Carsten K. Rath: «Diese Reise ist ein «Once in a lifetime»-Erlebnis»
Wer die Kreuzfahrtwelt kennt, weiss: Zu früh am Schiff zu sein, bedeutet Stress für die Crew. Beim Passagierwechsel reinigt sie unter Hochdruck, lädt die Vorräte - die neuen Gäste sollen sich schliesslich wohlfühlen. Ich bin zwei Stunden zu früh an Bord, dennoch herrscht hier keine Hektik. Cruise Direktor Sascha Richter begrüsst mich herzlich, als hätte er auf mich gewartet. Er begleitet mich persönlich zur Kabine, erklärt mir alles, was ich wissen möchte, freundlich, zugewandt.
Das setzt sich fort - an Bord spüre ich einen besonderen Spirit: eine Mischung aus preussischer Präzision und familiärer Herzlichkeit. Das ist die Handschrift von Wybcke Meier. Seit Jahren führt sie als CEO von TUI Cruises die Flotte – inklusive der Luxus-Ikonen von Hapag-Lloyd Cruises – mit einer strategischen Weitsicht, die man in der Branche selten findet.

Logenplatz über dem ewigen Eis: Auf dem gläsernen Balkon der Hanseatic-Klasse schweben Gäste sicher über den Schollen. (Bild: Hapag Lloyd Cruises)
Strategien im ewigen Eis
Das Konzept der neuen Hanseatic-Klasse ist ein Paradebeispiel für antizyklisches Investieren. Unter Meiers Führung wurde die Flotte radikal verjüngt. Während andere auf Masse und Gigantismus setzten, investierte sie massiv in die Nische, in kleine, hochmoderne Expeditionsschiffe wie die «Hanseatic inspiration». Statt dem Mainstream zu folgen, besetzte Meier die Spitze des Exklusivsegments. Sie führte das Haus durch die unruhigen Gewässer der Pandemie und geopolitischer Krisen und gilt heute zurecht als Krisenmanagerin mit kühlem Kopf.
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Exklusives Wohnerlebnis: Viel Raum für Kontemplation – der grosszügige Wohnbereich der Grand Suite. (Bild: Hapag Lloyd Cruises)
Die «Hanseatic inspiration» ist gross, fast majestätisch. Meine Kabine hat einen Balkon, auf dem ich abends bei einem Glas Wein entspanne. Das Bad aus feinstem Marmor, die grosse Dusche, ein komfortables Bett, Minibar, Kaffeemaschine, ein Safe, genügend Stauraum - alles ist da, wie in einem Fünf-Sterne-Hotel. Dieser komfortable Kokon bildet das perfekte Gegengewicht zu der gewaltigen Natur, die draussen vor der Reling wartet.
Nach zwei Seetagen im rauen Südatlantik, an denen das Schiff seine Seetüchtigkeit unter Beweis stellt, empfangen uns die Falklandinseln und eine Exkursion, die es in sich hat.
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Schlafkomfort der Extraklasse: In der Grand Suite verschmelzen höchster Luxus und diskretes Design zu einer Ruheoase. (Bild: Hapag Lloyd Cruises)
Zwischen grenzenloser Freiheit und strenger Disziplin
Zwischen den schroffen Klippen geniesse ich eine Freiheit, die auf herkömmlichen Kreuzfahrten selten ist. Ich erkunde die Wildnis im eigenen Rhythmus, abseits starrer Gruppen-Exkursionen. Inmitten riesiger Eselspinguin-Kolonien wird mir klar: Ich habe die Zivilisation längst hinter mir gelassen. Hier unten diktiert allein die Natur die Agenda.
Nach zwei weiteren Tagen an Bord weicht die Wellness-Atmosphäre einer fast klinischen Sorgfalt. Bevor wir Südgeorgien betreten, steht die Biosicherheit über allem. Mit detektivischem Eifer wird jede Naht meines Expeditions-Parkas abgesaugt, jeder Klettverschluss auf kleinste Samen oder fremde Partikel kontrolliert, meine Stiefel desinfiziert. In dieser unberührten Welt ist Nachhaltigkeit kein Schlagwort, sondern gelebte Disziplin.

Logenplatz in der Wildnis: Das Zodiac bietet hautnahe Einblicke in die monumentale Architektur gigantischer Eiswände. (Bild: Hapag Lloyd Cruises)
Südgeorgien selbst erweist sich als das Epizentrum der Wildnis. In Gold Harbour stürzen die Gletscher senkrecht ins Meer, während über 200'000 Königspinguine den Strand in ein buntes Panorama verwandeln. In der ehemaligen Walfangstation Grytviken folgen wir den Spuren von Sir Ernest Shackleton. Ein Whiskey an seinem Grab ist weit mehr als Tradition – es ist eine Hommage an den legendären Seefahrer.
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Kulinarik auf Sterneniveau: Das Hauptrestaurant besticht durch zeitlose Eleganz und einen unverstellten Blick auf das Meer. (Bild: Hapag Lloyd Cruises)
Sterne-Niveau am Ende der Welt: Wo Luxus zur Haltung wird
Der Rhythmus an Bord schwankt zwischen Abenteuer und Genuss: Das Buffet-Restaurant serviert keine schweren Platten, sondern kleine, auf Sterneniveau kuratierte Kunstwerke. Im Restaurant «Nikkei» verschmilzt japanische Präzision mit peruanischer Tiefe – ein Spiegelbild der Perfektion, die das gesamte Schiff prägt.
Diese Transparenz wird auf der Brücke physisch: Die «Open Bridge»-Politik erlaubt es mir, dem Kapitän bei der Arbeit über die Schulter zu schauen – ein Vertrauensbeweis, der Hierarchien angenehm aufbricht. Den finalen Ruhepol bildet das Spa auf Deck 8. In der Panorama-Sauna weicht die Anspannung der Expedition einer tiefen Entspannung, während draussen am Horizont die Wale durch die Gischt brechen.

High-End-Entspannung: Das Pooldeck der Hanseaticinspiration vereint modernen Luxus mit einem herausragenden Blick.
(Bild: Hapag Lloyd Cruises)
Meine Reise ans Ende der Welt hat mir gezeigt, wie sich die eigenen Massstäbe in der Unendlichkeit aus Eis und Wasser relativieren. Das wahre Privileg dieser Reise ist die Veränderung der inneren Haltung: Luxus ist hier kein Überfluss, sondern Raum für ein tiefes Naturerlebnis.
Wenn das Schiff nachts meterdicke Schollen durchbricht, während ich auf dem Balkon meiner Kabine der Natur lausche, schliesst sich der Kreis. Wybcke Meier hat bewiesen, dass man auch in schwerster See Kurs halten kann, wenn man kompromisslos auf Qualität und Exklusivität setzt.
Als früherer Grandhotelier und Betreiber des Rankings «Die 101 besten Hotels» ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für finews schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.
Rath ist zudem Autor. Jüngst ist vom ihm erschienen: «Die 101 besten Hotels Deutschland».














