Ein Maserati für 1 Million: Der MCXtrema in Zürich

«Andere bauen Autos, Maserati baut Gefühle», sagt Antonio Commito, Brand Director Maserati und Geschäftsführer Concept Store bei Binelli, zur Begrüssung am vergangenen Donnerstagabend vor zahlreichen Auto-Enthusiasten. Und Roland Staehler, DACH-Chef der Marke, legt nach: «Für mich gibt es nur eine Botschaft: Maserati kommt aus dem Rennsport. Das ist die Wurzel der Marke.»

Dass diese Wurzel tief reicht, erzählt Maserati gern mit einem Datum: 1926 war das erste Auto mit Trident-Logo ein Rennauto, der Tipo 26. Im Showroom stand nun der MC12 als späterer Kulminationspunkt dieser DNA und daneben der MCXtrema als jüngste, radikalste Ausformung derselben Idee: Leistung ohne Ausrede: gebaut für die Rennstrecke, ohne jede Chance auf Strassenzulassung.

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Cockpit des MCXtrema. (Bild: Maserati)

Aus Modena war Francesco Italo Senesi von Maserati Corse angereist. Er ordnete das Fahrzeug wie folgt ein: «Es ist unser maximaler Ausdruck von Technologie, Performance und Design.» Die gesamte Struktur sei in Carbon ausgeführt, die Bremsanlage von der GT2 Racing-Version abgeleitet, die Sicherheitsarchitektur entspreche den relevanten FIA-Anforderungen.

62 Unikate

Die MCXtrema ist auf 62 Einheiten limitiert und als Track-only-Modell konzipiert. Im Mittelpunkt steht ein 3,0-Liter-V6-Twin-Turbo mit 740 CV (540 kW), abgeleitet vom bekannten Nettuno-Rennmotor. Maserati positioniert das Auto als bisher «formidabelstes» Track-Gerät der Marke – entwickelt für Sammler, die kompromisslose Performance suchen, aber nicht auf die italienische Handschrift in Design und Verarbeitung verzichten wollen.

«62» ist dabei kein Zufall: Die Zahl nimmt Bezug auf die MC12-Produktion mit 50 Strassenversionen und 12 Rennfahrzeugen. Bei der MCXtrema werden alle 62 Exemplare für die Piste gebaut. Und: Trotz Kleinserie ist jede MCXtrema faktisch ein One-off – über das Programm MCXlusiva  lässt sich die Konfiguration bis ins Detail nach den Wünschen des Besitzers definieren.

Entwickelt im Simulator – abgestimmt für die Strecke

Wie ernst Maserati die Ingenieursarbeit nimmt, zeigt der Blick hinter die Kulissen: Rund 200 Stunden im dynamischen Simulator und etwa 1'000 Stunden virtueller Analysen flossen in die Entwicklung ein. Beteiligt waren unter anderem das Virtual-Analysis-Team (Simulation und Vergleich mit Track-Feedback) sowie die Powertrain-Calibration-Spezialisten, die das enorme Leistungsniveau des Nettuno-Motors beherrschbar machen.

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Auslieferung als Event: Ein Kundenfahrzeug in Monza. (Bild: zVg)

Die Aerodynamik ist Teil dieses Gesamtkonzepts: Das Centro Stile formte das Design so, dass es mit den technischen Anforderungen effizienter Aero-Lösungen für unterschiedliche Streckenkonfigurationen zusammenpasst. Und auch wenn die MCXtrema für GT-Meisterschaften nicht vorgesehen ist, erfüllt sie gemäss Hersteller die relevanten FIA-Anforderungen bei Sicherheitsausrüstung und Schutzsystemen.

Ein Club für Besitzer

Wie konkret sich MCXlusiva ausprägen kann, zeigt eine Auslieferung im Werk Modena: Der in Südfrankreich lebende Unternehmer, Nuklearingenieur und Sammler Jacques Sicotte, der bereits einen MC12 besitzt, integrierte die MCXtrema in seine Sammlung von über 60 seltenen Collector’s Cars. Sein Fahrzeug erhielt eine «Corse»-Livery in Anlehnung an die MC12 Stradale, zusätzlich personalisiert mit der Glückszahl 77 auf der Tür; aussen zweifarbig in mattem Blau und Perlmuttweiss, mit kontrastierend lackiertem Trident auf der Haube.

Die Übergabe wurde symbolisch angereichert: Andrea Bertolini, Chief Test Driver bei Maserati und vierfacher Weltmeister in GT-Klassen auf MC12, überreichte den Schlüssel. Er hatte den Entwicklungsprozess der MCXtrema von Beginn an bis hin zur Arbeit im dynamischen Simulator begleitet. Für Besitzer baut Maserati rund um das Auto zudem ein eigenes Erlebnisprogramm: MCXperience mit Concierge (Track-Days, Betreuung) und einem Racing-Kit, entwickelt gemeinsam mit Sparco.

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Der Rennwagen am «2025 CrowdStrike 24 Hours of Spa». (Bild: Maserati)

Markt für Liebhaberobjekte

Im Gespräch mit finews erklärte DACH-Chef Roland Staehler, dass Enthusiasten den MCXtrema bei verschiedenen Events kennenlernen können, so etwa im Juli auf dem Hockenheimring im Rahmen von «Taxi Labs».

Die Schweiz sei naturgemäss ein interessanter Markt für derartige Fahrzeuge. «Einige MCXtrema haben wir hier sogar schon verkauft», so Staehler. Die Preisklasse liege bei rund 1 Million Euro.

Neue Impulse auch bei den Serienmodellen

Wir haben mit Staehler auch über die Marktentwicklung bei den Serienmodellen gesprochen. Der regulatorische Rahmen stelle eine Herausforderung dar. CO₂-Strafzahlungen in der Schweiz seien ein Thema, da Maserati als eigener Importeur agiere. Der Anteil elektrischer Modelle (Folgore) liege bei etwa 10 Prozent. «Wenn wir einmal bei 20 bis 25 Prozent sind, wäre das toll», sagt Staehler.

Doch am strategischen Grundsatz ändert das wenig: «Schweizer Markt in Summe macht Sinn.» Und neue Impulse stehen an: «Es wird dieses Jahr noch etwas kommen sowohl auf der Antriebsseite als auch im Optischen.»

Ehrliche Faszination

Und dann waren da wieder diese Blicke im Raum: leuchtende Augen, viele Fragen, ehrliche Faszination.

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Maserati MCXtrema am «Goodwood Festival of Speed», 2025. (Bild: zVg)

Der Mythos Maserati lebt. Unabhängig von den aktuellen betriebswirtschaftlichen Kalamitäten der europäischen Automobilindustrie bleibt die italienische Ikone ein Faktor, mit dem zu rechnen ist.