Darum hat die UBS keine Angst vor dem Fintech-Boom

Wenn die Gefahr von Fintech-Startups für etablierte Banken heraufbeschworen wird, bleibt die UBS cool. Denn sie paart Fintech mit eigenen Stärken. Das kommt bei den Kunden an, wie nun erstmals Zahlen zeigen.

Die Grossbank macht im E-Banking und im digitalen Wealth Management vor, wie Finanzinstitute traditioneller Herkunft den Fintech-Boom zum eigenen Vorteil nutzen können. Mit ihren Apps und Online-Anwendungen im Retailbanking und Wealth Management heimst die UBS Preis um Preis ein. Aber über Erfolg oder Misserfolg entscheidet nicht ein Fachpublikum, welches Apps bewertet. Sondern Kunden, welche sie anwenden.

Nun hat die UBS erstmals konkrete und verschiedene Belege dafür geliefert, dass ihre digitale Strategie auf die Bedürfnisse ihrer Kunden trifft. Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitalization in der UBS Schweiz, sagte am Mittwoch vor Medien, das Netto-Ertragswachstum mit der digitalen UBS-Kundschaft belaufe sich auf 244 Prozent.

Höherer Ertrag mit «digitalen» Kunden

Das ist eine eindrückliche Zahl, der aber der Basiseffekt zugrunde liegt: Wer bei Null startet, kann relativ einfach steile Wachstumsraten erzielen.

Aussagekräftiger ist da schon folgende Angabe, welche Kubli machte. Kunden, die über digitale Kanäle mit der UBS in Beziehung stünden, generierten 24 Prozent mehr Ertrag als die traditionelle Kundschaft. «Diese Angaben beziehen sich zwar auf das Retailbanking», so Kubli. «Aber ich kann versichern, dass es sich im Wealth Management genauso verhält.»

Die UBS wickelt Vermögensverwaltungsmandate im Wealth Management bereits online ab. Mit ihrem Beratungsservice Advice befindet sie sich noch in der Testphase.

Lukas Gähwiler, Chef der UBS Schweiz, ergänzte zu Kublis Angaben, mittels digitaler Angebote habe die Bank noch nie so viele Neukunden angezogen wie seit der Fusion im Jahre 1998. Die Saldierungsrate belaufe sich auf 42 Prozent.

Zudem kann die Bank auf eine hoch zufriedene Kundschaft im E-Banking zählen, wie Umfrageergebnisse zeigen. 96 Prozent beträgt die Zustimmung und 70 Prozent der Kunden bewerten die im Oktober 2013 vollständig erneuerten E-Banking-Funktionen besser als die alten.

Volle Pipeline

Den bisherigen Erfolg ihrer digitalen Strategie nutzt die Bank für weitere Lancierungen: Mobile Banking auf Tablet-Computern steht bereits in der Testphase wie auch die Interactive Advisory Solution, eine neue Software-Lösung, die in Beratungen angewendet wird. E-Commerce easy – ebenfalls in der Testphase – richtet sich an Unternehmen, die einen Online-Shop betreiben.

Mit der Anwendung müssen sie nur noch einen Vertrag abschliessen, um Kartenzahlungen verarbeiten zu können. Ab 2016 steht in den UBS-Filialen der sogenannte Multimat, mit dem Kunden vor Ort ihre Bankgeschäfte erledigen können. Kunden würden dieses Angebot vor allem aus Sicherheitsgründen nutzen, so Kubli.

Filiale beleben

Die UBS fährt den Digitalisierungszug, aber die Filiale und der physische Kundenkontakt bleiben ein Schlüssel zum Erfolg, wie Gähwiler betonte. Die Multikanalstrategie habe auch den Zweck, die Filiale zu beleben, sagte er. Denn der digitale Mensch nutze Online-Dienste zwar gerne für Suchen und Informationen, aber echte Abschlüsse wie Hypotheken würden noch immer mit dem Berater gemacht.

Es ist dieses vermeintlich überholte Geschäftsmodell mit dem physischen Kundenkontakt, welches die UBS auf den digitalen Kanälen so erfolgreich macht und mögliche Konkurrenz von Fintech-Startups und potenziellen «Industry-Disruptors» darum weitgehend kalt lässt.

Kooperation anstatt Konkurrenz

Denn eine UBS mit rund 2,5 Millionen Kunden in der Schweiz und täglich zig Millionen Kundenkontakten hat gegenüber einem Fintech-Startup einen Riesenvorsprung, wenn sie neue digitale Dienstleistungen anbieten will. Das Startup muss bei Null starten.

Fintech-Unternehmen stellten darum keine Konkurrenz dar, sondern mögliche Kooperationspartner, nannte Kubli einen weiteren Baustein des Erfolgs. Wobei die UBS hier ihre Partner genau aussucht und sich nur auf Technologieanbieter wie Misys, Swissquant oder Sumup konzentriert, welche keine Gefahr oder Konkurrenz für das Kundengeschäft darstellen.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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