«Kantonalbanken nehme ich nicht ins Portefeuille»

Mit der Thurgauer und der Glarner Kantonalbank wollen demnächst gleich zwei Schweizer Staatsinstitute an die Börse. Trotzdem will Fidelity-Fondsmanager Alberto Chiandetti nicht in diese Titel investieren. Warum?

Das Timing für den Börsengang (Initial Public Offering, IPO) der Thurgauer Kantonalbank sei zwar nicht schlecht, sagt Alberto Chiandetti, Fondsmanager bei Fidelity. Doch in diese Aktien werde er nicht investieren.

Der Grund: «Die meisten Titel der Kantonalbanken sind derzeit angemessen bewertet», sagt Chiandetti, der einen Schweizer Aktienfonds mit einem Volumen von 393 Millionen Franken (per Ende Februar 2014) verwaltet. Knapp 20 Prozent der Titel sind Finanzwerte.

Ein Plus von 250 Prozent in einem Jahr

«Die Kantonalbanken sind über das Hypothekargeschäft stark von der Entwicklung im Immobilienmarkt abhängig. Dessen Chancen und Risiken sind bereits in den Kursen enthalten», ist Chiandetti überzeugt. Entsprechend ortet er in den Kantonalbanken-Titel nur noch ein geringes Aufwärtspotenzial.

Im Gegensatz dazu sieht der Fidelity-Fondsmanager bei Leonteq, dem Anbieter von Strukturierten Produkten, noch einiges Potenzial, und dies selbst nach den markanten Avancen der vergangenen zwölf Monate (+250 Prozent). «Diese Aktie bleibt attraktiv, da der Markt erst jetzt anfängt, das Geschäftsmodell des Unternehmens zu begreifen», sagt Chiandetti.

Potenzial von Leonteq frühzeitig erkannt

Beim Börsengang im Oktober 2012 hätten viele Investoren das Unternehmen als «Bank» wahrgenommen. In Tat und Wahrheit handle es sich aber um eine Firma, die ihre IT-Plattform anderen Banken und Versicherungen zur Entwicklung von Strukturierten Produkten zur Verfügung stelle, betont Chiandetti.

«Glücklicherweise habe ich dieses Geschäftsmodell und dessen Potenzial rasch erkannt», sagt der Fidelity-Mann weiter. Unter diesen Prämissen beteiligte sich Chiandettis Fonds anfänglich mit 3 Prozent des Fondsvolumens an Leonteq, «was für ein vergleichsweise kleines Unternehmen ein hoher Anteil ist, bedenkt man, dass wir maximal 10 Prozent unseres Fondsvolumens in einer Einzelposition halten dürfen.»

Nachdem sich der Kurs seit dem Börsengang vervierfacht hatte, verkaufte Chiandetti einen Teil der Leonteq-Aktien wieder und baute so seine Position von damals 3 Prozent auf inzwischen 1 Prozent ab.

Partners Group ausgereizt?

Interessant findet der Fidelity-Fonds-Manager zwar auch das Geschäftsmodell der auf Private-Equity-Anlagen spezialisierte Partners Group. Nach der starken Kursperformance der letzten zwölf Monate (+23 Prozent) sieht er derzeit nicht mehr viel Raum nach oben. Deshalb hält sich Chiandetti aus diesen Titeln fern.

Chiandettis grösste Position bei seinen Finanztiteln ist derzeit die Credit Suisse (CS) mit 8,1 Prozent am Fondsvolumen. Somit sind diese Titel hinter jenen von Novartis (9,2 Prozent) und Roche (9,0 Prozent) das drittgrösste Einzelengagement in dem zwischen 30 und 40 Aktien umfassenden Fonds.

CS-Abschlag verschwindet mittelfristig

Gemäss Chiandetti werden die Aktien der CS derzeit noch mit einem Investmentbanking-Abschlag gehandelt. «Doch mit der wachsenden Erkenntnis, dass sich nach der UBS auch die CS künftig auf die Vermögensverwaltung fokussieren wird, dürfte der Abschlag mittelfristig verschwinden», sagt der Fidelity-Experte. Darum also setzt er auf die Titel der aktuell noch schwächelnden Grossbank.

In den vergangenen drei Monaten hat der Fonds eine Performance von knapp 4 Prozent verbucht, verglichen mit 3,2 Prozent im MSCI Schweiz. In den vergangenen zwölf Monaten betrug die Performance gar 22,8 Prozent gegenüber 14,3 Prozent des Index'. 

 

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