Schöner arbeiten mit der UBS

Die neuen Kleiderregeln der UBS ernten bereits weltweit Resonanz. Dabei gelten sie erst in Adliswil, Kloten, Sitten, Emmenbrücke und Ascona.

Wieder einmal findet die UBS weltweit Erwähnung, vom «Australian» in Melbourne über das «Wall Street Journal» und den «Christian Science Monitor» bis zu «Les Echos» in Paris. Der Grund: Ein 44-seitiges Papier, das offiziell erst für einigen UBS-Filialen in der Schweiz gilt.

Aber der  «Dresscode UBS» gibt derart präzise Ankleide-Richtlinien für die Männer und Frauen an der Front, dass es auffällt: Von der Frisur bis zu den Schuhen wird jedes Detail minutiös behandelt. Da heisst es zum Beispiel, dass der Jupe der Damen idealerweise bis zur Mitte des Knies fällt (oder allenfalls bis zu 5 Zentimeter über die Mitte des Knies). Oder dass man die Schuhe idealerweise etwa doppelt so lange lüften lässt, wie sie getragen worden sind.

«Innere Ruhe und ein Gefühl von Sicherheit»

Das UBS-Kleidungs-Reglement soll vorerst in einem Testlauf in den fünf Filialen in Adliswil, Kloten, Sitten, Emmenbrücke und Ascona ausprobiert werden, bevor alle Schweizer Niederlassungen in seinen Genuss kommen könnten: Am Ende dürften rund 1500 Mitarbeiter in 300 Standorten direkt betroffen sein.

Die ganze Übung gilt nicht nur einem einheitlichen und korrekten Auftreten der Angestellten der UBS, sondern soll sich auch auf deren Performance auswirken. «Ein makelloses Auftreten kann den Eindruck von innerer Ruhe und das Gefühl von Sicherheit vermitteln», heisst es im Guide.

«Lächerlich wie eine Frisur von David Beckham»

Das Problem derzeit: Wer immer über den Detailcode schreibt, erwähnt aus diesem Anlass die Vergangenheit der UBS. Die Agentur «Reuters» beginnt ihre Meldung zum Thema mit dem Satz: «Die UBS versucht, ihr angeschlagenes Image mit einem neuen Dress Code zu polieren» – um dann als erstes mal an die Milliarden-Stützungen zu erinnern, welche die Bank in der Vergangenheit nötig hatte.

Und das britische Fachblatt «Management Today» kommentiert: «Die Details des Codes sind präzise und doch so lächerlich wie eine der Frisuren von David Beckham. Wir können nicht umhin zu denken, dass die UBS andere Prioritäten hätte setzen sollen – und solche Detailliebe besser in anderen Feldern angewandt hätte. Die Bank benötigte in der Finanzkrise den grössten Bailout Europas. ... Es lässt sich kaum bestreiten, dass die UBS, wie viele andere Banken auch, ihr Image erneuern muss. Aber wir sind nicht überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, das Problem anzugehen.»

Auch der leitende Business-Kommentator der «Financial Times», John Gapper, konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: «Die UBS möchte besser aussehen als ihre Bilanz», bloggte Gapper – und schloss mit dem Satz: «Es ist vermutlich einfacher, eine Krawatte anständig zu binden als mit Hypothekenpapieren zu handeln.»

Überhaupt werden die UBS-Regeln sehr häufig mit einer gesalzenen Prise Ironie kommentiert. In «Business Insider» erscheint das Thema unter dem Titel: «The Banker's Guide to Dress and Smell like a Winner». In Frankreich fanden die Leser von «20 minutes» den UBS-Artikel unter der Schlagzeile: «Mein Patron lädt sich selber in meine Garderobe ein».

Unterwäsche, Bluse, dunkle Farbtöne

Der Dresscode der UBS überlässt wahrlich nichts dem Zufall. Frauen sollen hautfarbene Unterwäsche zu tragen, eine Bluse ist Pflicht, und nur schwarze Socken ohne Muster sind künftig bei der Bank erlaubt.

