Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam: Von McKinsey ins Bankfach

Der künftige CEO der Schweizer Grossbank liess sich nicht einmal von US-Präsident Barack Obama fürs Banking erweichen. Für die Credit Suisse tut er es – und muss dort nun seinen Schwung beweisen.

Unter Beobachtern und Kommentatoren hatte niemand mit ihm gerechnet. Doch ganz offensichtlich war er die erste Wahl der Credit-Suisse-Verwaltungsräte: Der an der Elfenbeinküste geborene Franzose Tidjane Thiam (Bild) soll Brady Dougan an der Spitze der Bank ablösen, wie die Credit Suisse am Dienstag mitteilte.

Überraschenderweise ist der 52-jährige Thiam kein Banker, sondern machte Karriere bei Versicherungen. Doch das mit grossem Erfolg: Beim grössten britischen Versicherer Prudential gelang es ihm seit seinem Antritt als CEO im Jahr 2009, den Börsenwert zu verdreifachen und die Expansion in Asien voranzutreiben.

Job bei der Weltbank abgelehnt

Das machte offenbar bei der CS in Zürich Eindruck; die Bank sucht seit der Finanzkrise nach einer griffigen Strategie, um ihrem Aktienkurs wieder Schwung zu verleihen.

Das erhofft sich die Bank nun von einem Mann, der eigentlich mit dem Banking nichts zu tun haben wollte. Wie die Agentur «Bloomberg» berichtet, lehnte Thiam im Jahr 2012 ein Angebot ab, die Investment-Einheit der Weltbank zu übernehmen. Dies, obschon ihn der damalige Stabschef von US-Präsident Barack Obama explizit darum gebeten haben soll.

Nun hatte offenbar die Schweizer Grossbank so gute Argumente, dass sich Thiam doch noch fürs Bankfach erweichen liess.

Die Credit Suisse stärken

«Es ehrt mich, dass ich die Gelegenheit erhalte, dieses grossartige Unternehmen zu leiten und in dieser Rolle auf Brady Dougan zu folgen, der ein hervorragender CEO war», sagte der künftige CS-CEO am Dienstag. Die Credit Suisse verfüge über ein aussergewöhnliches Geschäft, grossartige Mitarbeitende, eine gute Strategie und eine starke Markstellung.

Er freue sich, so Thiam weiter, die sehr gute Marktstellung der Credit Suisse zu erhalten und weiter zu stärken und für deren Kunden in der Schweiz und weltweit da zu sein.

Als Minister weggeputscht

Beim Berater McKinsey & Co wo Thiam 1986 seine Karriere startete, hatte er immerhin neben Versicherern auch Banken betreut. 1994 kehrte in seine Heimat, die Elfenbeinküste, zurück und leitete dort das Büro für technische Studien und Entwicklung. Später wurde er gar zum Minister für die Wirtschaftsentwicklung ernannt, musste das Land nach einem Staatsstreich im Jahr 1999 verlassen.

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