In der Schweiz wird noch immer Geld gewaschen

Schweizer Ermittlungen haben die Korruptionsaffäre um den Ölkonzern Petrobras ins Rollen gebracht. Erste Ergebnisse zeigen: Geldwäsche funktioniert in der Schweiz noch immer.

Bundesanwalt Michael Lauber präsentierte am Mittwoch in Brasilia zusammen mit seinem brasilianischen Amtskollegen Ergebnisse aus den Ermittlungen im Korruptionsfall um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras.

Es seien rund 120 Millionen Dollar an früheren Schmiergeldern von der Schweiz zurück nach Brasilien repatriiert worden, zitierte die Nachrichtenagentur «Reuters» Bundesanwalt Lauber. Insgesamt seien in diesem Fall rund 400 Millionen Dollar auf Schweizer Bankkonten eingefroren worden.

Über 300 verdächtige Konten

Die Ermittlungen der Schweiz haben den Fall erst ins Rollen gebracht. Ein Hinweis der Meldestelle für Geldwäsche war dazu der Auslöser gewesen. Dies wirft ein positives Licht auf die Schweiz und ihre Banken, die in der Vergangenheit grosse Anstrengungen im Kampf gegen Geldwäsche unternommen haben.

Gleichzeitig werfen die Details aber auch Fragen über die Effektivität des Schweizer Systems der Geldwäschereibekämpfung auf. Denn laut Lauber hat die Bundesanwaltschaft im Zuge der Ermittlungen nach 60 Verdachtsmeldungen mehr als 300 Konten bei über 30 Banken in der Schweiz ausfindig gemacht, über welche die Schmiergeldzahlungen wohl abgewickelt worden seien.

Offshore-Firmen als «Strohmänner»

Petrobras-Direktor Paulo Roberto Costa zeigte, wie man die Banken und ihre internen Kontrollen täuschen kann: Er hatte in der Schweiz bei fünf Banken im Namen von Offshore-Firmen 28 Millionen Dollar verteilt und gewaschen. Eine Bank wurde erst nach Jahren hellhörig.

Ihre Meldung führte schliesslich zur Verhaftung von Costas in Brasilien. Weil er sich Haftmilderung versprach, plauderte der frühere Petrobras-CEO, womit die Korruptionsaffäre sich erst in ihrer ganzen Dimension zeigte.

Petrobras hatte während Jahren Schmiergelder in Milliardenhöhe für Aufträge erhalten. Das Geld soll dann an Politiker und Parteien geflossen sein, unter anderem an den Partido dos Trabalhadores von Präsidentin Dilma Rousseff.

Abhängig vom Verhalten der Banken

Was von diesen Zahlungen für die Manager abfiel, floss auf Bankkonten in der Schweiz. Lauber sagte vor der brasilianischen Presse, er erwarte, dass von den Banken weitere Verdachtsmeldungen eingingen. Dies hänge vom Verhalten der Finanzinstitute ab.

Es fällt auf, dass erst eine Bank einen Verdacht melden musste, bevor Presseberichte und die aktiv werdende Bundesanwaltschaft weitere Banken zu Meldungen bewegt haben. Bis dahin waren die Konten und die Zahlungen im Namen von Offshore-Firmen nicht aufgefallen.

Zu denken gibt auch der Fakt, dass die brasilianischen Öl-Manager und Politfunktionäre gezielt auf Schweizer Banken zugegangen sind, um ihre Schmiergelder zu verstecken und zu waschen. Der Ruf des Schweizer Finanzplatzes ist demnach noch längst nicht so sauber, wie es offiziell dargestellt wird.

 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

 

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Europas Zukunft steht auf dem Spiel
  • Bankchef muss auf 41 Millionen Dollar verzichten
  • Wohnen wie Leonardo DiCaprio
  • 1'000 Börsengänge – und hoffnungslos im Hintertreffen
  • Kahlschlag bei der Commerzbank
  • Deutsche Bank am Abgrund
  • Absturz eines Hedgefonds-Stars
  • 1MDB-Skandal: Nach DiCaprio auch Robert de Niro im Visier
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram

Zürcher Bankenverband

Führende Vertreter der Schweizer Finanzbranche zum Thema Regulierung.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

SELECTION

Selection

Wo sich ein MBA am meisten lohnt

Hier haben MBA-Absolventen ihre Studiengebühren am schnellsten wieder verdient.

Selection

Selection

So werden Sie ein guter Chef

Ausgezeichnete Fachkenntnisse reichen nicht. Diese sieben Punkte sind genauso wichtig.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank will den britischen Versicherer Abbey Life an die Phoenix Life, eine Gesellschaft der Phoenix Group, verkaufen. Die nun geschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Phoenix Life 100 Prozent von Abbey Life zum Preis von 935 Millionen Pfund erwirbt. Abbey Life ist derzeit Teil der Deutschen Asset Management.

Schwyzer Kantonalbank

Die Schwyzer Kantonalbank will mit neuen Fonds-Produkten finanzielle und ethische Ansprüche vereinen. Bis Ende 2016 erhebt die Bank auf die sogenannten Ethikfonds keinen Ausgabeaufschlag.

Crealogix

Das Bankensoftwareunternehmen Crealogix hat für das Verwaltungsrechenzentrum St.Gallen (VRSG) ein Bankingportal für den Government-Bereich entwickelt. Die Zahlungsverkehrslösung deckt die neusten Anforderungen des Schweizer Zahlungsverkehrs ab. Sie lässt sich unabhängig von einem Online-Banking-Tool einsetzen.

Valartis

Die Valartis Gruppe hat den Vollzug der Übernahme der Liechtensteiner Tochter an die Citychamp Watch & Jewellery Group aus Hongkong abgeschlossen. Damit ist die letzte Voraussetzung für die Umsetzung der Sanierungspläne erfüllt.

Aargauer Kantonalbank

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat in Eigenregie eine neue Anleihe in der Höhe von 200 Millionen Franken aufgelegt. Die Laufzeit beträgt 8 Jahre, der Coupon 0,02 Prozent.

digitalswitzerland

DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

Fondsmarkt

Die Schweizer Fondbranche kratzt an der Billionen-Grenze. Wie der Branchendienst Swiss Fund Data vermeldete, erreichte das Vermögen der in der Schweiz gehandelten Anlagefonds letzten August rund 914 Milliarden Franken.

EIB

Die Europäische Investitionsbank finanziert die Forschung am Genfer CERN. Dies, indem sie dem Teilchenbeschleuniger eine Kreditfazilität von 250 Millionen Franken leistet. Das Geld wird zum Bau des nächsten CERN-Grossprojekts benötigt, dem High Luminosity Large Hadron Collider.

Finma

Die Eidgenössische Finanzmarkt-Aufsicht Finma nimmt ihre digitale Zustellplattform in Betrieb. Diese ermöglicht es den Beaufsichtigten und Prüfgesellschaften, Jahresberichte und weitere Dokumente elektronisch einzureichen. Mit SuisseID lassen sich die Dokumente zudem elektronisch signieren.

weitere News