Vier Stunden bis Matisse – und eine Bank mittendrin
Ein farbenfrohes, mediterran anmutendes Interieur in einem französischen Apartment: Leuchtende Farben, geschwungene Linien und ein vibrierendes Zusammenspiel von Formen prägen die Szenerie. Im Mittelpunkt steht eine junge, abstrakt dargestellte Frau. Dieses Ensemble eröffnet sich im Pariser Grand Palais beim Betrachten von Henri Matisses «Young Girl in Pink in an Interior» aus dem Jahr 1942 – ein Bild aus seinem Spätwerk.
Paris hätte an diesem Tag alle Gründe, zu verführen – doch zwischen Ausstellung und Medienkonferenz bleibt kaum mehr als ein flüchtiger Blick auf die Stadt der Liebe.
Zu seinen Spätwerken zählen auch Matisses berühmte Scherenschnitte, deren wiederkehrende, organische Formen mit ihren länglichen, verzweigten, fast fingerartigen Ausläufern an Algen oder im Wasser treibende Pflanzen erinnern.

Ein Streifzug durch Matisses Scherenschnitte im Grand Palais – Impressionen aus der Ausstellung in Paris. (Bild: zVg)
Kunst aus dem Krankenbett
Entstanden sind diese Arbeiten in einer Phase schwerer Krankheit – vom Bett aus entwickelte der Künstler eine neue, radikal reduzierte Bildsprache. In dieselbe Schaffensperiode fällt auch sein Entwurf der Glasfenster für die Chapelle du Rosaire in Vence (1947–1951), sein einziges umfassendes sakrales Werk. Leuchtende Farben und abstrakte, pflanzenhafte Formen prägen die Fenster, deren Wirkung sich vor allem im wechselnden Lichteinfall entfaltet und dem Raum eine stille, beinahe meditative Atmosphäre verleiht. Die Ausstellung im Grand Palais, direkt neben der Champs-Élysée, ist noch bis zum 26. Juli zu sehen.

In Blau verdichtet sich alles: Blue Nude III, 1952 (Bild: zVg)
Warum sich eine Privatbank für Matisse interessiert
So wie Goethe, zog auch Matisse das «Ewig Weibliche» an. Und offensichtlich verführen diese sinnlichen und sommerlichen Interieurs, erfüllt von einer Pracht an Farben und Formen nicht nur Museumsbesuchende, sondern auch kapitalkräftige Förderer. So etwa die Genfer Privatbank Mirabaud. Die Bank wurde 1819 in Genf gegründet und präsentiert sich als solide und überkapitalisierte Institution mit einer Kernkapitalquote von über 20 Prozent.
Per Ende 2025 verwaltete sie Vermögen von mehr als 30 Milliarden Franken und erzielte einen Umsatz von 254,7 Millionen Franken. Weltweit beschäftigt die Gruppe über 700 Mitarbeitende und ist mit 14 Niederlassungen in 10 Ländern auf vier Kontinenten vertreten.
Zahlen, Netzwerk – und ein Faible für Kunst
Über das Kerngeschäft hinaus engagiert sich Mirabaud auch im kulturellen Bereich. So verfügt die Gruppe über eine eigene Kunstsammlung mit mehr als 450 Werken und zählt zu den Gründungsmitgliedern sowie langjährigen Partnern des MAMCO in Genf. Darüber hinaus unterstützt sie verschiedene internationale Institutionen, darunter das Montreal Museum of Fine Arts, die Bechtler-Stiftung in Uster, das Quartier des Bains und das Geneva Lux Festival in Genf sowie die Stiftung Cerezales Antonino y Cinia in Spanien. Die Nähe zur Kunst kommt also nicht von ungefähr, sondern ist Teil der gruppeneigenen Identität.
«Kunst ist Leben» – und Teil der Finanzgeschichte
Besonders deutlich wird dies im Gespräch mit Lionel Aeschlimann, Senior Managing Partner der Gruppe: «Kunst ist wesentlich. Kunst ist Leben», sagt er und spannt den Bogen weit zurück in die Geschichte: «Wenn man an die Banken des 16. oder 17. Jahrhunderts denkt, erinnert sich heute niemand mehr an ihre Transaktionen. Aber jeder erinnert sich an Leonardo da Vinci, Botticelli oder Raffael – an die Künstler, die von Bankiers unterstützt wurden. Es gab schon immer eine enge Verbindung zwischen Finanzen und Kunst.» Mehr dazu im Interview.
Lionel Aeschlimann: «Wir sind nicht wichtig – unsere Arbeit ist es.»