Bei den Männern werden nur graue, schwarze oder dunkelblaue Anzüge geduldet, die täglich gewechselt werden sollen und regelmässig zur Reinigung gebracht werden müssen. Dazu kommt ein Hemd, bei dem der Kragen weit genug sein muss, dass eine Fingerbreite Platz darin findet.

Bemerkenswert ist insgesamt, dass die Vorschriften für die Frauen rund doppelt so viel Platz beanspruchen wie die Regeln für die Männer.

Vorsicht vor Ausbeulungen

Getadelt werden Ausbeulungen in den Hosentaschen, die durch dicke Portemonnaies erzeugt werden. Ebenfalls Tabu sind Piercings, Tattoos und auffälliger Schmuck. Auch wird festgelegt, wie viele Schmuckstücke die UBSler tragen dürfen. Bei Männern sind es (mit der Sonnenbrille) drei, bei Frauen sieben.

Ebenfalls nicht geduldet wird eine ungepflegte Bartbehaarung. Und auch auf dem Kopf schenkt die UBS dem Haar viel Beachtung. Denn gemäss UBS sei laut einer Studie bewiesen, dass ein gepflegter Haarschnitt Sympathien erweckt und die persönliche Wertschätzung steigert.

Daher sollten UBS-Angestellte mindestens einmal im Monat den Coiffeur aufsuchen.

Geteilte Reaktionen

Bei der anderen Schweizer Grossbank existiert kein vergleichbarer Dresscode. «Bei der Credit Suisse werden in den verschiedenen Funktionsbereichen seit Jahren Standards eingehalten, die sich pragmatisch an den Verhältnissen im Umgang mit Kunden orientieren», lässt die Bank auf Anfrage von finews.ch verlauten.

«Ein korrektes Auftreten ist Usanz in der Bankenwelt. Leute mögen über die Präzision dieses Guides lachen, doch ab und zu ist es besser, wenn man Sachen genau definiert», sagte ein UBS-Sprecher gegenüber dem «Wall Street Journal».

Bei der UBS werde der Dresscode weniger als strikte Richtlinien angeschaut und soll den Angestellten vielmehr Tipps und Tricks zum gepflegten Erscheinen vermitteln, erklärt Andreas Kern, Pressesprecher der UBS, den Sinn hinter dem Papier gegenüber finews.ch.

«Die Richtlinien wurden im Rahmen unseres Geschäftsstellenkonzepts erstellt und sollen auch bei den Angestellten für ein einheitliches Erscheinungsbild sorgen. Zu den Vorschriften gehören nur ein dunkler Anzug, ein weisses Hemd und eine rote Krawatte bzw. Foulard und schwarze Schuhe. Alles andere sind Tipps und Tricks», sagt Kern.

«Zudem gilt der Dresscode nur im Schalterraum, wo Basisdienstleistungen angeboten werden. Für Kundenberater kommt der Dresscode nicht zu Anwendung», präzisiert Kern den Anwendungsbreich. «Natürlich legen wir aber auch dort Wert auf ein gepflegtes Auftreten», fügt er an.

Unzumutbar für Gewerkschafter

Ganz anders sieht dies Jean Christophe Schwaab, Rechtsverantwortlicher des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. «Diese Richtlinien sind sowohl unzumutbar als auch illegal», moniert Schwaab. Ob und wie genau der Dresscode für die gesamte UBS umgesetzt werden könnte, wird sich nach der Evaluationsphase bei den fünf Filialen zeigen. Kleidergeschäfte, Coiffeure und Textilreinigungen dürften sich über eine bankweite Ausdehnung der Richtlinien freuen.

Pdf's des gesamten UBS-Dresscode finden Sie unter anderem bei «Le Temps» oder beim französischen Online-Magazin «Rue89».

Was denken Sie?

{mijopolls 17}

 

 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nackfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Wie sich Angstkultur ausbreitet

Mehrere Tausend Stellen im Schweizer Bankgewerbe sollen verschwinden. Besonders betroffen davon ist das mittlere Kader.

Selection

Selection

So sieht der Banker der Zukunft aus

Mit aller Macht versuchen die Banken, ihr Geschäft ins Zeitalter der Digitalisierung zu retten.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

weitere News