle Megatrends in Zyklen von zehn bis fünfzehn Jahren manifestieren – von Biotech über das Internet bis hin zu Kryptowährungen und aktuell künstlicher Intelligenz. Entscheidend sei, frühzeitig Substanz von kurzfristigem Hype zu unterscheiden.
Vom Kundenimpuls zur strategischen Allokation
Der Einstieg in das Thema Bitcoin erfolgte beim Vermögensverwalter Tareno nicht aus Eigeninitiative, sondern durch einen Kundenimpuls im Jahr 2016. «Das war eine Initialzündung», erinnert sich Bollag. Innerhalb weniger Monate baute er gezielt Knowhow auf – eine Voraussetzung, um fundierte Anlageentscheidungen treffen zu können.
Bereits 2017 begann Bollag zu investieren. Der Ansatz: bewusst mit «Skin in the Game» arbeiten, um Entwicklungen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zu verstehen.
Volatilität als Preis für Innovation
Ein zentrales Merkmal von Kryptowährungen bleibt ihre hohe Volatilität. Die zum Teil heftigen Kursschwankungen seien Teil des Entwicklungsprozesses. Bollag zieht Parallelen zu frühen Wachstumsphasen von Tech-Aktien.
Trotz steigender Preise sieht Bollag den Markt noch in einer frühen Phase. Seine These: Bitcoin etabliert sich langfristig als digitales Pendant zu Gold – insbesondere bei der nächsten Anlegergeneration.
Institutionelle Dynamik verändert den Markt
Mit dem Eintritt institutioneller Investoren verändert sich jedoch die Marktmechanik. Klassische Zyklen – etwa der bekannte Vierjahresrhythmus rund um das Bitcoin-Halving – verlieren an Aussagekraft. Hedge Funds und professionelle Investoren agieren schneller und opportunistischer, was die Volatilität zusätzlich verstärken kann.
Noch tiefgreifender als Bitcoin könnten Stablecoins und die Tokenisierung wirken.
Die Konsequenz ist ein zunehmender regulatorischer und politischer Wettbewerb – insbesondere in den USA. Gleichzeitig treiben grosse Player die Entwicklung voran. So erwartet Bollag, dass Asset Manager wie Blackrock ihre ETF-Plattformen zeitnah tokenisieren werden.
Schweiz hat Vorsprung verspielt – aber nicht den Anschluss
Die Schweiz habe im Kryptobereich früh eine führende Rolle eingenommen, diesen Vorsprung jedoch teilweise verloren. Eine Rückkehr an die Spitze hält Bollag für unwahrscheinlich, wohl aber ein Wiederaufschliessen durch regulatorische Anpassungen und strategische Initiativen.
Die Richtung ist eindeutig: Ignorieren ist keine Option. «Die Zukunft der Finanzwelt wird digital sein – nicht analog», sagt er.
Mehr dazu im Podcast von finews.
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