Ein ruhiger Innenhof mitten in Paris: Hier empfängt Mirabaud. (Bild: zVg)
Die Nähe zur Kunst erweist sich für Mirabaud auch im Umgang mit ihren Kunden als Gewinn. Sie schafft Anknüpfungspunkte, öffnet Räume für neue Begegnungen und lädt dazu ein, darüber nachzudenken, was im Leben wirklich wichtig ist. «Kunst bringt uns dazu, den Unterschied zwischen Wert und Preis zu hinterfragen.», so Aeschlimann. Eine Einsicht, die im täglichen Geschäft unmittelbar greift, wie bei der Beurteilung, was ein Wertpapier tatsächlich wert ist.
Vom Centre Pompidou ins Grand Palais
Seit 2022 unterhält die Genfer Privatbank eine Partnerschaft mit dem Centre Pompidou, die sich im Zuge von dessen fünfjährigem Umbau nun im Grand Palais fortsetzt. Bis 2030 wird das ikonische Pariser Kulturhaus Centre Pompidou umfassend renoviert – mit dem erklärten Ziel, die technische Infrastruktur zu modernisieren, ohne die unverwechselbare architektonische Handschrift anzutasten.
Konkret werden unter anderem die Glasfassaden erneuert, Transparenz und Zugänglichkeit verbessert sowie die Innenräume neu gestaltet; zugleich werden Sicherheits- und Brandschutzsysteme auf den neuesten Stand gebracht. Künftig soll das Centre Pompidou zudem als französisches Nationalmonument klassifiziert werden – was bedeutet, dass die charakteristische Farbpalette von 1977 in Blau, Rot, Gelb und Weiss erhalten bleibt und grundlegende Eingriffe ins Erscheinungsbild ausgeschlossen sind.

Ein Blick ins Innere: Besprechungsraum im Pariser Mirabaud-Office. (Bild: zVg)
Paris geschlossen – die Welt im Fokus
Während der Schliessung in Paris treibt das Museum parallel seine internationale Expansion voran: In Seoul wurde bereits eine Ausstellung in Kooperation eröffnet, in Brüssel ist ein weiterer Standort geplant.
Auch Mirabaud im Wandel
Nicht nur die Ikone der postmodernen Architektur befindet sich im Wandel, auch Mirabaud durchläuft eine Phase der Neuausrichtung. Lionel Aeschlimann zeigt sich mit der bisherigen Entwicklung zufrieden und richtet den Blick nach vorn. Seine Strategie für die kommenden Jahre stützt sich auf drei zentrale Pfeiler: den Abschluss der technologischen Transformation im Wealth Management, die konsequente Fokussierung auf die Kernmärkte sowie die gezielte Beschleunigung des internen Wachstums.
Vier Stunden bis Matisse
Bei allem Wandel bleibt die Kunst für Mirabaud mehr als ein kulturelles Engagement – sie ist ein Resonanzraum für genau jene Fragen, die auch die Finanzwelt bewegen: Wert, Zeit, Perspektive. Dass sich diese Verbindung derzeit im Grand Palais manifestiert, wirkt fast folgerichtig.
Und obwohl die Ausstellung in Paris beheimatet ist, liegt sie näher, als man denkt: Für Schweizer Matisse-Enthusiasten ist die Reise durchaus attraktiv – in gut vier Stunden bringt der TGV seine Gäste direkt ins Herz der französischen Kunstmetropole.














